Sound of the Forest (Pressefoto, 2013)

Sound of the Forest (Pressefoto, 2013) © Isabelle Löhr

Drei Tage vollgepackt mit Musik, Spaß und etwas Matsch findet man nur im idyllischen Odenwald beim Sound Of The Forest Festival. Wer dieses Spektakel verpasst hat, kann sich jetzt entweder zu Tode ärgern oder sich all die kuriosen Erlebnisse und Highlights des vergangenen Wochenendes zu Gemüte führen.

Abseits vom Mainstream, ein Festival nur für Musik-Liebhaber – so könnte man das Sound of the Forest Festival im Odenwald bezeichnen. Mit viel Liebe zum Detail, denn das Maskottchen Bodo findet man überall wieder.

Beschützt und geleitet vom Hirsch

So ertönt schon beim Einscannen der Tickets ein "Röhren", dass auf die kommenden drei Tage einstimmt und auch auf dem Marbach-Stausee, an dem das Festivalgelände liegt, schwimmt auf einem kleinen Steg im See ein hölzerner Hirsch, der über das Gelände wacht und den Künstlern den Weg weisen soll.

Das Festival-Gelände ist schon ein Erlebnis für sich. Perfekt liegt es mitten im Odenwald an einem See und verzaubert die Besucher förmlich mit einem grandiosen Ausblick. Der See, der an heißen Tagen für gelungene Abkühlung, sorgt ist an diesem Wochenende nur den Mutigsten zuzutrauen. Nur vereinzelt sieht man einen Besucher in Badehose über das Gelände huschen.

Einen "Wilden Hirsch" bitte!

In den Tag startet man wie so üblich auf Festivals mit...Apfelwein! Nein kein Bier, die Mehrheit der Festival-Gänger trinkt Apfelwein, und da man dieses Getränk so gut wie gar nicht pur genießen kann mischt man es gern noch mit Cola oder bestellt sich gleich einen "Wilden Hirsch“, was nichts anderes ist als Apfelwein gemischt mit Waldmeister. Wer doch mal zum Bier greift, outet sich sofort als Neuling, den es von Apfelwein zu überzeugen gilt.

Mit einem Becher gewappnet geht es dann zur Seebühne, die sich auf dem Camping-Gelände befindet, so dass man auch beim Aufbauen des Zelts die Musik hören kann. Den Auftakt am ersten Festival-Tag machen Künstler wie Lilly, Martin Goett und Berlin Syndrom. "Leinen los“ singt Martin Goett und fängt die aufgeregte Stimmung mit seinen melancholischen und sehr poetischen Songs wie kein anderer ein.

The Intersphere rocken die Hauptbühne

Richtig los geht es als um 17 Uhr der erste Act Annenmaykantereit auf der Hauptbühne steht. Mit viel Blues und einer unverwechselbaren Stimme von Henning rocken die Jungs würdig in einen verheißungsvollen ersten Festival-Abend hinein. Geheimer Headliner des Abends sind jedoch The Intersphere, bei der es kein Halten mehr gibt. Mit ihren energiegeladenen Rocksongs bringen die Mannheimer die Meute zum Tanzen und reißen die Besucher von den Fest-Bänken.

Wer noch nicht genug vom Tanzen hat steuert am besten gleich die Zeltbühne an, denn dort heizen Le Grand Uff Zaque dem Publikum mächtig ein. Mit einem Mix aus HipHop und Jazz bringen sie das Zirkuszelt zum Beben und rocken auch selber gewaltig auf der Bühne ab, was das Publikum nur noch zu mehr Bewegung animiert. Eine große Party eben!

Fan Nr. 1: Maskottchen Bodo

Doch wen findet man denn da in der ersten Reihe wieder? Bodo, das Maskottchen, wird als Plüsch-Hirsch auf jedes Konzert mitgeschleppt und headbangt in der ersten Reihe, was das Zeug hält. Als Belohnung gibt es von Le Grand Uff Zaque für den hingebungsvollen Fan ein paar Getränke-Gutscheine und kräftigen Applaus.

Mit einer Mischung aus Punk, Techno, Balkan-Beats und Blasmusik geht es auf der Hauptbühne mit der Band Kadebostany weiter. Wer jetzt denkt, dass das nicht zusammen passt, irrt sich. Mehr noch – es ist absolut tanzbar! Und auch die Bühnenperformance an sich hat etwas Mystisches, das durch die Nähe zum Wald noch verstärkt wird. Eröffnet wird die Show durch ein Intro aus dem Film "Inception", was nicht der einzige Ausflug in die Film-Musik bleibt. Einfach nur kurios gut und die perfekte Einstimmung auf den Headliner des Tages.

Manege frei für Babylon Circus

Wer sich vorher noch nicht auf dem Festival-Gelände eingefunden hat, kommt spätestens jetzt, denn als das französische Ska-Reggae-Ensemble Babylon Circus die Bühne betritt, füllt sich das Gelände zum ersten Mal an diesem Tag. Nicht nur ihr Sound erinnert an die lustige und abenteuerliche Zirkuswelt, sondern auch auf der Bühne bringen sie dieses Gefühl rüber.

Wem es an diesem Abend noch nicht reicht, schwingt im Fuchsbau zu den Klängen von Endlos. bis in die frühen Morgenstunden das Tanzbein. Zu diesem Zeitpunkt ist aber die Winterjacke eher angesagt als die Badehose. Da hilft nur mehr tanzen, dadurch wachen auch die erfrorenen Zehen wieder auf.

