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Wanda (live in Mannheim, 2017) © Beatrix Mutschler

Bei ihrem Nachholkonzert beim Zeltfestival Rhein-Neckar zeigen die Österreicher, wie eine echte Rock'n'Roll-Show auszusehen hat. Die Zuschauer erleben ein Konzert mit viel Amore und einer unfassbar spielfreudigen Band.

Es war ein wahrer Schockmoment für die Fans, als Sänger Marco Michael Wanda im April während der Show im Maimarktclub aufgrund eines elektrischen Schlags am Mikrofon zusammenbrach.

Zum Glück stand er kurz darauf wieder auf den Beinen, allerdings verließ er vollkommen aufgelöst die Bühne. Es war damals die richtige Entscheidung, das Konzert im Maimarktclub abzubrechen, schließlich stehen Gesundheit und Sicherheit an erster Stelle.

Doppelt hält besser

Die Ankündigung eines Nachholkonzerts beim Zeltfestival Rhein-Neckar sorgte für große Freude und Erleichterung darüber, dass Wanda es sich trotz der widrigen Umstände beim letzten Konzert nicht nehmen lassen, erneut nach Mannheim zu kommen, um ihre Show mit umso größerer Energie in kompletter Länge zu spielen.

Trotz hefiger Regenfälle begeben wir uns vorfreudig zum Maimarktgelände, jedoch nicht ohne ein inneres Stoßgebet, dass die Bühne diesmal zusätzlich doppelt und dreifach geerdet ist. Sicher ist sicher. 

Neufund-band

Zunächst sind allerdings Neufundland aus Köln an der Reihe. Das Quintett kann mit frischem Songwriting irgendwo zwischen Hamburger Schule und eingängigen Pop-Melodien überzeugen. Schade allerdings, dass nur wenige Besucher sich die Band zu Gemüte führen, sondern lieber erstmal draußen ein Bier trinken – was bei den letzten aufkommenden Sonnenstrahlen irgendwie nachvollziehbar ist.

Sie verpassen jedoch eine großartige Band, die sehr vielversprechende Songs vorzuweisen hat, darunter auch eine spannende Coverversion von "Halt dich an deiner Liebe fest" von Ton Steine Scherben.

"Also, bitte!"

Zur Show von Wanda füllt sich der Platz vor der Bühne im Palastzelt erwartungsgemäß. Unter ohrenbetäubendem Jubel erscheinen die Wiener Indie-Rocker schließlich. Mit dem ersten Ton von "Lucia" entbrennt die pure Euphorie, sowohl beim Publikum als auch bei der Band. Im vorderen Bereich wird gepogt und getanzt, was das Zeug hält.

Textsicher

Das Publikum kennt jede einzelne Zeile der Songs und singt diese lauthals mit. Lieder wie "Schickt mir die Post" oder "1234" gröhlen die Fans minutenlang a capella, bevor die Band mit dem eigentlichen Stück einsetzt. Eine derartige Hochstimmung erlebt man nur bei einer Handvoll Konzerten. Die Band lässt sich davon anstecken und fährt zur Höchstform auf. Zu den großen Hits wie "Bologna" oder "Bussi" herrscht Ausnahmezustand.

Sänger Marco Michael Wanda zeigt dann auch noch Galgenhumor, indem er seinen elektrischen Schlag vor zwei Monaten pantomimisch nachstellt. Im Publikum gibt es kein Halten mehr.

So geht Rock'n'Roll

Zwischenzeitlich liegt Sänger Marco am Boden. Bevor wir schon Schlimmes vermuten könnten, stellen wir beruhigt fest, dass er sich einfach genüsslich eine Zigarette im Liegen gönnt, während die Band dem Publikum einheizt. Wanda sind eine der letzten Bands, die Rock'n'Roll nicht nur verköpert, sondern auch lebt. 

Dies zeigt sich im weiteren Verlauf des Konzerts: Marco spendiert den Fans zwei Bier und eine Schachtel Zigaretten, getreu dem Song-Motto: "Wenn du mich liebst, gib mir Schnaps." Später geht der Sänger auf lange Tauchfahrt in den Zuschauermassen, ist von hinten für längere Zeit nicht zu sehen. Die Zuschauer zollen den Österreichern mit langanhaltendem Applaus Tribut. 

Bussi, Baby

Mit einem nochmaligen Spielen von "Lucia" endet das schweißtreibende, 90-minütige Set. Diesmal allerdings wird von vorne bis hinten gesprungen und gepogt. Die Wiener verausgaben sich komplett und werden erst nach minutenlangem Applaus vom Publikum entlassen. So schnell werden wir die Show nicht vergessen. Was bleibt, ist der Rock'n'Roll. Und ganz viel Amore.

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