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Ein ganzes Jahr lang haben die Mannheimer Prog-Rocker Madventure an ihrem Album "Where are we coming from, where are we going to?" gearbeitet. Siebenundsechzig abwechslungsreiche Minuten haben die sechs Musiker komponiert und eingespielt. Mit ihrer Musik machen sie Pink Floyd Konkurrenz: Trotz der Überlänge findet man auf dem Album lediglich sieben Lieder, jedes einzelne davon dafür umso länger. In unglaublichen 15 Minuten entfaltet sich der längste Song. Wahrlich ein "verrücktes Abenteuer".

Damit stehen Madventure fernab von radiogebundenen Mainstream-Hits und ganz in der Tradition des Progressive Rock. Im Interview verrät die Band heiße Details zu ihrem Werk, das sie am 24. Januar auf ihrer Releaseparty im 7er-Club vorstellen werden.

{image}Was ist für euch das Faszinierende an Progressive Rock?

Stefan: Man kann sich ausleben! Du kannst alles machen, was du willst, weil du an wenige Konventionen gebunden bist. Wir haben Bock auf dieses Stück musikalische Freiheit.
Julian: Man kann wirklich alles einfließen lassen. Bei Recurring Pictures, einem Song auf der neuen CD, haben wir zum Beispiel einen Saloon-Part mit Klavier gemacht. Das ist ziemlich verschickt, weil man so etwas nicht erwartet.

Woher kommt eure Lust aufs musikalische Austoben?

Martin: Es war wichtig für uns, nicht diese herkömmliche Radiomusik zu machen, sondern mit einem gewissen musikalischen Anspruch an die Sache heran zu gehen. Auch beim zehnten Mal Durchhören soll jeder noch neue Sachen entdecken. Gerade bei diesen amerikanischen Collegerock-Bands ist das ja nicht unbedingt der Fall.
Julian: Wir wollten uns nicht mit drei Akkorden begnügen, sondern Musik mit ein bisschen mehr Tiefgang machen.

...was sich merklich auch auf die Länge der Songs niedergeschlagen hat.

Martin: Auf dem Album sind insgesamt 8 Titel, wovon einer ein Intro ist. Die Titel sind wirklich alle sehr lang, was ganz typisch für uns ist. Bei genaugenommen eigentlich sieben Titeln haben wir eine CD mit stattlichen 67 Minuten Spielzeit produziert.

Julian: Ein Lied ist 15 Minuten lang!

Klaus: Aber eins geht nur viereinhalb Minuten.

Martin: Das ist dann die Radioedition, sozusagen.

{image}Wie werden die Lieder so lang? Wann sagt ihr euch "so jetzt ist’s genug"?

(lachen)Stefan: Wir sagen das überhaupt nicht. Wir nehmen uns aber auch nicht vor, dass sie überlang sind. Wenn uns bei einem Song zusätzlich etwas Gutes einfällt, von dem wir überzeugt sind, dass wir es einbauen können, dann machen wir das. Es ist es egal, ob die Nummer damit nochmal zehn Minuten länger dauert oder nur eine Minute – wir setzen uns da keine Grenzen.

Martin: Das war von Anfang an unser Ziel: weg von dieser Radiogebundenheit, den berühmten 3:42 Minuten. Wir schauen wie lange das Lied selbst braucht, um sich zu entwickeln und entfalten. Wir wollen der Musik auf den Grund gehen und deutlich machen, was wirklich der Sinn dahinter ist. Alles soll abgeschlossen, nicht abgeschnitten sein. Teilweise versuchen wir verschiedene Parts zu koppeln, d.h. mal einen relativ harten Part mit einem sehr, sehr ruhigen. Aber sie müssen so ineinander arrangiert werden, dass sie niemals wie abgehackt wirken. Oder wir nehmen gewisse Themen und bauen sie so unterschiedlich auf, dass das gleiche Thema am Ende des Songs wiederkommt, dann aber in einer ganz anderen Form. Dadurch erschafft man mehrere Ebenen, die dann über- und ineinander gehen.

