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Lenny Kravitz (live in Frankfurt 2018) © Torsten Reitz

Vom Anbeginn seines Auftritts in der Frankfurter Festhalle ist klar, dass Lenny Kravitz diesmal das Gaspedal voll durchdrückt. Die Show endet mit einem Feuerwerk, als Lenny Kravitz total aus dem Set ausbricht und das Publikum ihm ungeahnt nahe kommt.

Im Gegensatz zur letzten Show 2014 an gleicher Stelle arbeitet sich Lenny Kravitz diesmal nicht langsam in den Abend hinein, sondern feuert direkt mit ersten Song "Fly Away" eine gewaltige Ladung rockiger Gitarrenriffs in die Frankfurter Festhalle. Er zelebriert seine Spielkunst auf dem oberen Bühnenplateau, während um ihn herum seine Band ihre erstklassige Musikalität präsentiert. 

Die Eröffnung zieht sich über "Dig In" mit seinen griffigen, heulenden Gitarrenriffs und "Bring It On" bis zu "American Woman", das plötzlich mit dem harten Rocksound bricht und in einen langsamen Funk-Groove mit extrem ausgefeilten und perfekt ausgespielten Riffs übergeht.

Gesamtkunstwerk

Das hervorragende Zusammenspiel der einzelnen Musiker zeigt sich speziell in den XL-Stücken wie "The Chamber". Darin setzt Trompeter Ludovic Louis, wie mehrfach an diesem Abend, zu einem grandiosen Solo an, das in der Singleversion nicht vorkommt und das Stück enorm bereichert. Das ist keine Ausnahme. Das Konzert bietet zahlreiche zusätzliche Gitarrensoli und mitreißende Beiträge der Bläser bestehend aus Trompeter und zwei Saxophonspielern. 

Um Kravitz wirklich in seiner gesamten musikalischen Bandbreite zu erfassen, muss man ihn daher unbedingt live erleben. Im Konzert wirken seine Songs nicht nur energetischer, sondern auch viel facettenreicher. Die Songs seiner Alben, die seit "Are You Gonna Go My Way" 1993 alle in den deutschen Top Ten gelandet sind, bilden lediglich die Basis. 

Neue Songs und alte Schmusehits

Spannend ist auch, wie sich die neuen Songs ins Gesamtkonzept einfügen, da das neue Album "Raise Vibration" erst im September 2018 erscheinen wird. Außer der ersten Single "Low", die von den drei Bläsern akzentuiert wird und mit einem langezogenen "Loooow" von Kravitz endet, bietet "It's Enough" mit seiner ausgefeilten Melodie eine weitere Chance, Kravitz in all seinen Facetten zu erleben.

Wie stark und gefühlvoll seine Stimme trotz der insgesamt rockigen Präsentation immer noch ist, zeigt er bei "It Ain't Over Till It's Over". Das lange, intensive Keyboardsolo untermalt den Schmelz, den Lenny Kravitz bis heute in der Stimme hat. Der Groove fängt das wippende und mitsingende Publikum ein und lässt die Zuschauer auch bei "Can't Get You Off My Mind" mitschwingen.

Geballte Spielfreude

Je länger die Show läuft, desto mehr ergreift die Spielfreude von Lenny Kravitz und seiner Band die Seele jedes Zuschauers. Es wird immer ausgeflippter, als der rockige Sound mit "Always On The Run" und der geballten Energie von "Where Are We Runnin'?" einen weiteren Höhepunkt erreicht, der mit "The Chamber" in einer gefühlten Explosion eskaliert.

Die Umstellung der Setlist im Vergleich zu den vorherigen Shows macht sich bezahlt. Zum Abschluss des Hauptblocks zieht Kravitz das energetische "Again" vor und sorgt so für einen furios gefeierten Bühnenabgang. Dadurch kann er die Zugabe mit der ruhigeren Ballade "I'll Be Waiting" am Klavier einleiten und muss vorher das Rockfeuerwerk nicht unterbrechen.

Bad im Publikum

Die treibenden Gitarrenriffs und das langgezogene Saxophonsolo von "Let Love Rule" heizen dem Publikum mächtig ein, als Lenny Kravitz plötzlich völlig unerwartet ins Publikum springt und einmal quer durch den Innenraum läuft. Der Sänger peitscht das Publikum an, sie sollen die Zeile "We Got To Get Away" mitsingen, die offenbar aus dem neuen Song "Raise Vibration" stammt. Kurz verschwunden taucht er plötzlich oben auf dem Balkon auf, über den er sich wagemutig beugt, "Louder!" schreit und so seine Fans antreibt, noch mehr Gas zu geben.

Die Zuschauer flippen aus, tanzen, klatschen und springen, als Lenny Kravitz zum finalen Rockgewitter von "Are You Gonna Go My Way" ansetzt. Die ganze Halle steht und feiert einen großartig aufgelegten Lenny Kravitz, der über zwei Stunden am Limit agiert und sein Publikum richtig auf Touren bringt. Seine Liveshow besitzt eine unvergleichliche Naturgewalt.

Setlist

Fly Away / Dig In / Bring It On / American Woman / Get Up Stand Up / It's Enough / Low / It Ain't Over Til It's Over / Can't Get You Off My Mind / Believe / I Belong To You / Always On The Run / Where Are We Runnin'? / The Chamber / Again // I'll Be Waiting / Let Love Rule (inklusive Raise Vibration) / Are You Gonna Go My Way

Das Konzert ist eine Art Gesamtkunstwerk.

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