Andreas Lucht (links) und das Team vom Zum Teufel: "Mannheim war am Anfang eigentlich nicht geplant, aber die Szene ist hier vielfältiger".

Andreas Lucht (links) und das Team vom Zum Teufel: "Mannheim war am Anfang eigentlich nicht geplant, aber die Szene ist hier vielfältiger".

Der Zum Teufel in Heidelberg war in seiner Zeit sehr bekannt, vor allem aufgrund der legendären Konzerte. Unter anderem fand hier der unvergessliche Auftritt von No Age statt, der sogar vom deutsch-französischen Sender Arte für das Musikmagazin "Tracks" festgehalten wurde. Seit Dezember befindet sich der Teufel in Mannheim. Wir sprachen kurz vor der Eröffnung - noch inmitten von Bauschutt - mit Andreas Lucht, einem der beiden Betreiber des Ladens.

{image}regioactive.de: Wir sitzen hier im neuen Teufel in Mannheim, kurz vor der Eröffnung. Ihr habt bestimmt einen langen Weg hinter euch. Aber wie kam es eigentlich zu eurem Umzug?

Andreas Lucht: Der alte Teufel in Heidelberg lief fünf Jahre, bis die Partnerschaft dort für alle nicht mehr so toll war und man auseinander ging. Pascal, der damalige Mitbesitzer, führt den alten Teufel jetzt unter dem Namen "Häll" weiter. Jan und ich haben uns dann auf die Suche nach neuen Räumlichkeiten begeben. Wir hatten uns damals schon zusammen um das Programm gekümmert, Flyer verteilt und den Online-Auftritt betreut. Als es in Heidelberg für mich zu Ende ging, war klar, dass wir in dieser Richtung weiterarbeiten wollten, weswegen wir in der Region eine Location gesucht haben. In Heidelberg etwas Neues zu finden gestaltete sich sehr schwierig, denn wir suchten eine Location, die nicht sehr weit außerhalb oder mit direkten Anwohnern liegt. Da gab es fast nichts.

Habt ihr euch nur in Heidelberg und Mannheim umgesehen?

Auch in Karlsruhe haben wir uns eine Studentenkneipe angeschaut. Die Pacht wäre dort sogar sehr niedrig gewesen, aber man wollte dort eine Abfindung in Höhe von 30.000 Euro für die Einrichtung, die das unserer Meinung nach nicht annährend wert war. Das war der einzige Standort, den wir uns nicht hier in der Nähe angeschaut hatten – im Grunde wollten sowieso im Rhein-Neckar-Raum bleiben.

{image}Wie kam es zur Entscheidung pro Mannheim?

Mannheim war am Anfang eigentlich nicht geplant. Wir kommen schließlich eigentlich aus Heidelberg und kennen dort viele Leute, weshalb wir da auch bleiben wollten. Ich war in den letzten eineinhalb Jahren durch eine Freundin relativ häufig in Mannheim und den hiesigen Kneipen unterwegs, so dass diese Stadt im Laufe der Zeit für mich sehr viel mehr in Frage kam, als ich mir davor vorstellen konnte.

Inzwischen haben wir aber wirklich wesentlich mehr Lust auf Mannheim (lachen). Es ist größer und nicht so studentisch. Nichts gegen Studenten – aber hier ist man nicht so abhängig von den Semesterferien wie in Heidelberg. Außerdem ist die Szene in Mannheim schon vielfältiger.

Inwiefern machte sich das eher studentische Umfeld in Heidelberg bemerkbar?

In Heidelberg gibt es zwar nicht viele Kneipen in unserer Richtung, aber man merkte schon, wenn beispielsweise in der "Halle" eine Geographenparty stattfand oder eine Veranstaltung in der Villa. Dann war es im Teufel relativ leer. Hier in Mannheim gibt es zwar Locations wie das Soho, die Suite oder die Jungbusch-Kneipen, aber ich denke trotzdem nicht, dass es hier mit Konkurrenzveranstaltungen ähnlich extrem ist. Mannheim hat ja – soweit ich weiß – etwas über 150.000 Einwohner mehr als Heidelberg (lachen). Dazu kommt die bessere Lage. Zum alten Teufel musste man lange laufen oder mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn hinfahren. Da ist niemand einfach mal eben spontan abends vorbeigekommen. Wenn in Mannheim die Leute in den Jungbusch gehen, in die Quadrate oder zu einem Konzert in die Feuerwache oder das Capitol, dann kommen sie auch hier vorbei.

