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Felix (halle02, Heidelberg) © (privat)

Lange wurde darüber gestritten, jetzt ist der Umbau der halle02 in Heidelberg in vollem Gang. Wir sprachen mit Inhaber Felix Grädler über die Notwendigkeit, den Charme des ehemaligen Bahngebäudes zu erhalten, die künftige Gestalt der halle02 und Gegenwartskultur als Standortfaktor.

regioactive.de: Große Veränderungen stehen euch bevor. Die halle02 wird komplett umgebaut. Wenn ich es richtig verstanden habe wird es am Ende drei Bereiche geben: Eine große Halle, einen kleineren Club und ein Bühnenhaus. Vielleicht kannst du dazu etwas sagen?

Felix Grädler: Unser Hauptkonzept besteht darin, dass es eine größere Halle und einen kleinen Club geben wird, die durch ein Foyer verbunden sind. Das Bühnenhaus wird Teil der neuen Halle sein und uns neue Möglichkeiten eröffnen: Durch Vergrößerung der Deckenhöhe werden künftig dort Produktionen stattfinden können, die früher nicht möglich waren. Dadurch werden auch neue Künstler nach Heidelberg kommen.

"Es werden neue Künstler kommen"

regioactive.de: Haben Künstler abgesagt, weil sie ihre Bühnenshow bei euch bislang nicht aufführen konnten?

Felix Grädler: Ja genau, die Dimension der Bühne war häufig ein Problem. Viele Acts konnten beispielsweise ihren Aufbau, den sie auf Tour dabei haben, rein platztechnisch nicht unterbringen.

regioactive.de: Wird die halle02 insgesamt höher?

Felix Grädler: Nur das Bühnenhaus, also der Bereich der Bühne. Außerdem werden Teile der Infrastruktur wie Toiletten, Strom, Lüftung und auch das Dach neu gemacht. Das finanziert alles die Stadt Heidelberg, die als Vermieter richtig viel Geld investiert. Zudem investieren wir als Betreiber in den Neubau der Bar, der zugehörigen Infrastruktur, der technischen Anlagen usw. Die räumliche Gestaltung der neuen halle02 wird sich von dem aktuellen Zustand stark unterscheiden.

regioactive.de: In Wiesbaden hat man vor einigen Jahren überlegt, den alten Schlachthof zu sanieren. Letztlich hat man sich jedoch dazu entschlossen, in das alte Gebäude nicht mehr zu investieren und hat stattdessen eine neue, moderne Halle direkt daneben errichtet. Das wäre für euch ja auch eine Option gewesen, aber ihr habt euch anders entschieden. Warum?

Felix Grädler: Ich habe das auch ein wenig verfolgt. Ich glaube es ging darum, dass der Betreiber gesagt hat, er schafft es selbst mit Sanierungsmaßnahmen nicht, das Gebäude so zu optimieren, dass am Ende alles funktioniert.

"Wir wollen den Charakter der halle02 erhalten"

regioactive.de: Bei euch herrschte eine andere Situation?

Felix Grädler: Wir wollten von vorneherein im Bestand bleiben. Die Frage war: Gelingt es mit diesem Bestand und vor allem auch mit moderaten Geldsummen, die Sanierung so umzusetzen, dass alles funktioniert? In Zusammenarbeit mit Architekten wurde nach Lösungen gesucht und ganz unterschiedliche Optionen durchgespielt. Letztlich entschied sich der Gemeinderat dafür, das alte Gebäude zu sanieren. Es ist natürlich für uns als „Industriebracheliebhaber“ und für die Gäste wesentlich charmanter, wenn dieser Style und Charme erhalten bleibt. Bei einem kompletten Neubau besteht die Gefahr, dass genau das verloren geht.

regioactive.de: Euch war wichtig, dass der ursprüngliche Charakter des Geländes erhalten bleibt?

