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YES (live in Mannheim 2018) © Rudi Brand

Die Prog-Legenden der 70er feiern beim Zeltfestival Rhein-Neckar in Mannheim ihren 50. Geburtstag und hinterlassen bei ihrem zweistündigen Konzert keine Zweifel darüber, wer die Yes-DNA in sich trägt und das Publikum restlos begeistern kann.

Bei der Einführung in die Rock'n'Roll Hall Of Fame im April 2017 standen sie nochmal alle gemeinsam auf der Bühne. Die vielen verschiedenen Fraktionen und Besetzungswechsel der englischen Prog-Band Yes sind legendär und wurden von uns kürzlich anlässlich des 50-jährigen Jubiläums aufgearbeitet.

Zweimal Yes

Selbst der Tod von Gründer Chris Squire vermochte die Band allerdings nicht mehr an einen Tisch zu bringen. So muss man im Jubiläumsjahr dem Umstand Rechnung tragen, dass zwei Gruppen unter dem Yes-Banner touren. Gitarrist Steve Howe und Keyboarder Geoff Downes können sich dabei den publicityträchtigen Luxus erlauben, zusammen mit neuem Sänger und Gastauftritten von Tony Kaye, Alan White und Trevor Horn aktuell als Yes den runden Geburtstag zu begehen.

Die Namensgebung bei Sänger Jon Anderson, Gitarrist Trevor Rabin und Tastengott Rick Wakeman gestaltet sich hingegen schwieriger, daher tourt die Band unter dem Namen Yes feat. ARW. Die Stimme von Jon Anderson und der eigenwillige Sound von Rick Wakemann vermitteln auch an diesem Abend den Eindruck des definitiven Yes-Gefühls.

Einzug der Althelden

Beim Zelfestival Rhein-Neckar auf dem Maimarktgelände findet das einzige Deutschlandkonzert der kurzen Europatour statt. So bevölkern an diesem sommerlich heißen Frühsommerabend alte wie junge Yes-Fans aus ganz Deutschland das gut gefüllte, bestuhlte Palastzelt, als die drei Protagonisten zum Instrumental-Intro "Cinema" einzeln wie Gladiatoren die Bühne betreten.

Mit dem hymnischen "Hold On" gibt es dann gleich eines von insgesamt vier Stücken des kommerziell erfolgreichsten Yes-Album "90125". Trevor Rabin, der später unter großem Beifall "Changes" singt, war 1983 Lebensretter der Band. Vor allem seinem Einfluss war es zu verdanken, dass man mit eingängig-rockigen, radiofreundlichen Singles den US-Markt eroberte und so der damaligen Bandbesetzung einen zweiten Frühling bescherte.

Die Brücke zwischen Alt und Neu

Es ist beeindruckend zu erleben, wie die aktuelle Besetzung Stücke aus 50 Jahren präsentiert. Rabin und Wakeman hatten letztmals 1991 auf der "Union"-Tour zusammengespielt, als man versuchte alle Acht essentiellen Bandmitglieder unter einen Hut zu bringen.

Rick Wakeman hat an den eher kommerziellen, von Rabin inspirierten Stücken wie der Single "Rhythm Of Love" von 1987 oder gar der 90er-Obskurität "I Am Waiting" ursprünglich gar nicht mitgewirkt, verleiht ihnen aber mit seinem ausufernden, proggigen 70er-Keyboardspiel einen veränderten Charakter. 

Einer thront über allen

Der eigentliche Star des Abends ist aber Jon Anderson. Von seinem kleinen Podest aus überstrahlt der Sänger das ganze Auditorium. Der zierliche Engländer ist mittlerweile 73 Jahre alt und man merkt ihm in jeder Sekunde an, dass diese Musik seine Leidenschaft und sein Leben ist. Anderson war schon immer offen für alle Musikstile, egal ob Weltmusik, Rock oder Pop. Als Beispiel seien nur seine Kollaborationen mit Vangelis genannt.

Seine Stimme, sein Spirit und die Güte, die er ausstrahlt, vereint die alten und neuen Yes-Stücke. Zudem ist und seine fast schon spirituelle Bühnenpräsenz ist ungebrochen. Nach unrühmlichen Absagen früherer Yes-Touren, Erkrankung und Ausstieg aus der Hauptband, ist dies der Ort an dem er den Fans gegenüber Dankbarkeit zum Ausdruck bringen kann.

