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Limp Bizkit (live in Mannheim 2018) © Rudi Brand

Limp Bizkit liefern beim Mannheimer Zeltfestival 2018 eine Show auf spielerisch hohem Niveau. Enttäuschend sind allerdings die kurze Spieldauer und die Setlist, die zwischen Best-of und Cover-Set schwankt.

Mit seinen Ess- und Getränkeständen, dem noch vom Maifeld Derby 2018 zertretenen Rollrasen und dem großen Palastzelt bietet das Maimarktgelände noch Reste des Festivalfeelings vom Wochenende. In Scharen strömen die Besucher des ausverkauften Konzerts von Limp Bizkit durch die schon früh geöffneten Tore, um dann jedoch erst einmal lange Zeit abzuwarten.

Aufgrund kurzfristiger terminlicher Unstimmigkeiten mussten die Veranstalter den Beginn des Konzertes um etwas über eine Stunde nach hinten verschieben, sodass die mitunter von weit her angereisten Besucher keine andere Wahl haben, als auf dem Gelände auszuharren. 

Wer spielt?

Glücklicherweise fällt es schwer, den Grund der Anreise trotz der langen Wartezeit zu vergessen – gefühlt jeder dritte Besucher trägt ein Limp Bizkit-Shirt, und das, obwohl die Band zur Enttäuschung der Fans darauf verzichtet hat, Merchandise mitzubringen. 

Die Präsenz der Bandshirts deutet darauf hin, dass Limp Bizkit immer noch eine verschworene Fangemeinde haben, obwohl sie überwiegend aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwunden sind. Irgendetwas scheinen sie richtig zu machen.

Eröffnungsenttäuschung

Das wiederum kann man von dem Eröffnungs-DJ des Abends, Blvck Ceiling nicht unbedingt behaupten. Dessen kruder Witchhouse kann mit seinen einfallslosen Trap-Beats und den käsigen Dubstep-Synthesizern so gar nicht überzeugen.

Blvck Ceiling verweilt während der kurzen Dauer seines Auftrittes am hintersten Punkt der Bühne hinter einer enormen Nebelwand. Man muss daher schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass da nicht nur eine Playlist abgespielt wird. Die lieblosen Übergänge zwischen den einzelnen Songs sorgen auch nicht gerade für Begeisterung.

So erklärt es sich denn auch, weshalb niemand (außer ausgerechnet Fred Durst) auf dem Festivalgelände ein Shirt von Blvck Ceiling trägt. Abgesehen von der einen oder anderen müde in die Luft gereckten Hand geschieht während des kurzen Auftritts von Seiten des Publikums nicht viel.

Das sieht dann mit dem Tape-Intro von Limp Bizkit – Purple Rain von Prince – schon ganz anders aus. Wohl auch im Hinblick auf das, was nun kommen wird, bricht spontane Euphorie im Publikum aus, die durch das Erscheinen der Band und die ersten Töne von "Show Me What You Got" noch einmal gesteigert wird.

Air-less Vehicle

Auch während der folgenden Songs, darunter dem Über-Hit "Rolling", bleibt die Begeisterung des Publikums ungebrochen. Limp Bizkit schaffen es erstaunlich mühelos, den agressiven und konfrontativen Vibe ihrer Musik ins Publikum zu transportieren. Das liegt nicht zuletzt an der wirklich tighten Instrumentalsektion, insbesondere natürlich dem für die Gruppe prägenden Gitarrenspiel von Wes Borland.

Doch aller persönlichen Kontroversen zum Trotz – an denen es ja nun wirklich nie mangelte – zeigt sich auch Frontmann Fred Durst in Höchstform. Was es ihm an stimmlicher Qualität fehlt, macht er durch sein motiviertes Auftreten und einen eigenen Back-up Sänger für die energiegeladeneren Passagen wett.

Detour

Dennoch bleibt die Show trotz des vielversprechenden Beginns nicht konstant auf diesem Niveau. Im Mittelteil leidet das Pacing unter den zahlreichen (häufig auch nur kurz angespielten) Coverversionen.

Während "Faith" (George Michael) noch vertretbar ist, da es ja zum Repertoire Limp Bizkits gehört, und "Killing in the Name" (Rage Against The Machine) immerhin vom Energie-Level passt, wirken das Snippet des Axel F.-Themes oder das DJ-Interlude, u.a. mit "Hits from the Bong" und "Still D.R.E.", fehl am Platz.

Auch dem Publikum scheint es hier bald zu reichen: viele verlassen das Zelt. Die wesentlich frischere Luft, die sie dort erwartet, ist sicherlich auch nicht gerade unerwünscht.

On Track

Glücklicherweise nehmen diese Um- und Irrwege hinsichtlich der Setlist-Gestaltung irgendwann wieder ab, und mit Hits wie "My Generation" oder "Nookie" zieht es auch wieder mehr Besucher in die Vorhölle des Palastzeltes. Die gute Laune Limp Bizkits scheint ungebrochen, immer wieder bedankt sich Fred Durst beim Publikum für die gute Stimmung.

Abgeschlossen wird der Auftritt von dem The Who-Cover "Behind Blue Eyes", "Break Stuff" und "Take A Look Around" – alles weitere große Hits der Band, die die Feierlaune im Publikum noch weiter steigern.

Enttäuschendes Ende

Dennoch drängt sich Kritik an der Setgestaltung auf: Die Show fühlt sich an wie ein Best-of-Konzert, unbekanntere Nummern werden – wie schon 2015 in Offenbach – komplett außen vor gelassen.

Das ist insofern schade, als man Limp Bizkit rein spielerisch durchaus zutrauen würde, auch solche "Deep Cuts" live entsprechend rüberzubringen. Außerdem ist es bedauerlich, dass die Band nach "Take A Look Around" und gut 80 Minuten Spielzeit die Bühne ohne Zugabe verlässt. 

Setlist

Show Me What You Got / Hot Dog / Rollin' (Air Raid Vehicle) / Faith / Re-Arranged / Killing in the Name / My Generation / Livin' It Up / Eat You Alive / My Way / Nookie / Behind Blue Eyes / Break Stuff / Take a Look Around

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