Denis Jones (live in Dresden, 2011)

Denis Jones (live in Dresden, 2011) © Susanne Hasse

Ein Pampanaut wäre kein Pampanaut, wenn er für schlechte Bedingungen und fast unmögliche Voraussetzungen keine Lösung hätte: Das la pampa im exil wurde zur 24h-Feierei in mindestens genauso einmaliger Atmosphäre wie das eigentliche Festival die Jahre zuvor. Zuerst Open Air, dann abends im Club konnten viele Besucher zu einzigartigen Klängen von zum Beispiel Denis Jones, Ja, Panik oder den Pampanauten-All-Time-Favorites Der Tante Renate feiern.

{image}Durch die katastrophalen Folgen des Hochwassers im vergangenen Sommer wurde das la pampa seiner idyllischen Spielstätte im Hagenwerder Freibad beraubt und wird vermutlich auf unbestimmte Zeit die heimatliche Pampa nicht beehren. Soweit die schlechten Nachrichten und somit trübe Aussichten auf eine erfolgreiche Fortsetzung eines sich wachsender Begeisterung erfreuenden Festivals. Nach langem, bangen Warten und einigen Unsicherheiten stand schließlich das Konzept: Das la pampa 2011 würde in abgespeckter Form im Sektor Evolution des Dresdner Industriegeländes stattfinden. Am 20. August 2011 war es endlich soweit. regioactive.de ließ sich auch in diesem Jahr das musikalische Spektakel der Pampanauten nicht entgehen und war live vor Ort.

{image}In sengender Hitze betraten die Hamburger von Tripping The Light Fantastic bereits am frühen Nachmittag die ehemalige Seebühne, von der in diesem Jahr, inmitten industrieller Bauten, eine ganz eigene Faszination ausging. Die beschwingten und heiteren Songs luden zum Mittanzen ein, auch wenn sich bis zu diesem Zeitpunkt nur wenige Besucher eingefunden hatten, die sich auf ein entspanntes Zuhören im Schatten beschränkten. Davon völlig unbeeindruckt zeigten TTLF, permanent die Instrumente tauschend, weshalb sie das Festival bereichern: Sie machen einfach Spaß auf der Bühne.

Als "großes Ohrenkino" bereits angekündigt, wurde Denis Jones aus dem musikalischen Mutterland England den enormen Erwartungen mehr als gerecht. Aus einer exzessiven, klangmalerischen Solo-Darbietung, in der sein Orchester durch elektronische Hilfsmittel arrangiert ist, folgten schließlich die ersten zaghaften Tanzversuche der sich beständig füllenden Exil-Pampa.

{image}Bereits mehrere Tage zuvor sorgte ein Team aus freiwilligen Helfern für ein Exil, das seine eigentlich negative Bedeutung nicht verdient hatte. Ein liebevoll gestaltetes Areal mit allem, was einem Pampanauten am Herzen liegt, ließ fast keine Wünsche offen. Erst mit Ja, Panik beim Einbruch der Dunkelheit wurden sämtliche Details des akribisch durchdachten Designs des Geländes deutlich. Lichtquellen unterschiedlichster Art ließen den Außenbereich in einer besonderen Atmosphäre erstrahlen, in dessen Mittelpunkt mit Ja, Panik ein besonderes musikalisches Juwel stand. Die ambitionierten, jungen Österreicher um ihren Frontmann Andreas Spechtl beehrten bereits in den vergangenen Jahren die großen Bühnen ihrer Zunft. Mit einer bemerkenswert souveränen Darbietung ließen sie keine Zweifel ihres Könnens erkennen und brannten sich in die Köpfe der Zuhörer, ohne diese jedoch vollends in ihren Bann zu ziehen.

{image}Dieses Privileg war nur wenigen Bands vorenthalten und eine davon waren Ghost Of Tom Joad, die den musikalischen Reigen im Club des Sektor Evolution eröffneten. Ohne jede Ahnung ihres gegenwärtigen Aufenthaltsortes verwandelten die sympathischen Jungs aus Westfalen die Pampa in einen Hexenkessel mit exzessiv tanzenden Besuchern, die nur auf eine so befreiende Darbietung gewartet hatten. Drumsticks flogen über die Bühne, High-Hats verloren ihren Halt und der Zuhörer jeden Sinn für Zeit und Raum. Nach einem für alle Beteiligten viel zu kurzem Auftritt verließen Ghost Of Tom Joad entkräftet die Bühne, auf der sie nicht wenige neue Bewunderer gewonnen hatten

{image}Für viele galt als inoffizieller Headliner der la Pampa-Dauerbrenner aus Hamburg, die bessere Hälfte von Bratze: Norman Kolodziej alias Der Tante Renate. Bei seinem nunmehr vierten Auftritt glänzte der Ehren-Pampanaut mit gewohnt wummernden Beats, dichtem Nebel und einem Blitzlichtgewitter, das selbst das Stroboskop an die Grenze seiner Belastbarkeit brachte. Nach nur wenigen Minuten war der Siedepunkt des Abends erreicht und die zahlreichen Besucher feierten neben ihren Helden aus Hamburg ein gelungenes Exil-Festival, aber in erster Linie sich selbst. Bis in die späten Morgenstunden boten DJs die tanzbare Alternative zum Schlaf und sorgten für einen würdigen Abschluss eines Experiments, das geglückt ist. Auch wenn es im nächsten Jahr erneut ein Festival fernab der heimatlichen Pampa geben sollte, kann diesem Termin schon mit großer Vorfreude entgegen gefiebert werden.

► Alle Fotos vom la pampa im exil gibt es → hier.

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