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Wanda (live in Mannheim 2020) © Rudi Brand

Sind Wanda die beste Rock'n'Roll-Band der Gegenwart oder eine musikalische Fischvergiftung, wie der Rolling Stone glaubt? Beim Konzert im Mannheimer Rosengarten zeigt sich: Mit Fisch hat die Band rein gar nichts zu tun.

Trägt Marco Michael Wanda eigentlich immer diesselbe Lederjacke, wenn er auf der Bühne steht? Oder hat er einfach nur einen ganzen Schrank voller sehr ähnlicher Lederjacken?

Diese Überlegung kann man auch auf die Musik von Wanda übertragen, denn trotz durchaus erkennbarer Unterschiede zwischen den einzelnen Platten bleibt die Band ihrem charmanten Stil treu: Ihre Texte handeln meistens von alkoholbedingter Eskalation in Kombination mit herzzereißendem, voller Pathos vorgetragenen Liebesleid. 

Klassische Popsongs

Das sind klassische Themen der abendländischen Tragödie, die Wanda mit voller Überzeugung vortragen – und dabei ihre Fans im gut gefüllten, aber bei weitem nicht ausverkauften Rosengarten in Mannheim zu wildem Tanzen, Springen und Mitsingen animieren.

Das gelingt am besten bei den unbestrittenen Klassikern der Band wie "Bologna", "Columbo", "Luzia", "Meine beiden Schwestern" und "Auseinandergehen ist schwer". Leerlauf gibt es wenig, aber eben auch keine Überraschungen. 

Eben aus Österreich

Dass die Band auch stille Momente zelebrieren kann, zeigt sich beim halb-akustischen "0043", das fast, aber eben nicht ganz, der Vorwahl von Deutschland entspricht, so wie Österreich eben fast, aber nicht ganz, Deutschland entspricht. Oder wer kennt eine deutsche Band, die wie Wanda klingt?

Der Opener Das Moped sind es ganz sicher nicht, die bewegen sich irgendwie zwischen 80er-New Wave und einem von Bilderbuch (aus Österreich) inspirierten Stil. Das hört sich vollauf gut an, vor allem auch deshalb, weil die Band gleich mehrere Leadsänger besitzt und ein Händchen für Melodien hat.

Lebensfreude und Lebensleid

Wanda sind dennoch ganz anders: erdig, alkoholgetränkt, leidenschaftlich und charmant. Man kann sich Marco Michael Wandas offenkundiger Lebenslust nicht entziehen, wenngleich die Eskalation etwas zurückgefahren wurde. Ganz so feucht-fröhlich wie vergangene Konzerte ist der Auftritt nicht.

Nachdem der Rolling Stone einen alten Text über Wanda noch einmal aus der Mottenkiste gekramt hat, der die Band mit einer Fischvergiftung vergleicht, muss gesagt werden: alles ganz falsch. Wenn, dann sind Wanda eine Alkoholvergiftung, und zwar eine, die entweder durch zu viel Feiern oder zu viel Liebesleid hervorgerufen wurde.

Der gute alte Rock'n'Roll

Wer ein Wanda-Konzert besucht, versteht, warum das live funktioniert. Die Band macht einfach Spaß ohne dabei peinlich zu wirken. Sie erschafft lustvoll überzeichnete Szenarien, die authentisch wirken, auch wenn sie es nicht sind.

Klar, wer tiefe Botschaften und ernste Themen sucht, ist hier komplett falsch. Viel besser eignen sich Wanda für diejenigen, die Freude am lustvollen, augenzwinkernden Überschreiten von Grenzen haben.

In Zeiten glattgebügelter deutscher Popmusik auf der einen und krasser (sprachlicher) Grenzüberschreitung im deutschen Hip-Hop auf der anderen Seite halten Wanda die Fahne des guten, alten Rock'n'Rolls unverdrossen hoch. Das mag nicht innovativ sein, aber sympathisch ist es allemal.

Setlist

Bussi Baby / Weiter, weiter / Luzia / Auseinandergehen ist schwer / Lascia mi fare / S.O.S / Gib mir alles / Stehengelassene Weinflaschen / Nach Hause gehen / Ein komischer Traum / Vielleicht / Gerda Rogers / Mona Lisa der Lobau / 0043 / Ich sterbe / Ich will Schnaps / Ciao Baby / Kairo Downtown / Schickt mir die Post / Meine beiden Schwestern / Bologna / Easy Baby // Der Erste der aufwacht / Columbo / 1, 2, 3, 4

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