Christian Sommer (Pressefoto, 2014)

Christian Sommer (Pressefoto, 2014) © mg GmbH

Ein wichtiges Jubiläum für das "Mannheimer Modell": Der Musikpark Mannheim feiert Geburtstag, das bundesweit erste Gründungszentrum für die Musikbranche gibt seit einem Jahrzehnt den Ton an. Wir sprachen mit Christian Sommer, Geschäftsführer des Betreibers des Musikparks, über den Blick zurück und nach vorn.

"Im Februar ist Spatenstich für das von der Stadt Mannheim zu errichtende Existenzgründerzentrum für die Musikwirtschaft", schrieben wir zu Beginn des Jahres 2003. Ein Jahr später eröffnete der Musikpark Mannheim und ist seitdem eines der Aushängeschilder des inzwischen bundesweit bekannten "Mannheimer Modells" für die Musik- und Kreativwirtschaft.

Zum zehnjährigen Jubiläum des Musikparks sprachen wir mit Christian Sommer, dem Geschäftsführer der mg: mannheimer gründungszentren gmbh, die wiederum Betreiberin der Existenzgründungszentren in Mannheim ist.

"Großer Bedarf in der Szene"

regioactive.de: Christian, du bist ja von Anfang an beim Musikpark dabei. Wie hat eigentlich alles angefangen?

Christian Sommer: Die Aussage ist eigentlich nicht ganz richtig, angefangen hat alles im Jahr 1999. Damals hat der ehemalige Kulturbürgermeister Dr. Kurz die Stelle eines kommunalen Rock- und Popbeauftragten eingerichtet. Nachdem man festgestellt hat, dass ein recht großer Bedarf in der Szene besteht, kam relativ schnell die Idee auf, ein Existenzgründungszentrum für die Musikbranche ins Leben zu rufen.

Der Antrag wurde von Peter Kurz und Christian Hübel gemeinsam mit Peter Simon, dem damaligen Leiter des Europabüros, aufgestellt. Im Jahr 2002 war dann die Bewilligung da und es sollte ein Musikpark gebaut werden. Ich kam Mitte 2003 als erster operativer Geschäftsführer dazu. Als ich anfing, hatte die Bauphase gerade begonnen. Zur gleichen Zeit etwa fiel auch die Entscheidung, die Popakademie nach Mannheim zu holen. Die Musikwirtschaft in der Stadt anzusiedeln, lag in Mannheim natürlich nahe, gerade auch zu Hochzeiten der Söhne Mannheims und Xavier Naidoos. Mannheim war schon immer ein hervorragendes Pflaster für Musiker und Bands, man hat also einen sehr guten Riecher bewiesen und nun auch auf wirtschaftlicher Ebene auf die Musik gesetzt.

regioactive.de: Die Entwicklung lief ab dann rasant, die Institutionen haben sich wahnsinnig schnell etabliert. Der Musikpark ist wohl das Gegenteil einer Investitionsruine, Leerstände gibt es so gut wie keine.

Christian Sommer: Wir sind voll ausgebucht. Man hat immer Varianzen, es stehen auch mal ein oder zwei Räume leer, aber das sind temporäre und keine strukturellen Leerstände. Als der Musikpark eröffnet wurde, hatten wir eine Warteliste, die doppelt so lang war wie die Anzahl an Unternehmen, die einziehen konnten. Wir hätten also locker zwei Gebäude füllen können. Das zeigte damals schon sehr früh, dass wir aufs richtige Pferd gesetzt haben.

"Untersützung quer durch alle Schichten"

regioactive.de: Was war für dich das Highlight aus zehn Jahren Musikpark-Geschichte?

Christian Sommer: Für mich war die große Unterstützung, die wir quer durch alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Schichten erfahren haben, das größte Highlight. Wenn ich mir anschaue, was in anderen Städten in der Region in Bezug auf dieses Thema abläuft, hat Mannheim einfach eine ganz andere Homogenität und Gemeinschaft bewiesen. Hier haben der Gemeinderat, alle Parteien und die gesamte Verwaltung an einem Strang gezogen: Das Projekt wurde für die Stadt ins Leben gerufen und die gesamte Stadt trägt es mit. Schön ist es auch zu sehen, dass die Entwicklung weitergetrieben wurde, die Einrichtung des Clustermanagement Musikwirtschaft war hierfür ein wichtiger Schritt. Auch die Bewerbung Mannheims als UNESCO City of Music gehört dazu.

