Seit 2013 touren die beiden verbliebenen Queen-Mitglieder Brian May und Roger Taylor in Gedenken an ihren legendären verstorbenen Frontmann Freddie Mercury inzwischen mit Adam Lambert um den Globus. In Deutschland haben sie sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren indes nur selten blicken lassen. Bis auf ein verregnetes Stadionkonzert in Köln gab es seit den Hallenshows Anfang 2015 keine weiteren Performances hierzulande.

Auch zum 40-jährigen Jubiläum ihres Erfolgsalbums "News Of The World" steht nur ein einziger Queen-Auftritt in Deutschland auf den Programm. Der ist allerdings in Sachen Ort wohl gewählt: In München, der früheren Wahlheimat der Band, gibt es in der mit 12.800 Zuschauern komplett ausverkauften Olympiahalle ein Wiedersehen mit neuen Gesichtern und alten Bekannten.

Ohne Vorgeplänkel

Eine Vorband schenken sich Queen + Adam Lambert vor dieser beeindruckenden Kulisse. Das würde nur unnötig Zeit kosten, zumal sich der Auftritt von May, Taylor und ihrem neuen Sänger aufgrund der Sicherheitskontrollen am Einlass sowieso leicht verzögert. Dafür beeindruckt das neue Bühnendesign bereits, bevor sich auch nur einer aus der Band überhaupt dort hat blicken lassen.

Irgendwann steigt dann Nebel über dem Laufsteg auf, der die Bühne nach vorne gen Publikum verlängert. Das Licht geht aus, und auf der Videoleinwand zeigt sich der vom “News Of The World“-Albumcover bekannte Roboter in animierter Form und greift nach etwas. Man könnte beinahe meinen, nach der gesamten Welt – und schon stürmen Lambert und May mitsamt des zunächst im Hintergrund verbleibenden Roger Taylor und den restlichen Musikern vor das volle Haus.

Der rockende Hammer fällt

Queen beginnen rockig. Auf ein kurzes Anspielen von "We Will Rock You" folgt sogleich ein knallharter Doppelschlag aus "Hammer To Fall" und "Stone Cold Crazy", das von May und Taylor gespielt auch ohne Mercury live noch sehr viel knackiger ist als in der aktuellen Version von Metallica. Nach diesem für die Engländer geradezu brachialen Einstieg ist dann mit "Another One Bites The Dust" erst einmal Grooven angesagt.

Besonders Adam Lambert und der mittlerweile ergraute, aber noch immer mit seiner alten Haarpracht ausgestattete Gitarrist Brian May zeigen sich in der Anfangsphase großzügig. Ein auf das andere Mal kommen sie nach vorne und posieren zur Freude der Zuschauer. Gelegentliche Gimmicks dürfen dabei natürlich ebenso wenig fehlen. Bei "Bicycle Race" beispielsweise steht ein speziell für den Frontmann hergerichtetes, pinkfarbenes Fahrrad mitsamt Rosen auf dem Laufsteg parat.

Zurück zu den Wurzeln

Im Vergleich zum vergangenen Jahr spielen Queen + Adam Lambert an diesem Abend deutlich mehr Klassiker aus den 1970er Jahren. Von diesen Hits wiederum jagt einer den anderen. "Bicycle Race" geht etwa ohne große Umschweife in das von Taylor gesungene "I’m In Love With My Car" und das mit animierten roten Fenstern verzierte, fast schon psychedelisch anmutende "Get Down, Make Love" über.

Nach "I Want It All" tritt May schließlich ohne seine markante elektrische Red Special-Gitarre vor die ihn bejubelnden Zuschauer und versucht sich an der deutschen Sprache: "Servus, liebe Münchener und Münchenerinnen! Alles klar?" Auf seine Frage "Wollt ihr singen?" hin macht sich tosender Applaus breit. Nun steht einer der Gänsehautmomente eines jeden Queen-Konzerts an.

Eine lebenslange Liebe

Brian May erhält eine akustische 12-Saiter-Gitarre, setzt sich auf einen Hocker am vorderen Ende des Laufstegs, um gemeinsam mit dem Publikum "Love Of My Life" zu singen. Am Ende des Songs erhält er dann weitere freundliche Unterstützung aus der Vergangenheit: Auf der Videoleinwand erscheint Freddie Mercury beim legendären Wembley-Konzert 1986. Als dieser schließlich wieder von dannen zieht, winkt May ihm hinterher.

Man mag von der Paarung Queen + Adam Lambert halten, was man möchte. Diese Konstellation spaltet auch weiterhin die Gemüter der alteingesessenen Fans. Was man May und Taylor jedoch nicht vorhalten kann, ist die Tatsache, dass sie das Andenken an ihren lange verstorbenen Frontmann nicht hochhalten würden. Einerseits passt Lamberts Stimme richtig gut zu dem alles andere als einfach zu singenden Material. Andererseits wird Mercury immer wieder "herbeizitiert".

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Ein Echo aus vergangenen Glanzzeiten

So taucht Freddie in verschiedener Form auch im weiteren Verlauf des Konzerts gleich mehrere Male auf. Der vom Band kommende, optisch von einer spektakulären Lasershow untermalte Anfang von "You Take My Breath Away" dient zum Beispiel als Intro zu "Who Wants To Live Forever", an dessen Ende Lambert mithilfe eines Hebepodestes in den Tiefen der Bühne versinkt, um Platz für Mays ausgedehntes Gitarrensolo inklusive "Last Horizon" und "Brighton Rock" zu machen.