Im zweiten Teil: der Samstag mit Patrice, Regenfällen und Auferstehungen.

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Der Samstag ist geprägt von Regenfällen, was nicht die freudige Festival-Stimmung trübt, aber viele dazu treibt, unter dem Pavillon Schutz zu suchen und sich von den Acts auf der Seebühne aus der Ferne berieseln zu lassen.

Gegen 16.30 Uhr werden die bösen Regenwolken von Bingoma vertrieben, denn als die elfköpfige Kombo die Seebühne betritt, verscheuchen sie die nassen Tropfen mit ihren afrikanischen Gute-Laune-Beats. "Zieht die Schuhe aus, rollt die Fußnägel hoch und runter und tanzt“, schreien sie ins Publikum und trommeln was das Zeug hält.

Gute Laune trotz Regen: Zio und Laura Carbone

Doch auch beim ersten Act auf der Hauptbühne hält das Wetter noch. Vielleicht deshalb, weil es einfach mit Gute-Laune-Songs weitergeht. Mit einem Mix aus Ska, Pop und Reggae locken die regioactive.de-Voting-Gewinner Zio ein paar Sonnenstrahlen aus der grauen Wolkendecke und bringen die Tanzlaune zurück.

Als wieder vereinzelt Regentropfen vom Himmel fallen flüchtet viele lieber schnell in die Zeltbühne, wo Laura Carbone das Publikum mit ihrem rockigen Sound wieder trocken rockt. Der Sound der Mannheimerin hat etwas Verträumtes, so dass man meist staunend ihren faszinierenden Songs zuhört, doch sind einzelne Tracks durchaus tanzbar und besonders die Mädels in den vorderen Reihen geben ihre Tanz-Moves zum Besten.

Die Headliner am Samstag: Patrice

Bevor Patrice die Hauptbühne betritt, rocken noch die Belgier Balthazar mit ihrem an britische Bands erinnerenden Indie-Rock-Pop das Publikum warm. Als der Headliner gegen 23 Uhr die Bühne betritt, ist der Platz komplett gefüllt, denn dieses Konzert will keiner verpassen. Patrice verzaubert mit seiner charmanten Art und seinen energiegeladenen Gute-Laune-Songs das Publikum.

Doch allgemein ist die Stimmung nicht so ausgelassen, wie man erwarten könnte. Vielleicht sind jamaikanische Klänge gegen Mitternacht nicht das Allheilmittel gegen das Regenwetter. Bei Songs wie "Soulstorm“ und "Cry Cry Cry“ singt das Publikum auch schon mal mit und schwingt das Tanzbein. Ein großartiger Künstler, der jedoch als Headliner um diese Uhrzeit etwas fehlplaziert ist.

Ein mysteriöses Röhren im Odenwald...

Als Abschluss stehen die Sound Of The Forest-Allstars auf dem Programm. Große Spannung, wer das wohl sein wird. Gegen 1:30 Uhr ist das "große“ Geheimnis gelüftet und die K.Rings stehen in grasgrünen Regenponchos auf der Bühne und feiern ihre "Auferstehung". Schon zu Beginn des Festivals ging eine Sondermeldung durch den Odenwald, dass die drei Brüder im Rahmen der Vorbereitungen des Festivals verschwunden seien.

"Ein mysteriöses Röhren war im ganzen Odenwald zu hören“ und seitdem sind sie nicht mehr aufgetaucht. In einem kurzen Teaser, der auf die Hauptbühne projiziert wird, wird gezeigt, wie man die Brüder, Wildem Hirsch sei Dank, "wiederbelebt“ und somit den Auftritt noch retten kann.

Etwas übertrieben und kurios aber als Lokalpatrioten kann man sich so eine Vorstellung schon mal leisten. Die Stimmung hätte jedoch auch etwas mehr Apfelwein vertragen können oder vielleicht lag es nur an der Uhrzeit. Denn auch die bekannten SOTF-Songs zogen trotz poppigem Reggae-Sound nicht wirklich. Nette Idee die drei Odenwälder als krönenden Abschluss auftreten zu lassen, aber das Wetter verhinderte möglicherweise, dass der Auftritt so zündete wie in den Vorjahren.

Der Sonntag: auf der Flucht vor dem Regen

Am Sonntagvormittag ist das Gelände so gut wie ausgestorben. Das ungemütliche Wetter hat viele animiert, schon Samstagabend nach dem letzten Act auf der Hauptbühne abzureisen und so bleiben nur vereinzelte Camper zurück, die am frühen Mittag die Heimreise antreten und die Acts auf der Seebühne nur als Hintergrund-Musik nutzen.

Obwohl das Ende eher unspektakulär ausfällt, bleibt zu sagen: ein kleines, aber feines Festival, das für jeden Musikliebhaber etwas bereithält. Das Line-Up besteht zwar aus eher unbekannten Acts, deren Qualität aber vollauf überzeugt. Das motiviert die Besucher, sich mal auf was Neues einzulassen. Und trotz des mauen Wetters herrschte grandiose Stimmung.

Wir freuen uns schon auf das fein auserlesene Line-Up im nächsten Jahr und vertreiben uns in der Zwischenzeit die Zeit mit etwas Apfelwein...oder vielleicht doch lieber mit dem altbewährten Bier!

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