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Lenny Kravitz (live in Hamburg, 2015) © Falk Simon

Selten war ein Konzert so einfach zu strukturieren wie die Show von Lenny Kravitz in Frankfurt. Der Anfang war holprig, dann wurde es von Song zu Song besser, so dass das Publikum zahlreiche Highlights bejubeln konnten - bis das Konzert für viele Zuschauer ein abruptes Ende fand.

Der Auftakt des Konzerts von Lenny Kravitz verläuft beim Sound wohl nach dem Motto. Wir arbeiten uns Song für Song in das Konzert ein. Es wird ein Rantasten im Dreierschritt. Beim Auftaktsong "Dirty White Boots" klingt alles noch viel zu blechern, laut und verzerrt. Nur mit sehr viel Mühe ist überhaupt erkennbar, was er da singt. Mit "American Woman" wird der Sound schon sehr viel besser, auch wenn es immer noch nicht komplett klar klingt.

Zwischendurch winkt er in einer kurzen Pause dem, trotz des holprigen Starts, enthusiastischen Publikum zu und fragt: "Alles klar?" Die Antwort ist laut und frenetisch. Die kurze Pause scheint aber beim Soundreset geholfen zu haben. Denn jetzt mit "It Ain't Over 'Til It's Over" ist der Gitarrensound plötzlich glasklar zu hören und auch Lenny Kravitz treibt bei seinem alten Klassiker seine Stimme zur Höchstform. Dann lässt er das Publikum den Refrain singen und das erste echte Highlight lässt die Stimmung weiter ansteigen.

Funky, Funky

Zurück zu den Wurzeln heißt es im zweiten Block. Denn jetzt gibt Lenny Kravitz richtig Gas. Mit seinem neuen Hit "Strut" lässt er den Funk wieder aufleben und schleudert die Energie seiner Stimme mit voller Wucht in die Halle.

Das steigert sich nochmal mit "Dancin' Til Dawn". Angefeuert von einem grandiosen Solo des Saxophonisten und dem treibenden Sound der Gitarren gibt Lenny Kravitz alles und das Publikum ist rasend vor Begeisterung. Danach zieht Lenny Kravitz als Kontrast sozusagen den Stecker und das Konzert geht in eine ganz andere Richtung.

Die XXL-Songs

Mit "Sister" verändert sich der Stil des nächsten Blocks total. Nun spielt Lenny Kravitz mit seiner Band eine Art Jam-Session, bei der jeder Song rund 10 Minuten lang ist. Dabei werden neben der Basismelodie immer wieder verschiedene Akzente unterschiedlicher Instrumente gesetzt. Das ähnelt einer fast einer Jazz-Performance. Der Sound klingt jedoch gar nicht nach Jazz, sondern es ist purer Rock, der dominiert von den Gitarren wird.

"Sister" ist eine ruhigere Darbietung, die aber trotzdem strotzt vor Energie und Leidenschaft. Bei "New York City" gibt der Bassist den Klatschrhythmus vor und die Band lässt in der Festhalle die Clubszene des Big Apple lebendig werden. Der Block endet mit "Always On The Run". Das Intro der kreischenden Gitarre ruft erneute Jubelschreie hervor und auch der Trompeter darf bei diesem Jam unter großem Applaus sein Solo spielen. Der Song endet mit der mehrfachen Wiederholung von Lenny Kravitz, der immer wieder ruft: "My Mama Says".

Das Ende, das viele Zuschauer nicht erlebt haben

Als das Intro von "I Belong To You" angestimmt wird, schreien viele Zuschauer direkt los. Der kürzere, aber stimmige Song, ist für viele Zuschauer in der Halle leider das abrupte Ende eines toll gespielten Konzerts. Während Lenny Kravitz gerade "Let Love Rule" im roten Backgroundlicht anstimmt, setzt ein auffälliger Run im Innenraum ein. Ungewöhnlich viele Zuschauer verlassen die Halle.

Die Ursache ist schnell erklärt. Der Streik der GDL zwingt viele unfreiwillig zur Heimfahrt, da die Bahn den Regionalverkehr in viele Richtungen nur bis etwa 23:15 aufrechterhält. Bitter für alle Fans, die teures Geld für die Tickets bezahlt haben. Lenny Kravitz hat ein tolles Konzert gespielt und so sollte es nicht enden. 

Auch für Lenny Kravitz muss es seltsam gewirkt haben, dass viele Zuschauer plötzlich ohne ersichtlichen Grund das Konzert verlassen haben. Als Zugabe gibt es für das restliche Publikum noch seinen Mega-Hit: Are You Gonna Go My Way. Es war ein großartiger Abend unter eigenartigen Umständen.

Setlist

Dirty White Boots | American Woman | It Ain't Over 'Til IT's Over | Strut | Dancin ' Til Dawn | Sister | Circus | New York City | Dig In | Always On The Run | I Belong To You | Let Love Rule | Fly Away

Zugabe: Are You Gonna Go My Way

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