With Full Force 2009: Mastodon
Foto: Till Schieck

With Full Force 2009: Mastodon Foto: Till Schieck © regioactive.de

Bereits zum 16. Mal fand dieses Jahr das With Full Force Festival statt. In altgewohnter Manier gaben wieder reihenweise Top-Acts die Klinke in die Hand. Der Segelflugplatz Roitzschjora bei Löbnitz (nördlich von Leipzig) war wieder Schauplatz für Metal-, Hardcore- und Punkt-Konzerte der Superlative. Am Donnerstagmittag öffnete der "heftigste Acker Deutschlands" seine Pforten für rund 35.000 Hardcore- und Metal-Fans, die nur darauf brannten ihre Lieblingsbands gehörig abzufeiern.

{image}Als Static X am Freitag als dritte Band die Mainstage enterten, war das Publikum noch etwas verhalten. Dies lag aber durchaus nicht an der Band, die ihre powergeladene Bühnenshow mit einer hübschen Tänzerin untermalte. Wohl eher machte der Crowd die brütende Hitze zu schaffen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Belgier Nasty, im Schatten der Zeltbühne, bereits gehörig die Fetzen fliegen lassen. Als die Sonne so langsam aber sicher zu sinken begann, versammelten sich Metal- und Hardcore-Fans gleichermaßen vor der Mainstage, um bei Devildriver die Haare fliegen zu lassen und erste Moshpits anzuzetteln. Anschließend, bei Legion of the Damned, waren diese Fraktion ganz klar getrennt. Während vor der Hauptbühne die Haare flogen, fand im Zelt ein "Mosh-Marathon" statt, wobei die Menge Maroon und Comeback Kid bis zur völligen Erschöpfung feierte.

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{image}Nicht ganz so gut hatten es Dimmu Borgir erwischt, die am Abend die Position vor den Headlinern spielten. Da es noch relativ hell war, kam die imposante Bühnenshow nicht so zur Geltung, wie sie hätte sollen. Zeitgleich traten Die Kassierer, die schon fast zum Inventar des With Full Force gehören, im prall gefüllten Hardbowl auf. Die Stimmung war phänomenal: Die Menge schaffte es bei einigen Liedern sogar, durchaus mit der Bühnenanlage zu konkurrieren und in einen astreinen Kanon mit Säger Wolfgang Wendland einzustimmen. Nach langer Umbaupause und als es dann endlich Nacht war, wurde es Zeit für Soulfly. Während die einen sich bei Liedern wie Jumpdafuckup und Back to the Primitive vor der Bühne verausgabten, konnten andere das Ausmaß der Menschenmenge nur über die Leinwand realisieren. Kaum war der letzte Ton auf der Hauptbühne verklungen, läuteten Pestilence die obligatorische Knüppelnacht im Hardbowl ein. Neben God Seed spielten unter anderem Helheim und Vader, bis Eisregen bei Sonnenaufgang dem Ganzen ein gebührendes Ende machte.

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Am Samstag bekamen auch Hackneyed die Macht der Sonne zu spüren. Vor der Mainstage konnten sich nur wenige dazu durchringen diese Band so zu feiern, wie sie es verdient gehabt hätten. Auch die Fans von Callejon wurden leider enttäuscht, da sich der Drummer der Band beim Aufbau das Handgelenk gebrochen hatte. So sprangen die Berliner Make It Count ins kalte Wasser und eröffneten den Konzertmarathon auf der Zeltbühne. Nichtsdestotrotz jagte ein Cricle-Pit den nächsten, und die Hardcore-Meute kam voll und ganz auf ihre Kosten.

{image}Das Nachmittags-Highlight stellte definitiv die Hardcorelegende Suicidal Tendencies dar, die mit ihrer Show massenhaft Fans vor der Hauptbühne versammelten. Klarer Höhepunkt ihres Konzerts war ein imposantes Drumsolo von Schlagzeuger Eric Moore. Diese Performance war nur sehr schwer zu toppen. Demnach schafften es Sepultura, die Tribe-Metal-Legende um Soulfly-Frontmann Max Cavalera, nicht ganz an die Stimmung ihrer Vorgänger anzuknüpfen. Nachdem Bring Me The Horizon auf der Zeltbühne durchaus gute Vorarbeit geleistet hatten, ließen Walls Of Jericho die Abrissbirne schweifen. Bei dem Song The American Dream war die Crowd dermaßen am feiern, wie es sich so manche Band, die auf der Mainstage spielte, nur wünschen konnte. Kaum hatten sich Frontfrau Candace Kucsulain und ihre Band im Hardbowl verabschiedet, schossen auch schon meterhohe Flammensäulen aus dem Boden der Hauptbühne. Die Death-Metaller Amon Amarth waren nun am Zuge den Festivalbesuchern einzuheizen, nicht nur mit ihrer ausgiebigen Feuershow.

