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Slash feat. Myles Kennedy & The Conspirators (live in Offenbach, 2019) © Leonard Kötters

In der Offenbacher Stadthalle demonstriert Slash gemeinsam mit Myles Kennedy und The Conspirators sowie der Unterstützung von Phil Campbell & The Bastard Sons, warum er auch ohne seine überlebensgroße Hauptband zu den größten Stars am Hardrockhimmel zählt.

Meistergitarrist Slash alias Saul Hudson war nie völlig weg vom Fenster, selbst nach seinem Ausstieg bei Guns N’ Roses im Jahr 1996. Immerhin feierte er auch mit Projekten wie Slash’s Snakepit und Velvet Revolver beachtliche Erfolge.

Spätestens seit der Reunion mit Axl Rose und Duff McKagan unter dem Gunners-Banner vor drei Jahren ist Slash in der Rock'n'Roll-Welt aber wieder in aller Munde – und nutzt dies zu einer ausgedehnten Tour mit Myles Kennedy und The Conspirators, um die neue Platte mit dem bezeichnenden Titel "Living The Dream" zu promoten.

Uneheliche Söhne und ein Motörhead

In der Offenbacher Stadthalle erhalten sie dabei Unterstützung von Phil Campbell & The Bastard Sons. Die Formation bestehend aus dem ehemaligen Motörhead-Saitenhexer und seinen Söhnen heizt dem Publikum eine gute Dreiviertelstunde lang mit Material ihres ersten Albums "The Age Of Absurdity" ein.

Ganz bleibt die Ex-Band des Leadgitarristen aber natürlich nicht außen vor – und so geben die Bastard Sons fulminante Versionen des Lemmy gewidmeten und von ihm geschriebenen Hawkwind-Stückes "Silver Machine" sowie den Motörhead-Klassiker "Ace Of Spades" zum Besten.

Beliebte Verschwörer

Als Slash schließlich gemeinsam mit Alter Bridge-Frontmann Myles Kennedy und seiner The Conspirators genannten Begleitband aus Drummer Brent Fitz, Bassist Todd Kerns und Rhythmusgitarrist Frank Sidoris die Bühne betritt, ist die Arena bereits so prall gefüllt, dass einige Zuschauer hinten auf der Tribüne stehen oder im Foyer Platz nehmen.

Das ist an diesem Abend aber nicht weiter tragisch, da der Soundmann ganze Arbeit geleistet hat und der Fünfer um den Guns N‘ Roses-Star an praktisch allen Stellen der Stadthalle Offenbach klar und deutlich zu vernehmen ist.

Volle Breitseite

Slash und Co. lassen sich auch nicht lange lumpen und packen mit dem Opener "The Call Of The Wild" von ihrer neuen Platte gleich das erste Hardrockbrett aus. Die Messlatte in Sachen Intensität ist damit zwar sehr hoch gelegt, doch das Quintett auf der Bühne schafft es bei seinem zweistündigen Auftritt mühelos, den selbstgesetzte Energielevel aufrechtzuerhalten.

Zu den Highlights zählen etwa "Mind Your Manners" sowie der Titelsong der Conspirators-Platte "World On Fire". Das melodisch wie bluesig daherkommende "The Great Pretender" weiß aber ebenso zu überzeugen.

Klingt (und singt) gut

In Offenbach liefert Myles Kennedy an der Seite von Slash zudem eine deutlich überzeugendere Gesangsleistung ab, als dies Axl Rose noch beim Guns N‘ Roses-Monsterkonzert auf dem Mannheimer Maimarktgelände tat.

Beim Alter Bridge-Frontmann sitzt jeder Ton – und dennoch ist er sich nicht zu schade, bei Nummern wie dem ursprünglich von Lemmy intonierten "Doctor Alibi" in den Hintergrund zu treten und dem Conspirators-Tieftöner Todd Kerns das Mikrofon zu überlassen.

"Wer wagt, gewinnt"

Trotz allem hätten es sich Slash und seine Mitstreiter in der Stadthalle Offenbach deutlich leichter machen können. Die sichere Variante des Abends wäre gewesen, das Set einfach mit Guns N‘ Roses-Stücken wie "Paradise City", "Welcome To The Jungle" oder "You Could Be Mine" zu bestücken.

Eben das tut der Meistergitarrist aber nicht. Bis auf "Nightrain" spielen Slash & Co. lediglich Material, das sie seit 2010 aufgenommen haben – und der Mut gibt ihnen Recht. Denn wer Guns N‘ Roses hören möchte, hat schließlich die Chance, das (halbe) Original zu sehen.

Setlist

The Call Of The Wild / Halo / Standing In The Sun / Ghost / Back From Cali / My Antidote / Serve You Right / Sugar Cane / Shadow Life / We’re All Gonna Die / Doctor Alibi / The Great Pretender / Wicked Stone / Mind Your Manners / Driving Rain / By The Sword / Nightrain / Starlight / You’re A Lie / World On Fire // Avalon / Anastasia

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