Grobschnitt (2011 - Rockpommels Land live in Neuss)

Grobschnitt (2011 - Rockpommels Land live in Neuss) © Rudi Brand

Als sich rund 1500 musikhungrige Fans in der Stadthalle Neuss versammelten, war die Spannung deutlich spürbar: Grobschnitt sollten an diesem Abend nicht nur die Zuschauer begeistern, sondern auch von ihren Fans überrascht werden.

{image}So mancher fieberte diesmal wohl mehr den Ansagen von Frontmann Willi Wildschwein als dem Musikmärchen Rockpommel's Land oder dem opulenten Monumentalrockepos Solar Music entgegen – denn dieser Auftritt der Hagener Kultband Grobschnitt hätte das Ende einer Ära sein können. Zur Erinnerung: Nach 18 Jahren in der Versenkung waren Willi Wildschwein (voc, git), Milla Kapolke (b, voc), Manu Kapolke (git, keys, voc), Stefan Nuki Danielak (git, voc) Toni Moff Mollo (lightshow, voc), Tatti Tattva (keys), Demian Hache (drums, perc) und Admiral Top Sahne (dr) im Jahre 2007 angetreten, um die legendären Songs und Epen aus alten Zeiten endlich wieder auf die Bühnenbretter zu bringen. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen der Musiker – in 36 Shows sahen rund 51.000 Zuschauer die Groben der Neuzeit.

{image}Seit 2009 machten die Krautrocker dann noch einen Schritt, der für viele Fans die Erfüllung eines langjährigen Traumes bedeutete: Das Konzeptwerk Rockpommel's Land wurde seit 1978 erstmals wieder in voller Länge dargeboten und erlebte 16 Aufführungen. Die letzte davon sollte nun in Neuss steigen – danach kündigte die Gruppe eine kreative Pause an – mit der Option, eventuell auch ganz ins Rockrentnerdasein zu entschwinden. Entsprechende Andeutungen sorgten bei vielen Verehrern der Band für Megaknödel in den Hälsen. Aber als Willi Wildschwein nun ankündigte, dass es in jedem Falle weitergehen werde, war die Erleichterung im Publikum allgegenwärtig. Man konnte hören, wie Steine von Herzen fallen und hätte Warnschilder wegen heftigsten Steinschlags in der Halle anbringen müssen.

Nach diesen eröffnenden Worten war klar: der Abend konnte nur noch magisch werden. Auch die Fans hatten ihre Hausaufgaben gemacht und Überraschungen für die Band vorbereitet. Als z.B. in der Aufführung von Rockpommel's Land der Held des Märchens, Klein Ernie, wie gewohnt mit rotem Mützchen auf dem Kopf die Bühne betrat, glaubten die Musiker ihren Augen nicht zu trauen: rund 200 Fans im Publikum zogen urplötzlich auch rote Mützen auf. Dass dieser Abend ein ganz besonderes emotionales Erlebnis nicht nur für die Fans, sondern auch für die Band war, zeigte sich daran, dass gerade Rockpommel's Land mit einem Übermaß an Feeling und Virtuosität dargeboten wurde, dass einem schon fast beim Zuhören schwummrig werden konnte.

{image}Auch der Partyteil des Konzerts, wie gewohnt in der zweiten Hälfte des Abends, zeugte von Wucht und Druck: Nach der letzten Zugabe sangen die begeisterten Fans ihren Helden noch ein Ständchen: eine eigens umgedichtete Version des Reinhard-Mey-Gassenhauers Gute Nacht, Freunde!: "Gute Nacht, Freunde! Es wird Zeit für uns, zu geh'n! Was wir Euch noch sagen wollten, ist, dass wir nicht glauben wollen, dass wir Euch nie wiederseh'n!". Rührung allenthalben und so manches Tränchen wurde sowohl vor als auch auf der Bühne verdrückt.

Im nächsten Jahr wird es erst einmal eine kleine Konzertreihe im Hagener Stadttheater geben: Rockpommel's Land mit großem Orchester – und wieder wird für viele Freunde grobschnittiger Klänge ein Wunschtraum war. Was danach passieren wird, ist noch völlig offen! Die Wartezeit von über 12 Monate wird zwar bestimmt lange wirken, doch dazwischen gibt es für alle, denen nicht nur die Musik, sondern auch die ganz besondere Fangemeinschaft von Grobschnitt wichtig geworden ist, diverse Treffen, wo man gemeinschaftlich der geliebten Musik frönt und in Erwartung der folgenden Konzerte abfeiert. Grund genug gibt es ja nun!

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