Felix Grädler: Genau. Wir haben immer auch die Stadtteilentwicklung in unsere Überlegungen einbezogen. Ich glaube, wenn die halle02 nicht ihren Charakter als ehemaliges Güterbahnhofsgebäude behalten hätte, dann hätte man die Bahnstadt auch einfach „Neustadt“ nennen können: Dann gäbe es nichts mehr, was an den ursprünglichen Stadtteil erinnert. Und für den soll die Halle02 ja eine Art Zentrum werden.

"Wir werden unser Angebot an die Bewohner der Bahnstadt anpassen"

regioactive.de: Zu diesem Zentrum gehört auch der Zollhofgarten, der auf der Vorderseite der Halle angelegt werden soll. Das ist auch wieder ein größeres städtebauliches Projekt für Heidelberg bei dem ihr eine Rolle gespielt habt.

Felix Grädler: Ja, wir werden dort einen Kiosk betreiben, ähnlich wie im alten Garten. Außerdem wird sich der neue Zollhofgarten in vielem an dem orientieren, was wir früher dort gemacht haben. Wir möchten auch den neuen Zollhofgarten mit Gastronomie verbinden, mit dem Unterschied jedoch, dass die Freifläche jetzt eine städtische, also öffentliche Grünfläche ist, und nicht wie vorher ein Privatgrundstück.

regioactive.de: Die neue Halle soll also dieser ganzen städtebaulichen Veränderung, die in der Bahnstadt erfolgt ist, Rechnung tragen und sich in diesen Bereich eingliedern. Sie soll sozusagen eine Anlaufstelle für die Leute direkt aus der Bahnstadt sein. Welche Funktion wird die Halle dann nicht nur für die Konzertbesucher, sondern auch für die Anwohner erfüllen?

Felix Grädler: Wir werden natürlich die Angebote an die Bewohner anpassen. Beispielsweise haben sich bei uns ein Bahnstadtstammtisch und ein Stadtteilverein gegründet. Das Restaurant eröffnet natürlich die Möglichkeit, das Angebot für die Anwohner auszubauen, zum Beispiel mit speziellen Veranstaltungen für den Stadtteil. Das richtet sich ganz nach der Anzahl der Leute, je mehr jetzt hier wohnen desto mehr wird sich unser Angebot auch erweitern.

Lest im zweiten Teil wie die Halle02 Gastronomie und Konzerten unter einen Hut bringen will und warum Gegenwartskultur ein wichtiger Standortfaktor ist.

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regioactive.de: Genau wie Kultur ist Gastronomie ein notorisch schwieriges Geschäft. Wie wollt ihr dieses Wagnis angehen?

Felix Grädler: Wir verfügen über elf Jahre Standorterfahrung und besitzen daher ein wenig Know-How. Auch in der Gastronomie haben wir mit dem Biergarten und auch mit großen Firmenveranstaltungen, Galadinners und anderen Veranstaltungen bereits eine Menge Erfahrung gesammelt.

regioactive.de: Ihr werdet das Restaurant aber nicht alleine betreiben?

Felix Grädler: Wir sind mit einem Partner (der in Kürze veröffentlicht wird) dabei, unser Restaurant zu konzipieren. Wir holen uns also zusätzlich noch externes gastronomische Know-How dazu und möchten alles peu à peu aufbauen, angefangen mit Angeboten wie Tagesessen. Wenn sich mehr Firmen ansiedeln, kann man auch mehrere Tages- oder Mittagsmenüs anbieten.

"Wir hatten schon wesentlich schlechtere Voraussetzungen"

regioactive.de: Habt ihr Angst euch zu übernehmen?

