Wallis Bird war auf der Bühne des Sound of the Forest 2012 wiedermal ein Energiebündel.

Wallis Bird war auf der Bühne des Sound of the Forest 2012 wiedermal ein Energiebündel. © René Peschel

Und wieder ging es für uns weit in den Odenwald hinein, vorbei an tiefen Schluchten und dunklen Wäldern, wohin der Hirsch uns rief: Sound of the Forest! Das Festival am Marbach-Stausee bei Beerfelden überzeugte mit tollen Bands zwischen mächtig auf die Fresse, zum Tanzen animierend und traumhaft schön. Gepaart mit heißen Temperaturen hätte man an dem Wochenende wahrscheinlich nichts besseres machen können.

{image}Soweit bekannt, kann keiner im regioactive.de-Büro einen ordentlichen Spagat. Bis Musikjournalismus als olympische Disziplin anerkannt wird, ist das aber auch nicht notwendig. Die Macher vom Sound of the Forest beherrschten den Spagat dagegen schon, denn das Festival brachte alle möglichen Menschen zusammen. Egal ob Hipster, Metaller oder HipHopper, auf dem Festival im Odenwald traf man Menschen aus vielen verschiedenen Altersklassen und Subkulturen an. Sogar die, die sich am meisten gegenseitig hassen können, standen vor der Bühne friedlich nebeneinander: Rentner und Familien mit Kindern.

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{image}Diese vereinende Wirkung hatte das Sound of the Forest wohl auch seinem Veranstaltungsort zu verdanken. An einem Stausee, zwischen kleinen bewaldeten Bergen, konnte eigentlich nur ein gutes Festival stattfinden. Denn wenn man morgens verkatert aus dem Zelt kroch und als erstes ein wunderschönes Panorama gepaart mit Blumen am Wegesrand sah, war alles andere ganz schnell vergessen. Ganz zu schweigen vom wunderbaren Wetter des wärmsten Sommerwochenendes des Jahres, dessen heiße Temperaturen alles entspannt machte. Da war es auch gut, dass die ersten Bands des Tages auf der kleinen, sogenannten Seebühne spielten. Die trug ihren Namen nicht umsonst, denn sie war direkt am Wasser aufgebaut und wurde von einem auf Handtüchern lümmelnden Heer belagert. Das konnte bei ruhigen und entspannten Tönen von Jonathan Kluth, Bischler oder Lisa Freieck die Sonne genießen. Im Nachhinein fordern wir auch, dass sich alle Freibäder der Welt ein Beispiel nehmen und ebenfalls Bands aus der Region für ihre Besucher spielen lassen. Täglich.

{image}Sonnendösigkeit gab es aber nicht immer, manchmal wurde es auch lauter. Beispielsweise am Samstag mit The Hirsch Effekt: Unsere Lieblings-Post-Alles-Band zerlegte mit einem Brett von einem Auftritt die zweite Bühne des Sound of the Forest, das Zirkuszelt, in Windeseile. Mehrere unabhängig voneinander befragte Besucher sprachen danach vom besten Auftritt auf dem Festival. Ganz objektiv können wir dem nur zustimmen. Und auch der Band schien der Auftritt zu gefallen, Schlagzeuger Philipp verließ die Bühne jedenfalls grinsend wie ein Honigkuchenpferd.

Tanzen ging aber auch immer sehr gut und das nicht zu knapp. Ob nun ebenfalls am Samstag zu den Balkan-Beats vom Mumuvitch Disko Orkestar, dessen zehn Mitglieder die kleine Bühne im Zirkuszelt fast zum Platzen und die Leute vor der Bühne zum Ausrasten brachten. Oder in der Nacht zuvor bei den Bondage Fairies aus Stockholm, die mit ihren selten-dämlichen Masken, dem Mix aus Rock und 8bit-Sound sowie dem Bier für das Publikum am Bühnenrand für Furore sorgten.

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Trotz des ganzen Boheis war das Sound of the Forest aber jederzeit eine entspannte Angelegenheit. Das merkte man auch den Bands an, die sich unters Publikum mischten und fast immer nach ihren Auftritten noch für ein Schwätzchen bereitstanden. Diese familiäre Atmosphäre wurde nur am Samstagnachmittag kurz gestört, als ein Hubschrauber über dem Wasser kreiste und die Rettungsschwimmer vom DLRG ausschwärmten: Eine einsame Luftmatratze hatte es sich weit draußen bequem gemacht, von seinem Besitzer gab es zuerst keine Spur. Der wurde aber später gesund und munter aufgefunden, weshalb der Blick auf den Stausee gelassen bleiben konnte.

{image}Diese wunderbare Aussicht aufs Wasser kannte Valeska Steiner bereits von daheim, die eine Hälfte von Boy stammt nämlich aus Zürich, das am schönen Zürisee liegt. Das hörte man dann auch, als sie mit leichtem Schweizer Akzent mit dem Publikum sprach. Da der Odenwälder aber durch seine eigene "Mundart" einiges gewöhnt ist, kamen keine Verständigungsprobleme auf. Zusammen mit Sonja Glass, der anderen Hälfte von Boy, und ihrer tollen Liveband spielten sie Songs, für deren Beschreibung wir dreist vom Bericht aus dem letzten Jahr klauen, denn eigentlich blieb alles beim Alten: "Die Arrangements der Band waren den Songs perfekt maßgeschneidert, der Sound hervorragend und das Publikum vom ersten Lied an begeistert."

Das war es aber nicht nur hier, sondern bereits beim Auftritt der K-Rings. Die sorgten auf ihrem eigenem Haus- und Hoffestival nicht nur für die Bespaßung des Publikums, sondern bedankten sich auch ausgiebig bei allen Helfern. Bei den Temperaturen hatten diese das mehr als verdient, konnten nach getaner Arbeit dann aber auch beim Sound of the Forest mitfeiern, das uns in seiner mittlerweile vierten Ausgabe vollkommen überzeugte. Sollte im nächsten Jahr der Hirsch wieder rufen, und dem steht eigentlich nichts im Wege, werden wir wieder folgen.

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