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Limp Bizkit (live bei Rock im Revier, 2015 Samstag) © Tom Teubner

Seit beinahe zwanzig Jahren gehören Limp Bizkit mittlerweile schon zu den angesagtesten Nu Metal-Bands des Globus. Nach einer gelungenen Festivalsaison geben die fünf Jungs aus Florida nun in der Offenbacher Stadthalle ihr Stelldichein. Das Ergebnis ist durchwachsen.

Rund um die Jahrtausendwende mauserten sich Limp Bizkit binnen weniger Jahre zu einer der erfolgreichsten Bands in den härteren musikalischen Gangarten und ließen – zumindest vorübergehend – ihre vielleicht schärfsten Konkurrenten Linkin Park hinter sich. In den USA erreichten zwei Alben der Gruppe in Folge die Spitzenposition in den Billboard Charts, und auch hierzulande sorgten Limp Bizkit beispielsweise 2001 als Abschluss-Headliner bei Rock am Ring anstelle von Guns n‘ Roses für Furore.

Zwischenzeitlich wurde es etwas ruhiger um den Fünfer aus Florida. Gitarrist Wes Borland stieg wegen Differenzen mit Frontmann Fred Durst mehrfach aus und später wieder ein. Im Anschluss gönnte sich die Band eine längere Pause, bevor sie 2011 schließlich mit dem Longplayer "Gold Cobra" in Originalbesetzung zurückkehrte. Nach diesjährigen Auftritten bei Rock im Revier und Rockavaria sowie Konzerten in Berlin, Hamburg und Leipzig gastieren Limp Bizkit nun in der Offenbacher Stadthalle.

Backe, backe Kuchen

Als Anheizer haben sich die US-Amerikaner das österreichische Prog Rock-Trio Mother’s Cake ins Boot geholt. Hörproben im Internet deuten auf Ausgefallenes à la The Mars Volta hin und lassen die leise Hoffnung auf ein interessantes Vorprogramm aufkeimen.

Komplett bestätigen sich die Erwartungen indessen leider nicht, lässt die Soundqualität während der Performance der Supportband doch ein wenig zu wünschen übrig. Diese Einschränkung macht es dann auch zuweilen etwas schwierig, den komplexen, teils sperrigen Kompositionen der Gruppe richtig folgen zu können.

Feuer frei für Altbekanntes

Nach der Umbauphase legen Limp Bizkit dann mit "Rollin‘ (Air Raid Vehicle)", der zweiten Single von ihrem großen Hitalbum "Chocolate Starfish & The Hot Dog Flavored Water", direkt richtig los. Bereits während des Openers zeigt die Band, wodurch sie sich schon immer ausgezeichnet hat, nämlich die energiegewaltige Mixtur aus groovigen Passagen, Hip-Hop-Elementen und brachialen Metal-Riffs. Jene Markenzeichen bleiben auch bei den folgenden Titeln wie "My Generation", "Livin‘ It Up", "My Way" und "Nookie" stets präsent.

Überhaupt ist das Programm, das Limp Bizkit an diesem Abend auffahren, größtenteils eine Greatest Hits-Affäre. Womöglich fehlte der Gruppe nach der Festivalsaison die Möglichkeit, auf die Schnelle ein neues Set zusammenzustellen. Echte Überraschungen aus dem Repertoire der Band bleiben deshalb aus. Limp Bizkit konzentrieren sich in der Offenbacher Stadthalle weitgehend auf das Material ihrer beiden erfolgreichsten Alben "Chocolate Starfish" sowie "Significant Other". Eine willkommene Abwechslung stellt hierbei die gut umgesetzte Coverversion des Rage Against The Machine-Klassikers "Killing In The Name Of" dar, bei dem sich Teile des Publikums geradezu in einen Moshpit verwandeln.

