Mit "The Whole Love" haben Wilco ihr mittlerweile achtes Studioalbum veröffentlicht - auf ihrem neu gegründeten Label dBpm.

Mit "The Whole Love" haben Wilco ihr mittlerweile achtes Studioalbum veröffentlicht - auf ihrem neu gegründeten Label dBpm. © Nonesuch Records

Bis März 2012 stehen noch jede Menge Konzerte von Wilco an: Das Sextett aus Chicago wird zuerst quer durch die Staaten reisen, einen Abstecher nach Kanada machen und schließlich zurück auf den eurpäischen Kontinent fliegen. In Deutschland wird man Wilco allerdings nicht mehr zu sehen bekommen - zahlreiche Zuschauer kamen schon bei drei Einzelterminen und dem Rolling Stone Weekender in den Genuss der teils experimtellen Klänge. regioactive.de hat sich die Show im Berliner Tempodrom angeschaut.

{image}Das Konzert geht eine halbe Stunde vor Mitternacht zu Ende. Es ist Samstagnacht, und man freut sich auf Sonntagmorgen, denn Sonntagmorgen heißt: nicht aufstehen zu müssen, wenn man es nicht will. Mehr als zwei Stunden früher jedoch stand man selbst ganz freiwillig auf, um vorzeitig den siebten Tag der Woche zu feiern: One Sunday Morning. Mit diesem Stück – dem letzten von ihrem aktuellen Album The Whole Love – begannen Wilco ihren Auftritt in Berlin. Kaum segelten die ersten Noten des 12-Minüters durch das Tempodrom, füllte sich allmählich der Innenraum mit Zuschauern, die von den Rängen ins Parkett kamen und sich vor die Sitzreihen stellten. Ein forciertes Stehkonzert. Wilco (und vor allem Sänger und Gitarrist Jeff Tweedy) waren begeistert.

{image}Kaum eine Band würde einen solch ruhigen, lieblich-melodischen und langen Song wie One Sunday Morning, der jetzt schon zu den feinsten (und feingliedrigsten) in Wilcos Repertoire gehört, an den Anfang eines Rockkonzertes setzen. Genauer: Kaum eine Band, die von Vielen unverständlicherweise mit "Jungsmusik" assoziiert und der oft Muckertum vorgeworfen wird. Poor Places schmiegte sich an das Eröffnungsstück an, zerriss zum Schluss hin mit dem ersten Feedback des Abends die respektvolle Andacht und bereitete auf Art Of Almost vor, das almost zu arty war und wohl auch das, was der gemeine Hörer unter "experimentell" verbucht. Jeder weitere Song vom neuen Album klang wie ein Wilco-Klassiker, ganz so, als wollten die sechs Musiker aus Chicago vorzeitig fürs Lebenswerk geehrt werden (wobei I Might der grandios fräsende, alles in sich schluckende Orgelsound leider verloren ging und etwas zu stampfend daher kam. Jesus Etc. und Theologians hätten an dieser Stelle besser gepasst.)

{image}Jeff Tweedy, was Publikumsreaktionen anbelangt meist sehr launisch, war schon bald angetan von den ekstatischen Zuhörern, die für die träge Stimmung beim letztjährigen Konzert vieles wett machen konnten: "Ihr seid das bisher beste Publikum, und das, obwohl noch 95 Prozent der Tour vor uns liegen." Ein wenig musste Tweedy flunkern, doch man glaubte es ihm nur allzu gern. Genau wie man im Laufe des Abends mit ihm tauschen wollte, nur um wenigstens einmal im Leben die Erfahrung machen zu dürfen, was Coolness ist, wie es sich anfühlt, mit einer solch fabelhaft eingespielten Band auf der Bühne zu stehen... man wollte sich einen Hut aufsetzen und in Tweedys bequemes Jacket schlüpfen (Nels Cline hingegen von Zeit zu Zeit in eine Zwangsjacke stecken, damit seine Akrobatiken nicht allzu sehr sein Gitarrenspiel beeinflussen – wie beim immer umjubelten Impossible Germany, das diesmal nicht ganz so gut gelang.)

Ein ekstatisches Konzert sowohl für Hummingbirds als auch Heavy Metal Drummer ging viel zu schnell zu Ende. Zum Glück stand jedem am nächsten Tag noch ein weiterer Sunday Morning bevor.

Setlist:

One Sunday Morning | Poor Places | Art Of Almost | I Might | Black Moon | Company In My Back | I Am Trying to Break Your Heart | One Wing | Bull Black Nova | She's A Jar | Kamera | Impossible Germany | Born Alone | Hummingbird | Whole Love | Handshake Drugs | Dawned On Me | A Shot In The Arm
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Via Chicago | War On War | I'm The Man Who Loves You | Misunderstood | Heavy Metal Drummer | The Late Greats | I'm A Wheel

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