Im zweiten Teil: Probleme beim Bau, warum das Clustermanagment hätte früher ins Leben gerufen werden müssen und die Unterstützung aus der Region.

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"Wir hatten von Anfang an ein großes Problem mit dem Gebäude."

regioactive.de: Gibt es im Rückblick auch Dinge, die man beim Musikpark von Anfang an hätte anders angehen oder besser machen müssen?

Christian Sommer: Klar. Wir hatten von Anfang an ein großes Problem mit dem Gebäude, das ist auch kein Geheimnis. Das Gebäude war das erste seiner Art und man hat auf baulicher Ebene leider viele Fehler gemacht und viele Warnungen und Hinweise ignoriert. Damals war das Heft noch stark in der Hand der Bauleute, auf deren Expertise wir uns verlassen haben. Bei den Existenzgründungszentren, die wir danach gebaut haben, haben wir uns im Gegensatz dazu gleich den inhaltlichen Einfluss gesichert.

regioactive.de: Welche Bauleute steckten denn dahinter?

Christian Sommer: Das Ganze wurde von einer Projektsteuerungsgesellschaft gemeinsam mit Architekten betreut. Sie haben nach klassischen Standards gebaut und die Hinweise ignoriert, die es völlig zu Recht von vielen Seiten gab. Diese betrafen akustische Maßnahmen, Wärmeschutz und vieles mehr. Dadurch entstanden über die Jahre immer wieder Probleme. Diese in den Griff zu bekommen war ein riesiger Aufwand und hat die Stadt viel Geld gekostet. Mit unserem heutigen Wissensstand würde uns das wahrscheinlich nicht mehr passieren.

Von den baulichen Problemen abgesehen wäre es außerdem sinnvoll gewesen, das Clustermanagement früher ins Leben zu rufen. Wir haben nach einigen Jahren festgestellt, dass die Institutionen Popakademie, Musikpark oder auch die Musikhochschule relativ unabhängig voneinander agieren. Man trifft sich zwar immer wieder und arbeitet auch an gemeinsamen Projekten, eine strukturelle Zusammenführung gibt es allerdings nicht. Mit einem verbindenden Element wie dem Clustermanagement hätten wir schon früher viele Prozesse beschleunigen können.

"Wir müssen das Clustermanagement weiterführen."

regioactive.de: Das Clustermanagement ist ein wichtiges Thema. Die EU-Förderung läuft jetzt aus und dein Ziel ist es, das Clustermanagement weiterzuführen.

Christian Sommer: Wir müssen es weiterführen, wir haben gar keine andere Wahl, sonst verlieren wir unsere Fördergelder. Die Förderung sieht vor, dass wir das Clustermanagement drei Jahre lang gefördert betreiben und es danach noch drei Jahre lang weiterführen. Wir haben ein Jahr weitere Förderung bekommen, doch auch diese Zeit läuft jetzt im Oktober ab. Die Stadt hat zwar auch weiterhin einen gewissen Anteil an der Finanzierung zugesagt, allerdings müssen wir für rund 30% der Kosten selbst aufkommen. Momentan laufen Gespräche mit einigen großen Unternehmen aus der Region und es sieht bezüglich einer Kooperation sehr gut aus.

regioactive.de: Der Versuch, das Clustermanagement aus der Privatwirtschaft zu finanzieren, scheint also zu funktionieren?

Christian Sommer: Es sieht momentan sehr gut aus. Es ist natürlich recht schwierig, drei Jahre im Voraus zu planen, aber für 2015 bin ich mir schon sicher. Für die Zukunft, wenn die Förderung der Stadt komplett ausläuft, müssen wir natürlich dafür sorgen, dass der Anteil der Förderung von privaten Unternehmen dementsprechend ansteigt.