Natürlich hat sich die Band für die aktuellen Shows noch einige weitere Neuerungen einfallen lassen. "Somebody To Love" etwa beginnt völlig ungewohnt nur mit cleaner Gitarre und Leadgesang des neuen Frontmannes, während Roger Taylor den "Drum Battle" inzwischen nicht mehr mit seinem Sohn Rufus, sondern mit dem Queen Extravaganza-Gewinner Tyler Warren aus Nashville bestreitet. Das Duett zwischen dem alten Schlagzeuger und Lambert bei "Under Pressure" hingegen ist geblieben.

Solo für Adam

Einen Song aus seinem eigenen Solo-Repertoire darf Lambert in der Olympiahalle jedoch ebenso bestreiten. Für die Europakonzerte dieser Tour scheint die Wahl auf das groovende, von P!nk verfasste "Whataya Want From Me" gefallen zu sein. Die gefällige Nummer mit 3D-Animationen der Köpfe der drei Protagonisten geht im Reigen der sehr viel majestätischeren Queen-Welthits wie "Crazy Little Thing Called Love", "I Want To Break Free" und "Radio Ga Ga" allerdings etwas unter.

Irgendwie dient das Lambert-Stück aber auch als eine Art Verschnaufpause vor dem Endspurt mit beeindruckender Lasershow bei "Who Wants To Live Forever", dem Gitarrensolo, zu dem May von der auf dem vorderen, mobilen Großmonitor erscheinenden Hand des "News Of The World"-Roboters nach oben gehoben wird, sowie "Radio Ga Ga". Die Intensität steigt, und bei letzterer Nummer klatscht sogar die menschenähnliche Maschine auf der Videoleinwand im Takt mit.

In Europa wenig(er) Neues?

In Sachen Bühnendesign orientiert sich vieles an diesem Abend an dem 1977er-Hitalbum von Queen. Leider haben jedoch nicht mehr Stücke von der Platte, wie zum Beispiel "Sheer Heart Attack", ihren Weg in das aktuelle Set gefunden. In Nordamerika haben Queen + Adam Lambert zeitweise auf "It’s Late" und "Spread Your Wings" zurückgegriffen. Inzwischen scheinen die beiden Stücke allerdings wieder komplett aus dem Programm verschwunden zu sein.

Obligatorisch ist dagegen das große Finale. Beim Tape-Intro zu "Bohemian Rhapsody" wird es völlig dunkel in der Halle. Dann steht Lambert alleine auf einem Podest in einem Spot und übernimmt die Leadstimme von Freddie Mercury. May bestreitet sein Solo in einem glänzenden Umhang. Nach dem opernartigen Surround-Mittelteil mit Einspielungen aus dem Videoclip erscheint Adam Lambert pünktlich zur Schlusszeile "Any way the wind blows…" wieder auf den Monitoren.

Umjubelte Rockhelden

Als sich die Band vor dem Zugabenteil daraufhin kurz zurückzieht, hallt ihnen minutenlanger tosender Applaus entgegen. Mercury bringt May, Taylor, Lambert, Warren plus Keyboarder Spike Edney und Bassist Neil Fairclough mit dem markanten "Day Oh"-Einspieler des Wembley ’86-Konzerts zurück auf die Bühne. Mit Unterstützung der Fans ertönt in der Olympiahalle schließlich der übliche Schlussdoppelschlag aus "We Will Rock You" und "We Are The Champions".

Bis zum Ende dürfen zahlreiche Gimmicks nicht fehlen: Der "News Of The World"-Roboter ziert auch Roger Taylors Bass-Drum, während Brian May beim Finale ein "Flash"-Shirt und Adam Lambert ein Krönchen trägt. Am Ende des Abends regnet es schließlich für die Beteiligten auf der Bühne jede Menge Applaus und stehende Ovationen, für das Publikum im Innenraum Konfetti bis zum Abwinken. Ganz offensichtlich hat München Queen auch nach all den Jahren immer noch in seinem Herzen.

Gelungenes Gesamtbild

Im Vergleich zum Kölner Stadionkonzert des vergangenen Jahres bleibt festzuhalten, dass sich Queen + Adam Lambert noch einmal ein ganzes Stück gesteigert haben: Die Band spielt in dieser Formation unglaublich tight. Der Frontmann verleiht den Songs mit seiner markanten Stimme den passenden Touch, der zwar anders als bei Mercury klingt, aber dennoch überzeugt. Im Gesamtpaket mit der tollen Bühnenshow und dem glasklaren Sound kann man da nur sagen: "Operation gelungen – Patient noch längst nicht tot!"

Setlist

We Will Rock You (Intro) / Hammer To Fall / Stone Cold Crazy / Another One Bites The Dust / Tie Your Mother Down / Fat Bottomed Girls / Killer Queen / Don’t Stop Me Now / Bicycle Race / I’m In Love With My Car / Get Down, Make Love / I Want It All / Love Of My Life / Somebody To Love / Crazy Little Thing Called Love / Drum Battle / Under Pressure / I Want To Break Free / Whataya Want From Me / Who Wants To Live Forever (mit You Take My Breath Away Tape-Intro) / Brian May Guitar Solo (inklusive Last Horizon und Brighton Rock) / Radio Ga Ga / Bohemian Rhapsody // Day Oh (Freddie Mercury-Clip von Wembley ’86) / We Will Rock You / We Are The Champions

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