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Slipknot (live bei Rock am Ring, 2019) © Peter H. Bauer

Von wegen nach den Ärzten ist alles vorbei: Rock am Ring 2019 findet mit einer Riesenparty am Sonntag den bestmöglichen Abschluss. Besonders eine Band mit Masken und zwei Duos erweisen sich als Volltreffer.

Der Sonntagvormittag wird von den meisten Besuchern von Rock am Ring 2019 zum Ausschlafen genutzt, um die verbliebenen Kraftreserven für den letzten Tage zu mobilisieren. Jeder weiß zu gut, was heute noch auf dem Programm steht.

Da das Wetter am Sonntag mit Abstand am besten ist, treibt es viele Besucher schon früh auf das Gelände. Es ist an der Zeit, nochmal alles zu geben und Rock am Ring 2019 mit einer angemessenen Party zu verabschieden.

Jubiläum 2020

Nach dem Paukenschlag bei der Pressekonferenz im letzten Jahr mit der Ankündigung der Ärzte gibt es dieses Jahr nichts Vergleichbares. Die ersten Bands lassen noch auf sich warten.

Dennoch haben die Veranstalter gute Nachrichten. Trotz der hohen Besucherzahl gab es keine ernsthaften Zwischenfälle – ein Zeugnis dafür, wie sicher Festivals eben sind.

2020 wird Rock am Ring übrigens 35 Jahre alt: Wer vom 5. bis 7. Juni 2020 zum Nürburgring kommen will, kann ab Dienstag, 11. Juni 2019 um 12 Uhr Karten kaufen.

Nochmal alles geben

Auf der kleinen Alternastage haben Adam Angst mit ihrem intelligenten Deutschpunk viele Fans angezogen und sorgen für Moshpits.

Wer eher auf Hip-Hop steht, ist vor der Crater Stage besser aufgehoben. Hier hat KC Rebell die Bühne kurzer Hand in ein Football-Feld verwandelt und spielt Nummer Eins-Hits wie "DNA" oder "Chinchilla". Ob das American Football-Getue dabei unbedingt nötig ist sei mal dahingestellt. Für musikalische Abwechslung ist gesorgt und die Fans sind am Feiern.

Kontra K macht danach mit seinem Motivationsrap weiter, kann aber nur stellenweise überzeugen. Das Set wirkt insgesamt viel zu aufgesetzt und selbstverliebt und als er am Ende an die Fans appelliert, den "Mainstreammedien" nicht zu glauben, sorgt er noch für einen echt peinlichen Moment. Kollegah lässt grüßen.

Bärenstarke Wikinger

Amon Amarth liefern dagegen eine Show, die ihresgleichen sucht. Die schwedischen Viking-Metaler setzen die Volcano Stage im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen und fahren u.a. mit ihrem Wikingerschiff-Bühnenbild eine beeindruckende Kulisse auf.

"Deceiver of the gods", "The Pursuit of Vikings" oder "Twillight of the Thunder God" sind schon seit langem Riesenhits und aus dem Set der Schweden nicht wegzudenken. Dazu kommt, dass Sänger Johann Hegg einfach unglaublich sympathisch ist und damit trotz der harten Musik jeden zum Lächeln bringt. Ein absolutes Highlight am Sonntag.

Das große Warten auf die Headliner

The BossHoss wirken danach etwas verloren. Es wird klar, dass viele die Band zwar aus dem Fernsehen kennen, sich jedoch wenig mit ihrer Musik beschäftigt haben. Da bleibt noch etwas Zeit, um ein paar letzte Runden über das Festivalgelände zu gehen, auf dem es einiges zu entdecken gibt.

Besonders unterhaltsam ist die Karaoke-Bühne, auf der mancher Hobby-Sänger mehr Action macht als viele große Künstler. Mehrere hundert Zuschauer sind königlich unterhalten.

Das in den sozialen Netzwerken kritisierte Toilettensystem von den Vortagen scheint über Nacht verbessert worden zu sein. Während am Samstag noch ein nicht unerheblicher Teil der Örtlichkeiten ausgefallen war, scheint heute alles mehr oder weniger glatt zu laufen.

Highlights zum Schluss

Mit Alligatoah und Tenacious D gibt es kurz vor Sonnenuntergang gleich zwei der besten Shows des gesamten Festivals. Der Berliner Rapper hat ein buntes, sehr detailliertes Bühnenbild und haut so gut wie alle seine Hits raus. "Willst Du?" ist dabei das große Highlight am Ende des Sets.

Jack Black und Kyle Gass aka Tenacious D stehen dem in nichts nach und lassen die Volcano Stage beben. Wer denkt, dass sie musikalisch als Einheizer für Slipknot nicht passen, liegt falsch. Die Stimmung ist wahnsinnig ausgelassen. Tenacious D zeigen, was sie für eine Macht sind – und das Publikum frisst ihnen aus den Händen.

Grandioses Festivalfinale

Als Corey Taylor und seine Männer um kurz vor 23 Uhr auf die Bühne kommen, wird nochmal alles an Kraft aufgewandt, was irgendwie vorhanden ist. "People=Shit" und "(sic)" werden als erstes gespielt und es besteht kein Zweifel mehr daran, dass das Gelände jetzt komplett abgerissen wird.

Die Produktion ist typisch Slipknot mit viel Feuer und Explosionen. Kein einziger Hit fehlt und vor allem die Übersongs "Psychosocial" und "Before I Forget" hauen die Besucher richtig weg. Was für eine unfassbare Energie auf und vor der Bühne!

Das ist nicht selbstverständlich, da die Umstände bei Slipknot momentan alles andere als gut sind. Die Tochter von Clown ist vor einigen Wochen verstorben und die Band streitet mit ihrem ehemaligen Perkussionisten Chris Fehn vor Gericht.

Dessen Nachfolger an den Drums macht aber einen richtig guten Job und gibt der Powershow noch mehr Energie. Slipknot werden ihrer Rolle als Headliner mehr als gerecht. Vielleicht die beste Show des Wochenendes.

Duo famos

Wer jetzt schon geht, verpasst ein grandioses Finale auf der Crater Stage. Casper und Marteria liefern im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuerwerk. Die größten Pyro-Fontänen des Wochenendes werden von den zwei Rappern aus Bielefeld und Rostock abgeschossen.

Die Setlist ist immer ein Wechsel aus Solosongs der beiden, gefolgt von deren gemeinsamen Songs. Vor allem Casper versprüht eine wahnsinnige Energie. Diese zwei Rapper ans Ende des Wochenendes zu setzen, zahlt sich vollständig aus.

Ein grandioses Wochenende

Rock am Ring 2019 war ein Fest. Trotz starkem Wind und teils eisiger Kälte haben die 86.000 Fans ein Wochenende der Extraklasse abgeliefert, bei dem fast alles stimmte.

Alle Headliner haben sich nachhaltig im Gedächtnis der Zuschauer festgespielt. Um es mit den Worten von Feine Sahne Fischfilet zu sagen: Rock am Ring 2019 – Alles auf Rausch.

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