Willie Nelson
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Willie Nelson Foto: Jim Herrington

Als Willie Nelson bei Atlantic unter Vertrag stand, schlug ihm Labelboss Jerry Wexler vor, ein Western-Swing-Album aufzunehmen. Western Swing kann man sich als Mischung aus Swing und Country, als lebhafte und gleichzeitig bodenständige sowie musikalisch anspruchsvolle Tanzmusik vorstellen. Sie genoss vor allem in Texas, Kalifornien und dem gesamten Südwesten der USA vor dem 2. Weltkrieg große Popularität. Aus Wexlers Idee wurde dennoch nichts, bis mehr als 30 Jahre später Willie Nelson, Merle Haggard und Ray Price mit den Western-Swing Epigonen Asleep At The Wheel auf Tour gingen. Daraus erwuchs die Idee, das Western-Swing-Projekt endlich anzugehen. Inzwischen schreiben wir das Jahr 2009 und mit "Willie And The Wheel" liegt das Ergebnis vor.

{image}Je geringer die Erwartungen des Hörers sind, desto mehr wird er vermutlich das Album schätzen. Wenige rechnen wohl damit, dass Willie Nelson ein großes Alterswerk veröffentlichen wird und Willie And The Wheel versucht auch überhaupt nicht, diesem Anspruch zu genügen. Es ist stattdessen ein leichtes, oft beschwingtes, häufig etwas flüchtiges Werk, ohne sonderlichen Tiefgang. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass es viel Spaß machen würde, die Musiker live bei einem Auftritt in einem Club zu erleben. Auf Platte funktioniert die ganze Angelegenheit etwas weniger gut. Hier kann man weniger über bestimmte Defizite hinwegsehen:

{image}Willie Nelsons Stimme hat viel von der früheren Klarheit und Leichtigkeit verloren, obwohl sich dieser Eindruck bei wiederholtem Hören etwas verflüchtigt. Es fehlt ihm jedoch häufig die stimmliche Flexibilität, um den Western Swing Klassikern wirkliches Leben einzuhauchen. Es fehlt die notwendige Euphorie, die das Album zu etwas besonderem machen könnte. Hesitation Blues, Sweet Jennie Lee, Bring It On Down, To My House und Corrine Corrina gelingen noch am besten, andere Songs plätschern eher daher und taugen nur als angenehme Hintergrundmusik. Außerdem spielen Asleep At Wheel einen Tick zu gelehrt und zu glatt, um wirkliche Begeisterung zu erzeugen. Die Musik verliert dadurch etwas von ihrer Bodenständigkeit und wirkt zu kalkuliert, woran auch der Ur-Texaner Nelson nichts mehr ändern kann.

Eine wirkliche Enttäuschung ist Willie And The Wheel zwar nicht geworden, aber es stellt lediglich eine Fußnote in der großen Karriere von Willie Nelson dar. Eine sympathische Fußnote.

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