"Kleinstbeträge von 50€ einzusammeln macht keinen Sinn."

regioactive.de: Es gibt in der Region ein paar große Akteure wie zum Beispiel BB Promotion, aber auch viele kleine Unternehmen, die keine finanziellen Mittel für eine solche Unterstützung haben. Wie soll das funktionieren?

Christian Sommer: Ich sehe hier auch gar nicht die kleinen Unternehmen. Für uns macht es keinen Sinn, Kleinstbeträge von 50€ einzusammeln. Ich habe die großen Unternehmen im Blick, aber nicht nur die musikwirtschaftlichen. Was wir hier betreiben ist ganz klare Infrastrukturpolitik, wir sind kreativwirtschaftlich tätig und somit für die gesamte Stadt von großer Bedeutung. Deswegen sollten auch große Unternehmen in der Stadt ein Interesse daran haben, dieses Projekt zu unterstützen. Da bin ich guter Dinge.

regioactive.de: Ursprünglich warst du Geschäftsführer des Musikparks, jetzt leitest du die MG GmbH. Das ist ein viel größeres Projekt, jetzt kommen noch andere Kreativwirtschaftszentren hinzu. Was hat sich für dich verändert?

Christian Sommer: In meiner jetzigen Position habe ich mit dem Tagesgeschäft vor Ort in den Zentren nicht mehr viel zu tun. Ich treffe mich einmal im Monat mit jedem Zentrumsleiter, dazu gehört auch Steffen Baumann vom Musikpark in Mannheim. Der Musikpark ist zwar immer noch mein Baby, trotzdem lässt es meine Zeit gar nicht zu, tiefer in das Tagesgeschehen einzusteigen. Mein Job ist sehr viel verwaltungsorientierter geworden, sehr viel planerischer und zahlenlastiger. Den engen Kontakt zu den einzelnen Unternehmen, der mir früher sehr wichtig war, kann ich so jetzt nicht mehr pflegen, dafür bin ich zu weit weg vom Geschehen. Dafür habe ich aber auch mehr Gestaltungsspielraum und arbeite sehr eng mit der Stadt zusammen.

Im dritten Teil: Über die Vorreiterfunktion des Musikparks, Vernetzung und Zukunftsaussichten für den Musikpark und das neue Kreativwirtschaftszentrum im Jungbusch.

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"Der Musikpark wurde gebaut, als das Thema Kreativwirtschaft noch gar nicht auf der Agenda stand"

regioactive.de: Ist der Musikpark immer noch der Prototyp eines Kreativwirtschaftszentrums?

Christian Sommer: Der Musikpark war unser erstes Existenzgründungszentrum, war das erste Kreativwirtschaftszentrum in Deutschland und ist bis heute das einzige für die Musikbranche. Er wurde zu einer Zeit gebaut, als das Thema Kreativwirtschaft noch gar nicht auf der Agenda stand, das kam erst einige Jahre später. Deshalb diente der Musikpark als Vorbild für viele andere Zentren. Die Erfahrungen die wir gesammelt haben, fließen natürlich in alle anderen Projekte mit ein.

regioactive.de: Deutschlandweit hat es keinen vergleichbaren Nachfolger gegeben?

Christian Sommer: Ganz kurz nachdem der Musikpark gebaut wurde entstand in Hamburg das Carostar Musikhaus. Das gibt es auch immer noch, allerdings kam nie wirklich Schwung in die Sache. Das Projekt wurde privat getragen und ist deshalb auch um einiges schwerer am Leben zu erhalten. Der Musikpark wird von der Stadt unterstützt und konnte dadurch eine wesentlich steilere Entwicklung hinlegen.

"Den Geist des alten Volksbades müssen wir also irgendwie im neuen Zentrum platzieren."

regioactive.de: Ihr baut direkt neben dem Musikpark und der Popakademie ein neues Kreativwirtschaftszentrum. Welches Ziel verfolgt ihr damit?