Klaus: Es ist auf jeden Fall Musik, die man sich zwei- oder dreimal anhören muss. Sie ist sicherlich nicht auf Anhieb eingängig und leicht zu verdauen. Andererseits braucht man aber auch keine zehn Durchläufe, um zu verstehen, was damit gemeint ist.

{image}Sind dank dieser Experimentierfreude auf eurem Album auch exotische Sounds zu hören?

Klaus: Nein, aber durch die Effekte kommt viel rein. Gerade durchs Keyboard. Letzten Endes spielen wir Progressive Rock, wie er leibt und lebt, mit schönen langen Instrumentalparts.

War euer Musikstil schon immer progressiv?

Klaus: Fünf von uns, d.h. Martin an der Gitarre, Henning am Keyboard, Stefan am Schlagzeug, Samson am Bass und Julian an der Gitarre haben schon unter dem Namen Breach zusammen Musik gemacht. Als ich im September 2006 zur Band stieß, waren sie schon relativ progressiv orientiert.

Samson: Es hat sich mit der Zeit entwickelt. Wir haben erkannt, dass wir diese Richtung einschlagen wollen. Intuitiv. Als uns das bewusst wurde, haben wir es verstärkt angewendet.

Wie passt euer Bandname Madventure zur Musik?

Martin: Man kann es vielfältig deuten: von "mad adventure", dem verrückten Abenteuer, das die Musik beinhaltet und transportiert, bis "mad venture", also ein "Zusammenschluss" von etwas Verrücktem, quasi uns (lacht), oder "verrückte Unternehmung", "verrücktes Wagnis". Das trifft doch alles auf uns zu.

Klaus: In dem Bandnamen steckt wirklich alles drin: "Entwicklung", "wir wollen immer offen sein", und "in den Liedern soll immer etwas passieren, das man nicht erwartet."

{image}Was inspiriert euch? Wie entsteht eine neue Melodie, ein neues Riff oder ein Thema?

Martin: Unterschiedlich. Mal läuft’s, wenn es beispielsweise ein neues Riff ist, über pures Ausprobieren. Oder man geht über Harmonien, von denen man denkt, dass sie vielleicht gut dazu passen könnten. Manchmal ist nur eine rhythmische Idee da, was bei uns besonders wichtig ist, da wir oft auch mit verschrobenen Takten arbeiten.

Samson: Es darf nicht langweilig werden, muss immer abwechslungsreich bleiben.

Martin: Richtig, das ist das Wichtige. Wir versuchen so viele Emotionen wie möglich einfließen zu lassen. Das Lied soll eben nicht komplett durchgängig sein, sondern vor allem auf dieser Emotionsbasis viele verschiedene Ebenen und Brüche haben. Das macht es für Klaus – unseren Texter – auch einfacher, ein Thema zu finden, das sich wirklich komplett an der Musik orientiert und zu ihr passt.

{image}Ihr habt bei den Aufnahmen alles in Eigenregie gemacht?

Martin: Bis auf’s Schlagzeug!

Klaus: Das Schlagzeug wurde im Studio aufgenommen. Im Proberaum haben wir den Rest mit Cubase eingespielt, einer Studio-Software, und zum Abmischen ging es wieder ins Studio. Das ist schon eine Sisyphus-Arbeit, aber so ist es wohl bei den meisten Bands: immer wieder stimmt da ein Sound nicht, dann kommt da ein Knackser zur Ohr .... (lachen). Wir haben uns x-mal hingesetzt und das durchgehört.

Habt ihr vor mit dem Album Labels anzugehen?

Martin: Wir versuchen die Musik möglichst frei zugänglich zu machen – was über Labels eigentlich eher erschwert wird.

Julian: Es geht in erster Linie um die Weiterverbreitung. So viele Leute wie möglich sollen sich unsere Musik anhören. Wenn sie die Songs beispielsweise im Internet gehört haben, sagen sie vielleicht: "das gefällt mir ganz gut, da geh ich auch mal auf ein Konzert oder kauf mir die CD".