Ohne Borland nur die Hälfte wert

Von Beginn an waren Limp Bizkit eine Art Fred Durst-Show, weil das Songmaterial immer klar auf die Stärken des Frontmannes zugeschnitten war. Doch der Auftritt in Offenbach dokumentiert einmal mehr, dass heimliche Star der Band Gitarrist Wes Borland ist. Obwohl die Gruppe mit dem Album "Results May Vary" kurzfristig auch ohne ihn Erfolge vorweisen konnte, schmerzte sein Verlust sehr. Umso deutlicher setzt sich die noch aktuelle Veröffentlichung mit dem abgedrehten Saitenartisten, die mit dem Titelsong "Gold Cobra" im aktuellen Set vertreten ist, positiv von ihrem Vorgänger ab.

In der Offenbacher Stadthalle demonstriert der exzentrische Borland sein Können zusätzlich im Rahmen eines Cover Medleys, bei dem er unter anderem Teile von Van Halens "Ain’t Talkin‘ ‘Bout Love", Metallicas "Master Of Puppets", Iron Maidens "Wasted Years" und Ozzy Osbournes "Crazy Train" zum Besten gibt. Bei der Auswahl der Stücke anderer Künstler, die sie in ihre Show integrieren, lassen Limp Bizkit neben musikalischem Wissen generell auch einen guten Geschmack erkennen. Es gibt sicherlich schlechtere Optionen, als Van Halen und Prince im Intro der Show zu verwenden.

Gemischte Gefühle

Vom “Results May Vary“-Album stammt dann auch die bekannteste Coverversion, die die Gruppe aus Florida jemals umgesetzt hat. Ihre Interpretation des Songs "Behind Blue Eyes" von The Who war ein Riesenhit, kommt jedoch weder auf der Platte noch live ansatzweise in die Nähe des Originals.

Dazu fehlt Fred Durst dann einfach das nötige Charisma und die Ausdrucksstärke eines Roger Daltrey, zumal das Lied in dieser Fassung auf reine Ballade getrimmt ist, den markanten Schlussteil vermissen lässt und der Sänger es ohne den Rest der Band mit Begleitung aus der Konserve auf der Bühne vorträgt.

Unvermittelter Schlusspunkt

Welches Material Limp Bizkit viel eher liegt, beweisen im Anschluss "Break Stuff" und der Rausschmeißer "Take A Look Around" aus dem Tom Cruise-Film "Mission: Impossible 2", für den die Band von den Fans in der Offenbacher Stadthalle frenetisch abgefeiert wird. Dann endet das Konzert nach ungefähr anderthalb Stunden ganz abrupt.

Statt der normalerweise obligatorischen Zugaben gibt es lediglich "Staying Alive" von den Bee Gees vom Band, das Frontmann Durst zusammen mit den Zuschauern zelebriert. Wirklich bewusst wird dieser jähe Schlussakkord weiten Teilen des Publikums wohl allerdings erst, als die Crewmitglieder mit dem Abbau des Equipments beginnen.

Licht und Schatten

Eine reine Spielzeit von etwa 90 Minuten, von denen ein paar sogar noch an Einspielungen wie den DMX-Song "Party Up (Up In Here)" durch den DJ verschwendet wurden, sowie fehlende Zugaben sind ärgerlich, vielleicht sogar leicht beschämend, bei einer Band der Größenordnung Limp Bizkits. Von einem Headliner sollte man als zahlender Zuschauer eigentlich etwas mehr erwarten können, so anstrengend eine solch energiegeladene Nu Metal-Performance auch sein mag.

Dass die Gruppe durchaus in der Lage ist, ein derartiges Programm auch zwei Stunden lang abzuliefern, hat sie in der Vergangenheit hinreichend bewiesen. Sehenswert bleiben Limp Bizkit live trotz der beschrieben Ärgernisse für Fans des Genres – besonders dank des zurückgekehrten Wes Borland – aber allemal.

Setlist

Rollin‘ (Air Raid Vehicle) / Hot Dog / Gold Cobra / My Generation / Livin’ It Up / My Way / Nookie / Covers Medley / Re-Arranged / Killing In The Name Of / Behind Blue Eyes / Break Stuff / Take A Look Around

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