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Gorillaz (Pressefoto, 2010) © Penguin / Jamie Hewlett

Noch nie spielten die Gorillaz in Berlin, überhaupt noch nie in Deutschland. Noch nie traten die Erfinder der Comicband zuvor bei einer Welttournee vor der Leinwand selbst in Erscheinung. Bis zum vergangenen Sonntag im Berliner Velodrom. Dort boten sie, ihr aktuelles Album "Plastic Beach" im Gepäck und gemeinsam mit einer Vielzahl prominenter Gastmusiker wie De La Soul, Paul Simonon und Neneh Cherry, ein großartiges Konzert. regioactive.de war mit dabei.

{image}Die Gorillaz, das sind Murdoc, Russel, 2-D und Noodle. Vier Comicfiguren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch allesamt Rockstar-Klischees bedienen. Gezeichnet wurden sie von Jamie Hewlett, Zeichner und Co-Autor des Comics "Tank Girl", der zusammen mit Blur-Sänger Damon Albarn die Band vor zehn Jahren ins Leben rief. Seitdem sind drei Studioalben veröffentlicht worden, auf denen zahlreiche Gastmusiker beteiligt waren, die den Sound der Band auf entscheidende Weise mitprägten. Dieser vereint simple Popmusik mit Rock, Soul, Blues, HipHop, Electro und lässt auch klassische und orientalische Klänge mit einfließen. Bislang verbargen sich alle Musiker bei den Konzerten der Gorillaz hinter einem Vorhang und ließen die Comicfiguren anhand von auf die Bühne projizierten Hologrammen sprechen und die Bühnenshow gestalten. Auf der jetzigen Tournee zum dritten Studioalbum Plastic Beach scheint sich diese Philosophie geändert zu haben. So traten die Comicfiguren und das Kollektiv um Gorillaz im Berliner Velodrom diesmal nicht getrennt voneinander, sondern nebeneinander auf.

{image}Einerseits waren da Damon Albarn und seine zahlreichen Musiker, die das Bühnengeschehen bestimmten, andererseits die Comicfiguren, die zusammen mit einigen prominenten Gaststars das Geschehen und die Erlebnisse auf der hinter der Bühne aufgebauten, riesigen Leinwand lebendig machten. Unter den Gastmusikern befanden sich nicht nur die beiden ehemaligen Mitglieder von The Clash, Mick Jones und Paul Simonon, die erstmals nach Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne standen, sondern auch die Soul-Legende Bobby Womack, Neneh Cherry sowie die HipHop-Veteranen von De La Soul, die schon im Vorprogramm für Stimmung gesorgt hatten.

{image}Dazu unterstützten eine achtköpfige Bläsergruppe, ein siebenköpfiges Streicherensemble, das syrische Nationalorchester sowie Little Dragon die Band von Damon Albarn & Co..

Auf der Leinwand wiederum begrüßte Snoop Dogg die Zuschauer mit Fernrohr und Kapitänsuniform, lieferte sich Bruce Willis eine wilde, animierte Verfolgungsjagd, erlebten die vier animierten Bandmitglieder aufregende Abenteuer auf See und an Land und standen im ständigen Dialog mit den Zuschauern und den realen Bandmitgliedern.

{image}Entscheiden, auf was man sich am ehesten konzentrieren oder auf was man am ehesten achten sollte, konnte man sich aufgrund der vielen zeitgleich ablaufenden Geschehnisse kaum. Dazu kam, dass man auch immer wieder von einem neuen Ereignis abgelenkt wurde, wenn man sich gerade an ein anderes gewöhnt hatte. Dort erfreute man sich an einigen schnell gespielten Spaßsongs, da lauschte man schon dem wunderbaren Duett-Gesang von Damon Albarn und Little Dragon. Dort hörte man sich aufmerksam orientalische Klänge von altertümlichen Instrumenten des syrischen Nationalorchesters an, da brach in diesen ungewöhnlichen Sound plötzlich der HipHop-Beat und die Rapper Kano und Bashy enterten die Bühne.

{image}Langweilig wurde das Konzert der Gorillaz somit an keiner Stelle. Und es war auch erstaunlich, wie diese ganzen Stilrichtungen, obwohl doch scheinbar willkürlich zusammengemixt und ineinander verschroben, dennoch so unglaublich homogen klangen, dass die verschiedenen Genregrenzen verschwammen und sich ins Nichts auflösten. Was man hier sah, war eine Spielwiese für viele Experimente. Und mittendrin: Damon Albarn als Spieljunge. Der neugierig ist. Der wissbegierig ist. Der experimentierfreudig ist. Und dazu genreübergreifend denkt. Er ist ein Musiker, bei dem man staunt, mit welch einer Leichtigkeit und Lockerheit er über die Bühne rennt, singt, und dazu das gesamte Geschehen und alle Musiker koordiniert. Das hatte nicht nur etwas Durchdachtes, etwas Perfektionistisches. Das war einfach überragend und überzeugend. Wie eigentlich alles bei diesem fantastischen Konzert.

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