{image}Als schlussendlich Hatebreed als Top-Act des Festivals die Bühne betrat, machte es den Anschein, als sei das restliche Festivalgelände wie leergefegt. Die Masse ließen sich komplett von der Energie der Show mitreißen und es entstand ein Mosh-Pit der seinesgleichen sucht. Frontmann Jamie Jasta zettelte simultan mehrere Circle-Pits gleichzeitig an, während immer wieder haushohe Feuerfontainen in den Himmel schossen und fast einen Vorhang aus Flammen bildeten. Neben vielen Klassikern wie This Is Now, I Will Be Heard und Doomsayer, gaben Hatebreed auch einige Stücke vom aktuellen Album zum Besten.

{image}Völlig verausgabt, aber überglücklich, zogen sich viele Besucher auf den Zeltplatz oder an die diversen Bars zurück. Dies kam natürlich nicht gerade gelegen für die norwegischen Rock'n'Roller The Carburetors, die das "Saturday Night Fever" im Hardbowl eröffneten. Anfänglich war die Crowd noch sehr überschaubar, was sich zur Mitte des Konzerts hin doch noch besserte. Trotz dessen traten sie den Fans mit ihrem Fast Forward Rock'n'Roll und einer Wahnsinns-Show gehörig in den Hintern. Gerade beim Thema Pyroeffekte und Stage Acting machte den Fünfen auf dem With Full Force keiner etwas vor. Kai Kidd, Gitarrist und Rampensau der Band, kletterte auf den Boxenturm, ließ sich gitarrespielend von den Fans tragen, spuckte Feuer und zerschmetterte seine Gitarre. Ein absoluter Geheimtipp den leider zu viele Besucher verpasst haben. Ebenso spielten auch Reno Divorce, Smoke Blow und DAD im etwas dürftig besuchten Hardbowl.

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{image}Am Sonntagmittag brachten Deadlock auf der Hauptbühne die ersten Besucher zum gemeinsamen Haare schütteln, während August Burns Red bereits den Hardbowl eröffnet hatten. Als nachmittags Backfire die Zeltbühne betrat, versammelte sich auch wieder die moshende Hardcore-Meute im Hardbowl, um kräftig zu feiern. Rasch nach Ende des Gigs pilgerte sie dann vor die Mainstage, um dort zu Parkway Drive weiter ausgiebig zu tanzen. Fast zum selben Zeitpunkt begannen die V8WIXXER aus Offenbach ihr Gastspiel, nur wollte bei ihrem rotzigen Proll-Rock keine richtige Stimmung aufkommen. Sänger und Szenegröße Lutz Vegas gab wie immer Vollgas, jedoch leider etwas vergebens. Weiterhin konnten sich die Hardcore-Anhänger bei Ignite verausgaben, während Bouncing Souls eine sehr angenehme Show im Hardbowl spielten. Im Zuge ihrer "20th Anniversary Tour" boten die Punkrocker dem vorwiegend älteren Publikum eine musikalische Zeitreise durch ihre Bandgeschichte.

{image}Nach einer kleinen Erfrischung und kurzer Pause stand den Hardcore-Fans wieder ein Umzug bevor, denn es ging zurück in den Hardbowl, wo sich Cro-Mags die Ehre gaben. Die Mitbegründer und Urgesteine des "New York Hardcore" ließen kein Auge trocken. Gerade die älteren Fans hatten sichtlich ihren Spaß und feierten die Band wie vor 20 Jahren. Auch vor der Mainstage konnte von Langeweile keine Rede sein, denn Down waren an der Reihe. Bei ihrer sehr harten Variante des Southern-Rock versammelten sich viele Besucher vor der Bühne und waren im Bann des Sängers Phil Anselmo. Der ehemalige Frontmann und Sänger der Thrash-Metal-Legende Pantera lud rasch auch zum sing-along ein. Mitsingen war auch bei der darauffolgenden Band Social Distortion Pflicht. Nach langer Zeit haben sich Mike Ness & Co. wieder in Deutschland blicken lassen und bei Klassikern wie Reach for the Sky oder Don't take me for granted für mächtig Gänsehaut gesorgt. Simultan dazu standen Terror im Hardbowl auf den Brettern die die Welt bedeuten und setzten den vorausgegangenen Hardcore-Shows des diesjährigen Festivals nun endgültig die Krone auf. Ihr Klassiker Always the hard way wurde so laut mitgegrölt, dass der Refrain noch auf dem Zeltplatz gut zu hören und verstehen war. Doch das war dem Sänger Scott Vogel noch nicht genug: Zum Schluss warf er das Mikrofon kurzerhand und samt Kabel weit in die Menge und ließ die Fans singen.

Nach Social Distortion und einer längeren Umbaupause war es nun Zeit für die legendären Altrocker Motörhead. Über diese Band gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, nur dass jeder Fan der härteren Gitarrenmusik sie mindestens einmal live gesehen haben sollte. Die drei Briten sorgten wie immer für mächtig Lärm und super Stimmung, ob mit legendären Songs wie Ace of Spades oder der ein oder anderen Aussage von Sänger Lemmy Kilmister.

Das 16. With Full Force Open Air in Roitschjora bei Löbnitz war auch dieses Jahr wieder ein gelungenes, friedliches und gut organisiertes Festival mit moderaten Preisen.

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