Der italienische Trompeter Enrico Rava begeistert in Mannheim mit einem leidenschaftlichen Auftritt. Der gar nicht so heimliche Star des Abends war aber ein anderer...

Der italienische Trompeter Enrico Rava begeistert in Mannheim mit einem leidenschaftlichen Auftritt. Der gar nicht so heimliche Star des Abends war aber ein anderer... © Daniel Nagel

Der italienische Trompeter Enrico Rava begeisterte bei seinem Auftritt in der Alten Feuerwache das Mannheimer Publikum mit einem lebhaften und leidenschaftlichen Auftritt. Der gar nicht so heimliche Star des Abends war allerdings ein anderer.

{image}Es existiert ein seltsamer Kontrast zwischen Enrico Rava dem Livekünstler und dem Musiker, der Aufnahmen für ECM einspielt. Während die Studioalben, die Rava für das Münchner Label seit seiner Rückkehr im Jahr 2003 veröffentlicht hat, vornehmlich seine langsame und ruhige Seite zeigen, versprühen seine Konzerte ein vollkommen anderes Feuer. Dieser Gegensatz offenbarte sich auch bei Ravas Auftritt mit seinem neuen Quintett in der gut gefüllten Alten Feuerwache in Mannheim im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals. Enrico Ravas aktuelles Quintett ist eine relativ neue Band, die kürzlich ein Album für ECM mit dem Titel Tribe veröffentlicht hat. Neben Rava besteht sie aus Pianist Giovanni Guidi, Bassist Gabriele Evangelista, Schlagzeuger Fabrizio Sferra und Posaunist Gianluca Petrella. Schon die Nennung des letzteren im Titel der offiziellen Ankündigung verdeutlicht, dass Petrella eine herausragende Rolle im musikalischen Konzept Ravas spielt. Aufgrund ihrer mehrjährigen Zusammenarbeit verfügen die beiden Musiker über in ein intuitives Verständnis. Wenn sie gemeinsam spielen, ergänzt sich ihre Darbietung auf eindrückliche Weise, sodass man im einen das Abbild des anderen erkennen mag.

{image}Gianluca Petrella ist aber mehr als Enrico Ravas musikalischer Partner, er begeistert mit einer Kreativität, die an diesem Abend fast grenzenlos erscheint. Seine beinahe jugendliche Euphorie entlädt sich in Fanfarenstößen, findet aber auch Ausdruck in klackenden Geräuschen, die Schritte symbolisieren. Eine solche Bandbreite kreativer Ausdrucksformen ist nicht häufig zu beobachten, schon gar nicht von einem Posaunisten, der sich einem Instrument gewidmet hat, das im modernen Jazz eher eine Nebenrolle spielt. Angesichts der Möglichkeiten, die Petralla offenbart hat, muss man diesen Umstand bedauern.

Im Vergleich zur überbordenden Vielseitigkeit Petrellas wirken die übrigen Musiker trotz ihrer unbestrittenen Klasse vergleichsweise konventionell. Die Rhythmussektion verleiht der Musik ein dichtes, intensives Fundament, während Enrico Rava keinerlei Zurückhaltung übt, sondern Petrellas Leidenschaft nacheifert. Dabei verzichtet er jedoch auf experimentelle Klänge, bewegt sich stattdessen ganz in seiner gewohnten Suche nach der Schönheit. Es sind allerdings gerade solche sich unwillkürlich hervorragend ergänzenden Kontraste, die das Konzert auch für das heftig applaudierende Publikum reizvoll macht. Man kann nur hoffen, dass ECM sich bald entschließt, diese bemerkenswerte Band auch mit einer Liveaufnahme zu würdigen.

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