Felix Grädler: Nein. Natürlich ist das neue Konzept ein Risiko, aber wir hatten in den letzten elf Jahren schon wesentlich schlechtere Voraussetzungen als jetzt. Wenn irgendwas hätte scheitern sollen, dann wäre das schon längst passiert. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass alles sicher ist: Wir gehen das Ganze mit genau derselben Ordnung an wie früher, die Voraussetzungen sind aber gerade in diesem neuen Stadtteil sehr gut. Die Leute warten darauf und haben Lust darauf, ich glaube das klappt.

regioactive.de: Du hast in einem früheren Interview einmal gesagt, die Bahnstadt sei eine große Chance für die halle02. Daran hältst du weiterhin fest?

Felix Grädler: Ja, das ist die Erfahrung die wir gemacht haben und immer noch machen. Darauf versuchen wir auch aufzubauen. Wir dürfen nicht zu viel erwarten und müssen das Wachstum der Bahnstadt realistisch betrachten, um unser eigenes Wachstum danach ausrichten zu können.

"Wenn man den Lärm aus der Halle draußen hört, haben wir alles falsch gemacht"

regioactive.de: Wird das ein Spagat werden zwischen der Unterhaltung und den Angeboten für das Viertel und den regulären Konzertveranstaltungen?

Felix Grädler: Ich sehe keinen Grund, warum diese beiden Dinge in Konflikt zueinander geraten sollten.

regioactive.de: Indem die Leute zum Beispiel abends weggehen, sich ins Restaurant setzen und auf einen ruhigen Abend freuen und von nebenan dröhnt der Konzertlärm herüber…

Felix Grädler: Wenn man im Restaurant den Lärm aus der Halle hört, dann haben wir aber wirklich alles falsch gemacht. Die Gebäude werden natürlich saniert und so isoliert, dass man am Ende im Restaurant von den Konzerten oder Veranstaltungen in der Halle oder im Club nichts mehr hört.

regioactive.de: Ist es denn möglich, eine Halle so abzudichten, dass man selbst in 20 oder 50 Metern Entfernung gar nichts mehr von den Konzerten mitbekommt?

Felix Grädler: Ja, das ist auf jeden Fall möglich und wird von den Fachplanern auch genau so umgesetzt. Der Konzertsaal an sich ist grundsätzlich schon relativ gut schallisoliert und das wird sich in Zukunft noch weiter verbessern.

regioactive.de: Wie stellst du dir die fertige Halle, die ja 2014 fertig werden soll vor deinem geistigen Auge vor?

"Die Stadt hat die Wichtigkeit der Gegenwartskultur erkannt"

Felix Grädler: Wichtig ist für uns vor allem, dass der Charme nicht verloren geht und sich der Stil eher an der Vergangenheit orientiert als an modernen Neubauten. Das ist die Basis. Ich glaube, die Möglichkeiten und die Kreativität, die wir jetzt ausleben können, das alles wird für den Besucher eine ganz neue Dimension und eine ganz neue Attraktivität des Programms schaffen. Darauf freue ich mich am meisten.

regioactive.de: Freust du dich auch darüber, dass die Stadt Heidelberg, die ja doch einen starken Schwerpunkt auf Hochkultur setzt, jetzt so viel Geld in die Hand nimmt, um auch einmal die Populärkultur zu fördern?

Felix Grädler: Ja klar! Das war auch ein Zeichen dafür, dass die Stadt die Wichtigkeit der Gegenwartskultur erkennt. Das betrifft einerseits die Jugendkultur, geht aber weit darüber hinaus. Hasso Plattner von SAP sagte vor kurzem, die Programmierer in Walldorf hätten hier in der Pampa im Rhein-Neckar Gebiet zu wenig "Berlin-Style". Gerade Menschen im mittleren Alter, zum Beispiel die Entwickler bei SAP, die man in unsere Region locken will, fragen nicht nur nach Theater und Oper, sondern nach Veranstaltungen, wie sie bei uns stattfinden. Das war schon immer unser Ansatz, und es ist toll, dass genau das jetzt auch von Seiten der Stadt erkannt wurde.

regioactive.de: Vielen Dank für das Gespräch!

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