{image}Wo bekommt man denn die CD?

Martin: Über die Homepage, die momentan komplett neu gemacht wird.

Julian: Auf Konzerten auf jeden Fall auch.

Klaus: An dieser Stelle sollten wir mal Sebastian Kranz erwähnen, unser inoffizielles siebtes Mitglied: Er ist Grafikdesigner und hatte uns gefragt, ob wir Interesse daran hätten, dass er unser Albumcover designt. Da uns das Ergebnis richtig gut gefällt, ist er jetzt unser fester Grafiker und macht auch die Homepage neu. Beim Cover sieht man, dass es ein Kunstobjekt ist, mit ganz kunterbunten Farben. Es ist schwer zu sagen, ob es etwas Trauriges darstellen soll, oder ob es eine fröhliche Grundstimmung transportiert. Die Farben sind relativ fröhlich, aber der Baum sieht ein bisschen alt aus…

Julian: Das Cover soll einfach zum Nachdenken einladen. Genau wie die Musik! Das hat Sebastian voll eingefangen.

Martin: Der Mond auf dem Cover weist auf die Musik hin: es geht um die Erschließung anderer Welten.

Klaus: Das Artwork schließt einige Kreise zur Musik. Im Text zum letzten Lied kommt auch ein Baum und Natur vor. Am Schluss hört man Geplätscher. Im Intro fängt es dann wieder mit Geplätscher an.

Klaus, du bist ja ein unvergleichlicher Sänger, mit einer sehr markanten Stimme und hohem Wiederkennungswert. Wann hast du gemerkt, dass du zum Singen berufen bist?

{image}Klaus: Ich wurde auf einer Party, mit etwa siebzehn, von Markus Biedermann (im Team von regioactive.de; Anm.d.Red.) gefragt, ob ich bei ihm in der Band singen will. Mein Bruder, der zwei Jahre jünger ist als ich, hatte zur selben Zeit ebenfalls eine Band gründen wollen. Er hat mich, als den älteren Bruder, in dem Alter eigentlich nicht mit dem Arsch angeguckt. Aber als ich ihm das mit Markus erzählt habe, der damals schon einen gewissen Ruf als Musiker hatte und auch schon eine Band, da hat mein Bruder gesagt: "Nee, fang doch bei mir in der Band an zu singen!" So habe ich dann bei Lao Green gesungen. Die Band wurde in der Region relativ bekannt. Vor ein paar Jahren haben wir uns aufgelöst. Jedenfalls hatte ich dadurch schon ein zehnjähriges Vorprogramm zu Madventure.

Gibt es neben der Musik noch weitere schlagende Argumente, warum niemand eure Releaseparty verpassen darf?

{image}Klaus: Weil wir den besten Auftritt unserer Laufbahn bestreiten werden! Außerdem ist da noch eine zweite Band am Start, die echt was hermacht: Mein Bruder ist vor sechs Jahren nach Barcelona ausgewandert und hat dort die Elektro-Rock-Gruppe S.ym gegründet. Nach den beiden Auftritten wird noch ein cooler DJ Partymukke auflegen. Bis in die frühen Morgenstunden werden wir feiern, was wir in den letzten Monaten geleistet haben!

Stefan: Klaus hat am selben Tag auch Geburtstag und wir werden 'ne dicke Party feiern! Außerdem ist der 7er in Mannheim eine coole Location!

Henning: Nach einem Jahr Arbeit an dem Album wirkt es wie ein Befreiungsschlag, dass es endlich fertig ist, dass es geschafft ist. Je mehr Leute kommen, desto besser!

Julian: Weil die CD cool geworden ist!

Klingt überzeugend! Vielen Dank für eure ausführlichen Antworten! Wir sehen uns am 24. Januar und wünschen euch viel Erfolg mit Where are we coming from, where are we going to!

Bis dahin kann man sich auf der Artistseite bereits ein paar der neuen Songs anhören!

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