Der Teufel ist nun direkt am Ring. Hattet ihr auch andere Mannheimer Locations in Betracht gezogen?

Bevor das hier klappte, waren wir auch am Alten Bahnhof interessiert. Die Gespräche dazu haben sich über fünf Monate hingezogen. Die Zusammenarbeit mit Eichbaum, die das Gebäude besitzen, war aber nicht so toll: Man wollte, dass der neue Pächter die Hälfte der Umbau- und Sanierungskosten trägt. Einen Teilbetrag hätten wir mit einem guten Konzept vielleicht aufbringen können. Zur Vorfinanzierung haben wir u.a. Dietmar Hopp geschrieben (lacht), aber auch anderen wie der BASF, ob man das unterstützen wolle. Eichbaum hat sich bei uns aber trotz einiger Referenzschreiben, Ergänzungen zum Konzept und so weiter nicht mehr gemeldet

Danach ging's direkt nach "U3"?

Ja, im März. Hier gab es zwar auch viele Bewerber und die Entscheidung fiel sehr knapp aus, doch in der letzten Juliwoche erhielten wir die Zusage.

{image}Wann habt ihr damit angefangen, hier klar Schiff zu machen?

Ich glaube seit der ersten Septemberwoche sind wir am Werkeln. Es sah anfangs zwar nicht so schlimm aus, aber es war trotzdem sehr viel Arbeit. Besonders die Sachen, die im ersten Moment gar nicht so aufwendig erscheinen, sich dann aber ziehen. Da geht plötzlich mal eine Eingangstür nicht mehr auf, weil sich eine Schraube gelöst hat und man ist wieder eine Stunde beschäftigt.

Welche weiteren Hürden galt es zu überwinden?

Die Besitzer waren aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Vorpächtern darauf bedacht, dass es künftig etwas ruhiger wird. Die Stadt Mannheim hat eine zentimeterdicke Akte über das Restaurant der Vorpächter, inklusive Unterschriftensammlung der Anwohner. Die Stadt hatte also verständlicherweise auch keine Lust darauf, dass es mit einem neuen Pächter gleich so weitergeht. Also wurde darauf geachtet und Wert gelegt, dass wir ruhig sind (lachen): Wir mußten ein Lärmschutzgutachten anfertigen lassen und die Anlage ist limitiert.

Wie sieht unter diesen Umständen euer Konzept aus?

Das ist natürlich auch von der Konzession abhängig (lachen). Mannheims Zum Teufel soll in erster Linie eine gemütliche Kneipe werden, wo man aber nicht wie in vielen anderen Kneipen seinen festen Tisch hat. Konzerte können wir vorerst nicht veranstalten. Von der Stadt wurde uns zwar zugesagt, dass wir eine Veranstaltung im Monat machen können, irgendwann vielleicht auch ein Konzert. Aus Rücksichtnahme auf die Anwohner lassen wir das aber erstmal sein.

Werden Live-Konzerte zu einem späteren Zeitpunkt auf eure Agenda rücken?

Wir achten jetzt schon darauf, dass das später möglich sein kann. Die Kabelleitungen sind so verlegt, dass man die Lautsprecher umhängen kann. Auch das Licht wird so installiert, dass – wenn eine Band spielt – das Licht nicht nur von hinten kommt. Also wir haben uns da schon ein paar Gedanken gemacht. Aber in nächster Zeit wird's noch keine Konzerte geben.

Aber Bandanfragen gibt es bestimmt bereits?

Ja, wir erhalten Bandanfragen ohne Ende! Und das nicht nur aus der Region. Viele Bands kennen den Teufel noch von früher. Wir müssen aber im Moment allen absagen, auch weil wir keine Bühne und das Equipment haben. Dieses für einen Abend im Monat zu leihen wäre ein großer Aufwand und momentan zu teuer. Und dann gibt es ja noch das besagte Problem mit der Vorbelastung durch den Lärm der Vorgänger. 

{image}Hat sich das Verhalten der Vorbesitzer auch auf die allgemeine Zusammenarbeit mit der Stadt ausgewirkt?

