The Black Keys (live Rolling Stone-Weekender 2010)
Foto: Jan Wölfer

The Black Keys (live Rolling Stone-Weekender 2010) Foto: Jan Wölfer © regioactive.de

Der zweite Tag des Rolling Stone Weekenders bot weitere Highlights in Form der Auftritte der Tindersticks, Get Well Soon, The Black Keys und John Hiatt.

{image}Musikalisch eröffnen Jaill den Samstag im Baltic Festsaal, gefolgt von Airship im Rondell, die dort mit krachendem UK-Rock das letzte Bisschen Müdigkeit aus den Besuchern vertreiben. Chuck Ragan bringt seine in bester Woody Guthrie-Tradition verfassten Folksongs mit großer Inbrunst und mit einem Geiger als Unterstützung zum Besten. Seine Angewohnheit, stets mit maximalem Einsatz ins Mikrophon zu schreien, ermüdet viele Zuhörer allerdings nach kurzer Zeit. Wem Ragan zu anstrengend ist, findet in der multimedial unterstützten Lesung von Ex-Muff Potter-Sänger Nagel eine attraktive und kurzweilige Alternative.

{image}Die meisten Besucher allerdings zieht es in das große Zelt, wo The Black Keys auftreten. Sie spielen zu Beginn in der White-Stripes-Besetzung White-Stripes-Musik, und zwar modernisierten Bluesrock und erfreuen damit die Liebhaber von bluesigen Gitarrenintros und Riffs. Später ergänzen ein Bassist und ein Keyboarder das Duo, das damit Songs wie Next Girl so auf die Bühne bringt, wie man sie auch von ihren Platten kennt. Ein weiterer früher Höhepunkt des zweiten Festivaltages ist im kleinen Rondell zu hören, wo Field Musik eine spannende Mischung aus Talking Heads, Small Faces und bluesigen Riffs auf die Bühne bringen. Sehr englisch, sehr intelligent arrangiert, überzeugend komponiert und gut klingt es auch.

{image}"Ist das nicht schön hier?" fragt Konstantin Gropper von Get Well Soon zu Beginn seines Auftritts, um in den bestätigenden Applaus noch "Toll, dass man so was machen kann ohne den Camping-Horror!" hinterher zu schieben. Groppers aus sechs Musikern bestehendes Ensemble bringt die komplexen schwermütigen Kompositionen der beiden Alben souverän auf die Bühne des Baltic Festsaals und liefert die perfekte Einstimmung auf die Band, die ihnen später an diesem Ort folgt. Wer rockigere Klänge bevorzugt, kommt in der Zeltbühne bei John Hiatt & The Combo auf seine Kosten. Nashville-Veteran Hiatt überzeugt mit Klassikern aus Alben wie Bring The Family, präsentiert jedoch auch viele neue Songs aus seinem aktuellen Werk This Old Road. Das geradlinige, gediegende Konzert begeistert vornehmlich Männer älteren Semesters, die sich nach ehrlicher, handgemachter Musik sehnen.

{image}Nicht unbedingt gediegen, aber spannend gerät der Auftritt von Pearly Gate Music im Rondell. Die Band aus Seattle um Zach Tillman spielt beherzten Postgrunge-Indierock. Ihm zur Seite stehen eine barfüssige Bassistin mit Rickenbacker-Bass und eine wilde Schlagzeugerin, die gemeinsam mit ihm zur Sache gehen, als hinge ihre Karriere von diesem einen Gig ab. Wild, ungestüm, sympathisch und vor allem sehr unterhaltsam, das Rondell ist an den beiden Tagen fast immer für eine Überraschung gut.

Ein Act, der dort allerdings nicht zu überzeugen weiß, ist R.G. Morrison. Ihr Indie-Folk plätschert fahrig am Publikum vorbei und wer dicht genug an der Bühne steht, erfährt den Grund: Ruper Graeme Morrison hat anscheinend gar kein Set geplant und informiert seine Mitmusiker erst mit der Ansage, welches Stück jetzt gespielt wird. Die genervte Reaktion seiner Kollegen versucht er mit einem aufmunternden "Come on, we're making this up" (Kein Problem, wir kriegen das schon hin) zu begegnen.

{image}Im Baltic Festsaal greifen währenddessen die Tindersticks die Stimmung auf, die Get Well Soon schon perfekt vorbereitet haben und bereichern das Festival mit einem wunderbaren Konzert. Sänger Stuart Staples sah vor 15 Jahren schon wie Mitte Vierzig aus, so dass er jetzt, wo er tatsächlich dieses Alter erreicht hat, ist immer noch perfekt für die elegische, romantische, oft melancholische aber auch immer wieder mitreißende Musik seiner Band geschaffen ist. Die Tindersticks des Jahres 2010 haben sich durch einige Umbesetzungen zu einer musikalisch nahezu perfekten Band entwickelt. Multiinstrumentalist Andy Nice überzeugt sowohl an Trompete und Saxophon und setzt mit seinem achtsaitigen Cello wunderbare Akzente. Schlagzeuger Earl Harvin stellt unter Beweis, welch differenzierten Perkussionseffekte man aus einem absolut auf das notwendigste reduzierten Drumset holen kann wenn man die notwendige Virtuosität mitbringt. Das Publikum dankt der Band mit einem begeisterten Applaus.

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