Letztes Jahr haben Sebastian Gramss (l.) und Erwin Ditzner (r.) zusammen mit Marylin Crispell ein umjubeltes Konzert bei Enjoy Jazz gespielt. Dieses Jahr hat Ditzner seine alte Band Sie sind außer Gefahr reaktiviert - mit mäßigem Erfolg, wie das Konzert in Mannheim bekundete.

Letztes Jahr haben Sebastian Gramss (l.) und Erwin Ditzner (r.) zusammen mit Marylin Crispell ein umjubeltes Konzert bei Enjoy Jazz gespielt. Dieses Jahr hat Ditzner seine alte Band Sie sind außer Gefahr reaktiviert - mit mäßigem Erfolg, wie das Konzert in Mannheim bekundete. © René Peschel

Erwin Ditzner nutzte die freie Hand, die er bei Enjoy Jazz besitzt, um seine uralte Band "Sind sie außer Gefahr" mit Gast Conny Bauer wiederzubeleben. Der Auftritt in der Alten Feuerwache suggeriert, dass er gut daran getan hätte, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

{image}Die gute Nachricht vorweg: Das ausgezeichnete Konzert, das Marilyn Crispell (Klavier), Erwin Ditzner (Schlagzeug) und Sebastian Gramss (Bass) letztes Jahr bei Enjoy Jazz gegeben haben, ist inzwischen bei Fixcel Records unter dem Titel Free Flight in Auszügen erschienen und sei jedem empfohlen, der das wunderbar harmonische und eindrückliche Zusammenspiel dieser Band erleben möchte. Ein Jahr später sind Ditzner und Gramss mit Sind sie außer Gefahr feat. Conny Bauer in die Alte Feuerwache nach Mannheim zurückgekehrt. Im Vergleich zum letztjährigen Konzert erinnert der gestrige Auftritt aber eher an den etwas schwerfälligen Gang eines Pinguins. Dass die Band nicht so recht abheben kann, deutet sich schon mit dem ersten Stück an, einer eigenartig monotonen Komposition auf niedriger Intensität, die sich eine geschlagene halbe Stunde dahinschleppt. Unterhaltsam ist allein Lömsch Lehmann (Klarinetten, Saxophone), der auf einem Stuhl sitzend eine kleine Klarinette spielt, während ihm seine Haare ins Gesicht fallen, wodurch sich der Eindruck ergibt, als würde eine Frisur eine Klarinette aufessen. 

{image}Zum Ende des besagten Stückes spielt Posaunist Conny Bauer ein langes Solo, das die Frage aufwirft, warum er offensichtlich der Auffassung ist, dass sein Instrument am besten klingt, wenn es flatulenzähnliche Klänge erzeugt. In diesem Augenblick denkt man sehnsüchtig an Gianluca Petrella zurück, der die vielfältigen Möglichkeiten der Posaune zwischen Schönklang und Avantgarde begeisternd auslotete. Davon war Conny Bauer an diesem Abend leider meilenweit entfernt. Im Verlauf des Abends erhalten die drei übrigen Musiker ebenfalls Gelegenheit zu einer mehrminütigen Soloperformance, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie allesamt verzichtbar sind.

Dass es auch anders geht, zeigt sich vornehmlich in den Gruppenimprovisationen, namentlich im zweiten Stück und den Kompositionen der Zugabe, die wesentlich intensiver daherkommen und endlich mal auch so etwas wie Leidenschaft versprühen. Löhmsch Lehmann treibt seine Klarinette in die höchsten Höhen und Conny Bauers Posaunen-Klang ist plötzlich durchdringend und klar. Es wäre dramaturgisch und künstlerisch geboten gewesen, mehr auf Gruppenimprovisationen oder Ensemblestücke zu setzen. Insgesamt ergibt sich so der Eindruck eines Abends, an dem Mittelmaß dominierte.

Darüber hinaus muss man die Frage stellen, ob die gelegentlichen Mätzchen, die Lömsch Lehmann am Saxophon vollführt, indem er beispielsweise lustige Quietsch- und Klopfgeräusche hervorbringt, noch zeitgemäß sind. Dass die Band vornehmlich für Leute spielt, die den namensgebenden Film "Der Marathon Mann" noch im Kino gesehen haben, wird in solchen Momenten allzu deutlich.

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