In der Zusammenarbeit mit der Stadt haben wir das definitiv gemerkt. Normalerweise wird nicht alles noch einmal überprüft, wenn man einen Betrieb innerhalb eines Jahres übernimmt. Die Mitarbeiter der Stadt kamen aber aufgrund der Erfahrungen mit konkreten Forderungen und sagten: "Da muß noch ein Schließer hin, die Tür muß grundsätzlich offen sein, die Lüftung muss gewartet und Elektrik überprüft werden, die Notausgangsschilder sind nicht mehr erlaubt …usw." Vieles, was bei den Vorpächtern noch in Ordung war, war bei uns nicht mehr erlaubt. Das hat sich für uns am Anfang auch schlimm angehört, aber am Ende ging's doch.

Ein lauthalses "Willkommen" war das dann aber nicht…

Wir hatten eher das Gefühl: Die Mitarbeiter der Stadt suchten nach etwas, womit uns der Start erschwert werden würde. Beispielsweise stand in unseren Unterlagen, dass wir Veranstaltungen wie z.B. einen Poetry Slam und Ausstellungen planen. Das wurde uns vom Bauamt so ausgelegt, das wir hier nichts anderes außer Poetry Slams, Ausstellungen und ähnlichem veranstalten wollten und es sich somit um eine "Vergnügungsstätte" handeln würde. Wir mußten einige Male erklären, dass das nur beispielhafte Programmpunkte sind, die wir uns zwar generell vorstellen können, die jedoch nicht unser Wochenprogramm darstellen.

Es wirkt nicht sehr einladend, wenn jemand in Mannheim etwas frisch anfangen will und von Seiten der Ämter wird das Vorhaben gleich zu Beginn in einem negativen Licht betrachtet. Anstatt die Leute zu unterstützen und herauszufinden, was sie machen wollen und wie man das gelungen umsetzen könnte, erwartet die Stadt das Schlimmste. Das war anfangs schon ein wenig abschreckend, aber inzwischen hat sich der Eindruck gebessert. Ich denke ohne das Verhalten der Vorpächter wäre alles wesentlich besser gelaufen.

Hast du den Eindruck, dass der behördliche Teil in Heidelberg leichter war?

Also ich fand es damals – von der Konzession her – in Heidelberg sehr leicht. In Mannheim sind die Lage, Größe und Vorgeschichte ein wichtiger Faktor. In Heidelberg lag unser Laden außerhalb in Richtung Kirchheim, was keinen interessiert hat. Ich glaube es wäre etwas ganz anderes gewesen, wenn man versucht hätte, solch eine Kneipe in der Altstadt zu eröffnen. So aber waren wir beim Heidelberger Gewerbeamt und hatten nach 30 Minuten die Gewerbeanmeldung und die Konzession. Keine Auflagen, gar nichts. Damit haben wir auch in Mannheim gerechnet... (lachen).

{image}Aber ganz ohne Unterstützung wart ihr in Mannheim auch nicht?

Nein. Das Clustermanagment war ziemlich hilfreich und auch Sebastian Dresel hat uns massiv unterstützt, zum Beispiel im Schriftverkehr mit einem Empfehlungsschreiben. Für den Alten Bahnhof haben wir dann auch noch vom SWR/DASDING ein Empfehlungsschreiben bekommen, um Eichbaum zu überzeugen. Diese Schreiben konnten wir auch für den Teufel in "U3" verwenden.

Und nicht nur die offiziellen Stellen, auch die Mannheimer "Szene" war bisher schon sehr daran interessiert, was im Teufel passiert…

Das haben wir von vielen Ecken mitbekommen. Egal ob nun aus dem Freundeskreis oder von Leuten, die sich als Barkeeper beworben haben. Ein Bekannter erzählte uns, die Chefs seiner Freundin unterhielten sich die ganze Zeit über den Teufel. Sie hat jetzt ein bisschen Angst davor, dass sie hierher kommen (lachen). Wir haben bisher nichtmal große Werbung gemacht, aber irgendwie hat es sich herum gesprochen. Bei Facebook (→ facebook.com/ZumTeufel) kamen täglich neue Leute hinzu, seitdem wir dort angekündigt hatten, dass wir nach Mannheim ziehen werden. Als wir schrieben "die Sofas sind gekommen" hatten wir sofort zehn Leute, die uns fragten: "Ja und wann macht ihr endlich auf?" (lachen).

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit dem Zum Teufel!

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