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Der britische DJ und Produzent Mr. Scruff begeistert Fans bereits seit Mitte der 90er mit seiner Beat-Wiederverwertung alter Jazz- und Bluesaufnahmen. Auch wenn seine neueren Produktionen elektronischer ausfallen, ist er doch ein würdiger DJ für den Abschluss des Enjoy Jazz Festivals.

Die Halle der Alten Feuerwache ist mittig mit einem Molton geteilt, auf der einen Seite Loungebereich, auf der anderen Seite Tanzfläche. Um kurz nach 21:00 Uhr betritt Mr. Scruff die Bühne und begeht ohne Mühe den Übergang von Hintergrundmusik zu seinem fünfstündigen Set.Die Abschlussparty von Enjoy Jazz 2014 hat begonnen.

Zu Beginn ist der Saal noch kaum gefüllt. Die Besucher halten sich in Wandnähe auf, nur wenige Leute bewegen sich auf die Tanzfläche. Mr. Scruff legt von Anfang an eine hohe Professionalität an den Tag. Keine unnötigen Ansagen, kein Buhei um seine Person lenken von der Musik ab. Eine erfrischende Abwechslung zu all den anderen Star-DJs unserer Tage.

So geht Plattenauflegen

Was Mr. Scruff aber kann, ist nach allen Regeln der Kunst aufzulegen. Von Anfang an fällt die hohe musikalische Bandbreite auf, die der britische DJ an den Tag legt. Begonnen bei Filmklassikern nimmt Mr. Scruff alles mit, sei es Jazz, Soul, Funk oder Disco. Dabei leistet er sich nicht einen Patzer. Niemals stören zu große Differenzen in der Geschwindigkeit oder unsaubere Übergänge das Hörerlebnis. Alles auf Vinyl, versteht sich. Hier kann sich noch so mancher Dorf- und auch Profi-DJ eine Scheibe abschneiden.

Dennoch zeigt sich das Publikum anfänglich träge. Nur vereinzelt wippen einige Besucher mit, die meisten unterhalten sich noch und stehen in kleinen Gruppen zusammen. Ein weiteres Qualitätsmerkmal von Mr. Scruff ist, dass er sich davon nicht aus der Ruhe bringen lässt. Völlig routiniert spielt er sein Set weiter, infiziert die Leute nach und nach mit dem Groove.

Der Funke springt über

Vielleicht liegt die Trägheit der Menge am frühen Beginn. Die wenigsten Tanzveranstaltungen starten früher als 23:00 Uhr, und meist dauert es dann noch zwei bis drei Stunden, bis der Hauptact auflegt. Zudem schwankt die Stimmung in der Feuerwache zumindest zu Beginn noch zwischen Konzert und DJ-Auftritt.

Spätestens ab 23:00 Uhr aber springt der Funke auch in die letzte Reihe über. Die gesamte Tanzfläche ist gefüllt, die Leute grooven und smoothen durch den Saal. Mr. Scruff legt weiterhin ohne jede Mühe einen Tanzbein-Beat nach dem anderen auf. Zwar wird sein Set zunehmend elektronischer, dennoch wechselt er immer noch mit jedem Lied zwischen den Genres. Gerade das macht die Magie von Mr. Scruff aus.

Gehör außer Betrieb

Ab halb 1 stehen die Regler dann voll auf Bass. Die Menge wobbelt zwischen Dubstep und experimentellen Elektronika hin und her. Auf der Leinwand tanzen von Mr. Scruff selbst gezeichnete Figuren wild umher, hin und wieder tauchen handgeschriebene Meldungen wie "Achtung, Bass!" oder "Arschwackeln!" auf, denen die Menge mit Freude nachkommt.

Der Bass ist fast zu laut, wäre man nicht so gut drauf. Das Gehör kann man erstmal für drei Tage auf Eis legen. Ist aber auch egal, ein so gut durch die Geschichte der Clubmusik führendes Set dürfte man sowieso lange Zeit nicht mehr hören.

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