Christian Sommer: Das Ziel ist einfach, eine konzeptionelle Fortführung der Kreativwirtschaftsförderung zu erreichen. Die Stadt baut ein extrem hochwertiges Gebäude und schafft eine sehr hohe Wertschätzung für die Kreativwirtschaft. Konzeptionell sollen alle Teilbranchen untergebracht werden, die noch nicht im Musikpark angesiedelt sind, wie zum Beispiel Architektur, Buchhandel oder ähnliches.

regioactive.de: Wie wollt ihr die Leute in den unterschiedlichen Zentren miteinander vernetzen?

Christian Sommer: Im Musikpark haben wir uns von Beginn an unglaubliche Mühe gegeben, die Leute zu vernetzen. Wir haben Veranstaltungen, Partys, Geschäftsführertreffen veranstaltet und uns ins Zeug gelegt, um das hinzubekommen. Es war immer zäh und hat nie wirklich gezündet. Im alten Volksbad wiederum hat genau das funktioniert, ohne dass wir irgendwas tun mussten. Die Leute arbeiten und feiern zusammen, haben sich im Innenhof einen Pool aufgestellt, sämtliche Türen sind offen und alle stehen im ständigen Austausch. Warum es also im Musikpark nicht funktioniert, weiß ich wirklich nicht.

Den Geist des alten Volksbades müssen wir also irgendwie im neuen Zentrum platzieren, der Austausch hängt aber wahrscheinlich auch sehr stark von den beteiligten Personen ab. Wir müssen unsere Angebote noch mehr an das Interesse der Unternehmen anpassen.

"Wenn ich ein Unternehmen aus Heidelberg abwerben kann, dann mache ich das, das ist mein Job."

regioactive.de: Welchen Vorteil hat man, wenn man sich für ein Büro in einem solchen Zentrum entscheidet?

Christian Sommer: Für die Ausstattung der Räume ist der Mietpreis sehr günstig. Ich habe allerdings noch niemanden getroffen, für den das wirklich das ausschlaggebendste Argument war. Das entscheidende Kriterium hat sehr viel mit Image und dem Umfeld zu tun, weil der Musikpark eine gewisse Prominenz erlangt hat. Die Lage im Kreativviertel Jungbusch, die Vernetzung mit der Popakademie, gewisse Infrastruktureinrichtungen und natürlich der Zugang zum Netzwerk sind wesentliche Vorteile.

regioactive.de: Wie sieht es mit der überregionalen Vernetzung aus? Wir leben in einer sogenannten Metropolregion, die Grenzen zwischen den einzelnen Städten sind mitunter trotzdem noch sehr starr.

Christian Sommer: Wenn man es genau nimmt, bringt die Metropolregion in diesem Bereich nicht viel. Das könnte daran liegen, dass die gesamte MRN-Struktur mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln auskommen muss. Grundsätzlich hat man aber in den Bereichen, in denen es gepasst hat, schon immer zusammengearbeitet, in den anderen hat man es gelassen. Das macht die Musikbranche und auch speziell die Kreativwirtschaft schon immer. Institutionell könnte man die Zusammenarbeit aber sicherlich noch ausweiten.

regioactive.de: Ist es nicht ein deprimierendes Fazit zu sagen, dass sich nach 15 Jahren eigentlich nichts bewegt hat?

Christian Sommer: Klar arbeiten wir zusammen, es gibt die Metropolregion Rhein-Neckar und ihre Arbeitskreise, aber sehr viel weiter geht die Kooperation auch nicht. Wenn ich ein Unternehmen aus Heidelberg abwerben kann, dann mache ich das, das ist mein Job. Das machen alle anderen aber auch.

regioactive.de: Wie sieht die Planung für die Zukunft aus?

Christian Sommer: Wir müssen die baulichen Probleme des Musikparks in den Griff bekommen, für 2016 ist eine umfangreiche Sanierung angesetzt. Ob wir konzeptionell am Musikpark etwas ändern werden, kann ich jetzt noch nicht sagen, wir sammeln noch Ideen.

Der nächste Schritt ist natürlich die Eröffnung des Kreativwirtschaftszentrums und die Anschließende Vernetzung des Zentrums mit dem Musikpark und der Popakademie.

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