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Lenny Kravitz (live in Mannheim 2019) © Rudi Brand

Lenny Kravitz beweist in der SAP-Arena in Mannheim wieder einmal, dass er zu den besten Funk-Rock-Künstlern der Welt gehört. Seine Mischung aus rockigen Riffs, cooler Stimme und groovenden Rhythmen ist ebenso explosiv wie gefühlvoll.

2014 überraschte Lenny Kravitz sein Publikum in Frankfurt mit einem Konzert, das den Charakter einer ausgedehnten Jam-Session hatte. Vergangenes Jahr überrollte er seine Fans mit einem elektrisierenden Gitarrengewitter. Wie vielseitig und facettenreich der New Yorker wirklich ist, zeigt er nun bei seinem 2 1/2 Stunden andauernden Konzert in Mannheim.

Dieses Mal packt er alle Stilmittel in eine Show und zelebriert sich selbst mit seiner Family Band - passend zum 30-jährigen Bühnenjubiläum. Er ist "thankful for 30 years from "Let Love Rule" to "Raise Vibration" now".   

Das kleine Opfer

Beim Opener geht Lenny Kravitz diesmal einen anderen Weg als 2018 und bei den anderen Shows der aktuellen Tour: Er startet mit dem neuen Song "We Can Get It All Together", einem schweren, langsamen Song mit rollendem Groove und heulenden Gitarren. Das dynamische "Fly Away", einer seiner größten Hits, wird dadurch gewissermaßen als Opener "geopfert" und rückt gen Ende der Setlist. 

So dauert es etwas, bis das Konzert richtig in Fahrt kommt. "Dig In" allein reicht trotz höherer Geschwindigkeit nicht ganz aus, auch "Bring It On" zündet nicht voll. Erst das mit intensiven, aggressiven Riffs durchsetzte "American Woman" bringt das Publikum auf die entsprechende Betriebstemperatur.

Als besonders cool erweist sich, dass Lenny Kravitz und Band mittendrin einen Stilwechsel vollziehen. Der Sound wandelt sich groovend von Rock zu Dub-Step, durchzogen von Reggaebeats, die einen Kontrast zu den zuvor röhrenden Gitarren bilden. Das Ganze mündet in einem von den Bläsern untermalten Snippet von "Get Up, Stand Up", einem Cover von The Wailers.

Tolle Versionen alter und neuer Songs

Ein Highlight des Abends ist der neue Song "Who Are Really The Monsters?". Ein Feuerwerk aus Gitarrenriffs wird von Kravitz angetrieben, der zunächst das Publikum mit zwei Drumsticks zum Klatschen anheizt und dann selbst ein extra aufgebautes Doppelschlagzeug mit voller Energie bearbeitet. Auch bei dem energetischen "Freedom Train" und dem funkigen "Low" hält es nur wenige Zuschauer auf ihren Sitzen.

Eine ganz andere Wirkung erzeugt dagegen das gefühlvolle "Stillness Of Heart". Hunderte Fans filmen mit, als Kravitz zuerst zu einem epischen Gitarrensolo ansetzt, dann das Publikum gesanglich mit einbindet und schließlich am Songende ganz leise und gefühlvoll, aber dennoch sehr eindringlich und viel Soul in der Stimme singt.

Aus "It Ain't Over 'Til It's Over" wird dann eine XL-Version von 14 Minuten, in denen er seine ganze Stimmkraft entfaltet. Ein chilliger Sound, der zu einer jazzartigen Improvisation mit Saxophon-Solo von Harold Todd wird.

Gitarrenfeuerwerk

Nicht fehlen dürfen bei einem Rückblick auf 30 Jahre die politischen Songs. Kraftvoll wie eh und je ist das energetische "Bank Robber Man", ein Appell gegen die ungerechtfertigte Polizeigewalt in den USA. Mit heulenden Polizeisirenen und rot-blauen Lichteffekten versprüht dieser schnelle, agressive Song auch heute noch ungebrochen seine Intensität.

Ob allein oder mit Craig Ross an der Lead-Gitarre, Kravitz dreht nun voll auf. Bei "Fly Away" feuert auch noch der Bassist dazwischen, bevor es mit "Are You Gonna Go My Way" zum spektakulären Gitarrentriple kommt, als alle drei in enger Formation die Bühne und das Publikum rocken.

Große Gesten 

Bei der neuen Powerballade "Here To Love" wird Lenny Kravitz zunächst nur vom Keyboard begleitet, bevor aus der Dunkelheit plötzlich ein großer Background-Chor ins Licht tritt und mit ihm gemeinsam diesen Song zu einem Gefühlsmoment erhebt. Danach geht es tatsächlich zurück an den Anfang: Denn natürlich rückt bei diesem Jubiläum an dieser Stelle "Let Love Rule" ins Zentrum.

Auch dieser Song, gleichzeitig der Titel seines Debütalbums, wird in Überlänge dargeboten und mit gehörigem Groove zelebriert. Wie schon 2018 in Frankfurt begibt sich Kravitz ins Publikum und läuft, geschützt von den Bodyguards, bis ganz nach hinten und springt am Soundpult auf eine kleine Extrabühne. Mit großen Gesten feiert er sich, seine Band und das Publikum ab, das ihm heute viel Liebe entgegenbringt.

Zurück auf der Hauptbühne schreibt er schon während des letzten Songs "Again" Autogramme am Bühnenrand – es ist das entspannte Ende einer großartigen Show, in der Lenny Kravitz wahrlich alle Register zieht und seine komplette Karriere in allen Facetten zeigt. 

Setlist:

We Can Get It All Together / Dig In / Bring It On / American Woman (mit Get Up, Stand Up) / Fields Of Joy / Freedom Train / Who Really Are The Monsters? / Stillness Of Heart / It Ain't Over Til It's Over / Can't Get You Out Off My Mind / Low / 5 More Days 'til Summer / I Belong To You / Bank Robber Man / Where Are We Runnin'? / Fly Away / Are You Gonna Go My Way (mit Love Revolution) // Here To Love / Let Love Rule / Again

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