© Iver Gjendem & Birgitte Heneide

Splashgirl überzeugen mit ihrer entschleunigten Musik das Publikum bei Enjoy Jazz. Andreas Stensland Løwe, Jo Berger Myhre und Andreas Lønmo Knudsrød spielen so langsam, wie man es kaum für möglich halten würde, und reißen gerade dadurch mit.

Nach einem überhaupt nicht novemberhaft sonnigen Tag hält der Abend des 1. November eine undurchdringbare Nebelbank bereit. In Heidelberg ist ob des Feiertags erstaunlich wenig los, und auch die Atmosphäre im klub_k passt sich mit der kühl-blauen Beleuchtung an diese Stimmung an.

Die kleine Bühne wirkt mit Flügel, Schlagzeug und zu erwartendem Kontrabass beinahe überladen. Überhaupt erinnert die Größe des klub_k eher an verranzte Hardcore-Schuppen; das Publikum hingegen nicht. Der kleine Saal ist angenehm mit leise plaudernden Besuchern befüllt, nicht zu leer und nicht zu voll.

Das Fallen einer Nadel

Um kurz nach 20 Uhr betritt das Trio Splashgirl dann die Bühne. Ohne unnötige Ansage geht es gleich zur Sache. Von Anfang an fällt die unglaubliche Langsamkeit der Stücke auf, wie man sie sonst nur von Bands wie Low oder aus dem Doom-Metal kennt.

Das Publikum braucht etwas Zeit, um sich auf die Klänge einzustellen. Anfangs flammt noch hier und da leises Gespräch auf, und auch der Barkeeper muss die Lautstärke des Bieröffnens regulieren. Nach diesen Anfangsschwierigkeiten kann man sich aber voll und ganz auf das Bühnengeschehen konzentrieren.

Keine Alleingänge

Zwar sticht der Flügel naturgemäß als Melodie-Instrument hervor, Kontrabass und Schlagzeug liefern aber weit mehr als nur rhythmischen Unterbau. Die Geräusche, die Myhre und Knudsrød aus ihren Instrumenten holen, würde man diesen auf Platte nicht zuordnen.

Nach zwanzig Minuten folgt dann eine kurze, beinahe schon schüchterne Ansage. Myhre bedankt sich für die Einladung zu Enjoy Jazz und für die Bereitschaft des Publikums, sich an einem Samstagabend langsame Musik anzuhören. Dann geht es weiter.

Es ist schwer zu sagen, wie lange die Stücke dauern, selbst wenn man auf die Uhr schauen würde. Weniges in der Musik ist so schwierig, wie in dieser Langsamkeit zusammenzuspielen und nicht aus dem Tempo zu fallen. Splashgirl schaffen es und lassen einen Zeit und Raum vergessen.

Wie ein Gezeitenwechsel

Mal spielen Splashgirl ruhig und auseinandergezogen, mal schrauben sie sich gegenseitig höher in Klangwänden, die man sonst dem Shoegaze zuordnen würde. Und wenn Myhre während des Stücks seinen Bass hinunterstimmt wirkt es, als würden einem die Organe aus dem Leib gezogen. Es ist wunderbar.

Splashgirl arbeiten viel mit elektronischer Verstärkung und Modellierung. Dies wirkt nicht bemüht alternativ oder modern, sondern immer passend und der Art der Musik entsprechend. Das Publikum schätzt das, besonders am Schluss ist der Applaus fast unangemessen euphorisch.

Gar nicht mal so stille Begeisterung

Und so reicht der Applaus am vermeintlichen Ende des Auftritts nicht nur für eine, sondern für zwei Zugaben. Während der zweiten Zugabe baut Knudsrød bereits sein Kit ab und macht so unmissverständlich klar, dass es keine weitere Zugabe geben wird. Nach neunzig Minuten ist Schluss.

Die drei Norweger machen Musik für eine sehr spezielle Stimmung und ein sehr spezielles Publikum. Zum Wohle aller kommen diese Faktoren im Karlstorbahnhof zusammen und bilden so ein Erlebnis, das den meisten Besuchern lange im Gedächtnis bleiben dürfte.

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