Donots (live in Wiesbaden, 2010)

Donots (live in Wiesbaden, 2010) © Mathias Störch

Über Wetterkapriolen gab es in diesem Festivalsommer genug zu berichten, doch auch beim Highfield Festival schien dies zu Beginn ein Thema zu werden. Herrschten noch am Donnerstag hochsommerliche Temperaturen, gab es am Freitagmorgen die ersten Unwetterwarnungen. Aber nach kräftigen Regenfällen am Mittag war alles vorbei und die 25.000 Besucher, die an den Störmthaler See gekommen waren, hatten das Glück einige der Wenigen in diesem Sommer zu sein, die ein Festival halbwegs trocken überstanden.

{image}Nach den Unwetterwarnungen vom Vormittag und dem am Mittag eintretenden Starkregen kam pünktlich mit Eröffnung des Festivals die Sonne raus und leitete ein hochsommerliches Festivalwochenende ein. Es blieb nur weiterhin noch etwas windig, sodass große fliegende Sonnenschirme auf dem Gelände gesichtet werden konnten. Den musikalischen Auftakt von Hoffmaestro und Cherri Bomb verpassten aber noch viele Festivalgänger, die aufgrund der Anreise und der bereits überfüllten Campingplätze noch mit dem Aufbau ihrer Zelte beschäftigt waren. Aber zu fortgeschrittener Zeit füllten sich die Plätze vor beiden Bühnen zusehends.

{image}Davon profitierten auch Skindred. Die Briten sind mit ihrem Jamaika-Metal samt Reggae-, Hip-Hop- und Punkeinflüssen wahrlich einzigartig. Sänger Benji prägt mit einem Zylinder, rotem Hemd sowie weißen Shorts über schwarzer Hose auch einen sehr besonderen Stil. Mit Songs wie Pressure, Killing Me oder Nobody begeisterten sie das Publikum schon zu diesem frühen Zeitpunkt und machten ihre kurzfristige Absage wegen eines Todesfalls im Vorjahr mehr als wett. Die Zuschauer wurden kurzerhand in "Skindronauts" umbenannt und es wurde quasi pausenlos geflucht ("fuck em up"). Auch auf das Kommando "do the robot" hin konnten die Besucher nach einer kurzen Einweisung erstaunlich professionell "tanzen", wobei Benji ihnen mit seinen Moves trotzdem die Show stahl.

{image}Zeitgleich standen auf der Blue Stage Kakkmaddafakka. Hinter dem eigenartigen Namen steckt eine norwegische Band, die die Zuschauer allein schon optisch zum Schmunzeln bringt: Da standen Typen in kurzen Sporthosen und weißen hochgezogenen Tennissocken auf der Bühne und verbreiteten mit ihrer witzigen Performance Stimmung sowie gute Laune und lockten somit immer mehr Festivalbesucher von den Campingplätzen. Das Line-Up der Blue Stage hielt auch im weiteren Verlauf des Abends mit Mona, Thees Uhlmann und Band, Katzenjammer und Odd Future Wolf Gang Kill Them All weitere Geheimtipps bereit.

Auf der Green Stage ging es mit den Blood Red Shoes weiter. Unterhalb einer großen angedeuteten Sonne (als "giant nipple" betitelt) spielte das britische Duo, bestehend aus Gitarristin Laura-Mary Carter und Drummer Steven Ansell, mit Alternative Rock auf. Das anfangs noch etwas verhaltene Publikum wurde mit Songs wie Light It Up, Heartsink, You Bring Me Down und Doesn’t Matter Much samt plötzlicher Tempo- sowie Rhythmuswechsel schnell auf Touren gebracht. Bei I Wish I Was Someone Better sangen schließlich auch die Meisten mit, sodass gegen Ende Blood Red Shoes-Rufe durch die Luft gingen.

{image}Panteón Rococó trafen perfekt die Stimmung des Publikums, die mit ihrer mexikanischen Ska-Musik immer wieder Gast auf deutschen Festivals sind und sich so bereits eine beachtliche Fanbasis geschaffen haben. Dies war auch schnell zu merken, da im ganzen Umkreis der Bühne die Tanzwut ausbrach und selbst eher nüchterne Gemüter nicht lange an sich halten konnten. Die oftmals sozialkritischen Lieder, Slogans wie "Antifascista e Antiracista" und die offen gezeigte Unterstützung der "Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung" (EZLN) belegen, dass sich die Band im Rahmen ihrer Mittel für die Schwächsten in der Gesellschaft einsetzt. Mit Das Herz von St. Pauli spielten sie ihre inoffizielle Clubhymne und erschufen so auch auf dem Festival eine Stadionathmosphäre. So überwanden sie auch ohne Probleme sämtliche Sprachbarrieren und die Fans dankten es den elf Mann auf der Bühne mit einer großartigen Feierstimmung.

{image}Unbestreitbares Headlinerpotential kann den Donots zugeschrieben werden. In diesem Jahr sind sie eigentlich im Studio, nehmen sich jedoch extra die Wochenenden Zeit, um ihre Fans auf diversen Festivals zu beglücken. Ihr Auftritt auf dem Highfield Festival war umso beachtenswerter, da Gitarrist Guido eigentlich krank war. In ihrer Bescheidenheit musste ein T-Shirt als Bandbanner ausreichen und am Ende des Auftritts waren sowohl das Publikum, als auch die Donots sichtlich begeistert. Auf dem Programm standen Klassiker wie Superhero, Whatever Happened To The 80’s, We’re Not Gonna Take It und Big Mouth, aber auch neuere Stücke wie Stop The Clocks. Nebeneinlagen wie eine überzeugende Beastie Boys-Performance, eine Crowdsurfing-Einlage von Sänger Ingo und ein aufgenommener Gruß für das Tourtagebuch der Band ("Moin Moin Highfield, Moin Moin Donots") sorgten für zusätzliche Erheiterung und vervollständigten den Eindruck eines wahrlich mehr als gelungenen Auftritts.

{image}Auf dem Fuße folgte die irisch-amerikanische Folk-Punk-Rock-Band Flogging Molly, die mit ihrer Musik auch Einflüsse von Johnny Cash und The Clash verbinden. Entsprechend ihrer Herkunft handeln ihre Texte oft über Irland, das Trinken, aber auch politische Themen. Kein Wunder, dass diese Musik auch völlig Fremde verband und für ein einmütiges Schunkeln und Tanzen sorgte.

{image}Um Mitternacht sollte dann das Durchhaltevermögen der Besucher belohnt werden, denn mit Seeed stand der erste Headliner auf der Bühne des Highfields. Die Gruppe um Peter Fox lockte nochmal alle mit ihren typischen Bläser-Reggea-Sound zur Green Stage. Mit Titeln wie Schwinger, Ding, Aufstehn, dem Peter Fox Hit Schwarz zu Blau und einem Mix von Dickes B und Justin Timberlakes Sexy Back fand der erste Festivaltag sein gelungenes Ende.

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