Die alten Klassiker

Die Anhängerschaft ist natürlich gekommen um die progressive Phase der Engländer abzufeiern. Mit Wakeman an Bord, geraten das hinreißende "And You And I" vom Opus Magnum "Close To The Edge", "Perpetual Change" oder "South Side Of The Sky" genau nach dem Geschmack der Menge. Diese Stücke repräsentieren die frühen Siebziger, als die Popmusik innovativ und progressiv nach neuen, ausufernden Songstrukturen suchte.

"I’ve Seen All Good People" rockt und ist mehrstimmig begleitet von Trevor Rabin und Tour-Bassist Iain Hornal. Der hat seinen großen Auftritt beim viel umjubelten "Heart Of The Sunrise", als sich sein Bass massiv in den Vordergrund spielt, wie es einst der schmerzlich vermisste Chris Squire so unnachahmlich praktizierte. Schlagzeuger Louis Molino III komplettiert mit seinem songdienlichen und fließenden Spiel das Line-up.

Der legendäre Keyboarder

Es ist eigentlich kein Geheimnis, dass der blonde Hüne der Publikumsliebling ist. In England auch als Stand-Up Comedian und TV-Moderator tätig, überragt Rick Wakeman Jon Anderson fast um zwei Köpfe, trägt seinen legendäre, glitzernde Robe und wirkt hinter seinem Cockpit aus Vintage-Tasteninstrumenten wie in einem Raumschiff von einem anderen Stern. Allein seine Präsenz bietet ein wunderbares Showelement – und der 69-Jährige aus Middlesex lebt es genüsslich aus 

Beim 15-minütigen "Awaken" gegen Ende des Sets hat Wakeman seinen großen Auftritt und taucht – wie auf dem Album "Going For The One" von 1977 – tief in seine Welt ein. Klassische Elemente, Kirchenorgel und Klangkaskaden werden dabei immer wieder von Anderson an der Harfe und energischen Vocals ergänzt.

Damit schufen Yes ein letztes großes Progstück, bevor die Band 1978 auf Druck der Plattenfirma mit "Tormato" dem Zeitgeist Tribut zollen und songdienlicher komponieren musste, was zum ersten großen Bruch der Band führte.

Der größte Hit zum Finale

"Owner Of A Lonely Heart" beschließt dann unvermeidlich das reguläre Set und nun steht das ganze Publikum klatschend auf. Die ultrakommerzielle Single aus dem Jahr 1983 stellt quasi den Gegenpol dessen dar, wofür Yes in den ersten zehn Jahren ihrer Karriere standen. Ein fast schon maschineller Rockbeat, gepaart mit dem damals angesagten Keyboardsounds drängt noch immer auf die Tanzfläche und die Band dehnt das Stück lustvoll aus.

Die Band kostet den Moment aus, hängt noch eine Strophe und den Refrain von "Sunshine Of Your Love" von Cream an. Wakeman stapft mit dem tragbaren Keyboard über die Bühne und duelliert sich mit Rabin. Das Auditorium johlt und feiert die Legende. Die Band bedankt sich sichtlich ergriffen uns jeder im Zelt kann spüren, dass die Protagonisten Spaß bei der Sache haben.

Gefeierte Zugabe und ein Ausblick

Unter frenetischem Beifall kehren die Yes-Veteranen zurück und spielen ein beherztes "Roundabout", jenes Stück von "Fragile" (1971), das alle Stärken der damaligen Besetzung so auf den Punkt bringt. Rabin, der eigentlich einen ganz anderen Gitarren-Stil als Steve Howe pflegt, erinnert hier, wie auch schon 2-3 Mal vorher am Abend, an das so legendäre und eigenwillige Spiel des "anderen" Yes-Leaders.

Aber auch ein so feiner Nostalgieabend findet sein Ende und zu einem Piano-Instrumental von Bowies "Life On Mars", bei dem Wakeman damals mitwirkte, werden die überglücklichen Zeltbesucher in eine immer noch laue Juni Nacht verabschiedet. Es bleibt die Vorfreude auf neue Musik von ARW, die momentan aufgenommen wird und Anfang 2019 erscheinen soll. "Future times will stand and clearly smile."

Setlist

Cinema / Hold On / South Side of the Sky / I've Seen All Good People / And You And I / Changes / Perpetual Change / Rhythm Of Love / I Am Waiting / Heart Of The Sunrise / Awaken / Owner Of A Lonely Heart / Roundabout

Alles zum Thema:

yes feat. arw

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