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Foo Fighters (live in Hamburg, 2018) © Falk Simon

Bei ihrer bisher größten Deutschland-Show in Hamburg lassen die Foo Fighters keine Wünsche offen – und spielen sich vor 60.000 Fans quer durch ihren Backkatalog.

Einen Dave Grohl holt so schnell nichts von der Bühne. Weder ein Beinbruch, wie er nach seinem Sturz in Göteborg 2015 bewies, noch ein akutes Stimmproblem wie vor ein paar Tagen bei den Headliner-Shows der Foo Fighters bei Rock am Ring und Rock im Park.

Allerdings mussten dort häufiger als sonst seine Bandkollegen gesanglich einspringen. Zudem wurde die Show 20 Minuten früher als geplant beendet. Entsprechend sorgenvoll war das Publikum auf der Trabrennbahn Bahrenfeld in Hamburg, ob der 49-Jährige wieder bei Stimme sein würde.

Starke Support-Acts

Bevor sich diese Frage klärte, heizten zunächst die beiden Support-Acts den Zuschauern ein. Alice Wolf aus London überzeugten mit einem spielfreudigen Set, das vor allem aus Songs ihres neuen Albums "Visions of a Life" bestand. Sängerin Ellie Rowsell weckte mit ihrem Look und Sound Erinnerungen an die Grunge-Ära.

Eine Spur härter ging es dann bei The Kills zur Sache. Sängerin VV und Gitarrist Hotel konzentrierten sich in ihrem Set in erster Linie auf Songs aus "Blood Pressure" und "Ash & Ice". Als sie mit "List Of Demands" und schließlich "Monkey 23" enden, ist die Trabrennbahn bereits mit 60.000 Fans gefüllt und auf Temperatur gebracht.

Fulminanter Auftakt

Pünktlich um 20:01 Uhr betritt dann ein breit grinsender Dave Grohl die Bühne, seine blaue Gitarre bis zum Anschlag aufgedreht. Die Spielfreude steht ihm und seiner Band ins Gesicht geschrieben. Los geht’s mit "Run" vom neuen Album "Concrete and Gold". Die Band: sofort on fire. Das Publikum: sofort da. Die Foo Fighters brauchen keinen Anlauf, kein Taktieren oder Abtasten. Von 0 auf 100 mit einem Riff.

Es folgt ein leidenschaftliches "All My Life" aus der Frühphase der Band, inklusive dem inzwischen obligatorischen Ted Nugent-Interlude "Cat Scratch Fever". Die Show ist zwei Songs alt und Grohl hat das Publikum bereits zur Ekstase getrieben, was anderen großen Bands erst nach schweißtreibenden 90 Minuten mit Mühe und Not gelingt.

Schlag auf Schlag

Wer so viele Großkaliber in petto hat wie die Foo Fighters, kann verschwenderisch mit seinen Hits umgehen. Und so folgt als Song Nr. 3 bereits "Learn To Fly". "This ist the biggest Foo Fighters Show we ever played in Germany. This is just crazy" sagt Grohl sichtlich bewegt und kündigt eine verdammt lange Nacht an, in der von jedem Album mindestens ein Song gespielt werden soll.

Dass Grohl auch als Entertainer taugt, zeigt er in "The Pretender". Während der auf knapp acht Minuten gedehnten Version macht die Band einen Ausflug in Rock’n‘Roll-Historie und Grohl gibt einen überzeugenden Duckwalk von Chuck Berry.

Neben den Großkalibern überzeugen aber auch einige Songs aus der zweiten Reihe. In Hamburg ist es zum Beispiel das bluesige und extrem tight gespielte "The Sky is the Neighborhood", bei dem drei Background-Sängerinnen zudem für Bond-Titelmusik-Atmosphäre sorgen.

Wie viel Spielfreude die Band mitgebracht hat, wird in "Rope" deutlich. Grohl duelliert sich hier nacheinander mit Gitarrist Chris Shiflett, Drummer Taylor Hawkins und dem Publikum. Anschließend darf Hawkins ein dreiminütiges Drumsolo spielen, das vor allem eine Kraftdemonstration ist, und bei "Sunday Rain" die Vocals übernehmen.

Alle für Beyoncé

Der intimste Moment des Konzerts entsteht einige Minuten später, als Grohl alleine ans Ende des etwa 30 Meter langen Stegs wandert, um dort inmitten der 60.000 Besucher "My Hero" anzustimmen.

Als er mitten im Song unterbricht und sagt, er fühle sich wie Beyoncé, wenn er da vorne steht, alle seinen Song mitsingen und sein Haar dabei im Wind weht, gewinnt er noch mal mehr Sympathien. "No matter how far we travel, no matter how many shows we play, it is still the best fucking job in the world" – man nimmt ihm seine Worte mühelos ab.

Einem routiniert gespielten Block aus "One of these Days" und "Walk" folgt schließlich die Vorstellung der Band, während "Another One Bites The Dust" von Queen, "Blitzkrieg Bop" von den Ramones und ein Mash-Up aus Lennons "Imagine" und Van Halens "Jump" eingestreut werden. Köstlich. Für das von Hawkins gesungene "Under Pressure" setzt sich Grohl ans Schlagzeug – und zeigt, dass er zwar weniger akrobatisch, dafür aber mit mehr Herz trommelt.

Glücksgefühle auf allen Seiten

Weil das Konzertende gesetzlich vorgeschrieben ist, spart sich die Band den Gang von der Bühne und spielt das Set in einem durch. Hinten raus wird es dann nochmal brachial. "Monkey Wrench" wird frenetisch gefeiert, "Breakout" hat lange nicht mehr so frisch geklungen und "Best of You" wird in einer rund zehnminütigen Fassung zum Gospel. Danach kann nur noch "Everlong" kommen.

Von Dave Grohls Stimmproblemen eine Woche vorher ist nichts mehr zu spüren. Um 22:33 Uhr stehen sich eine glückliche Band und ein glückliches Publikum minutenlang gegenüber. Die Foo Fighters haben abgeliefert. Einmal mehr.

Setlist

Run / All My Life / Learn to Fly / The Pretender / The Sky Is a Neighborhood / Rope / Drum Solo / Sunday Rain / My Hero / These Days / Walk / Another One Bites the Dust / Imagine / Jump / Blitzkrieg Bop / Under Pressure / Monkey Wrench / Wheels / Breakout / Dirty Water / This Is a Call / La Dee Da / Best of You / Everlong

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