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Joss Stone (live in Stuttgart, 2018) © Dominic Pencz

Joss Stone und Jamie Cullum bieten bei den Jazzopen 2018 in Stuttgart unterschiedlich starke Auftritte. Ein Show der Extraklasse zeigt Joss Stone, während Jamie Cullum im Anschluss nur phasenweise an sein Konzert des Vorjahrs anknüpfen kann.

Als Joss Stone wie immer barfuß im langen Sommerkleid die Bühne betritt, zeigt der stets gutgelaunte Freigeist mit dem ansteckenden Lachen schon im ersten Song, zu was sie fähig ist.

Keine drei Töne von "Newborn" sind gesungen, da drückt sie ihre Soul-Stimme schon in Sphären, die kaum eine Sängerin jemals im Leben erreichen wird. Ihre einzigartige Fähigkeit, in und über die Strophen zu phrasieren, zeigt sie bei "Big Ol' Game" mit der ganzen Intensität ihres Gesangs.

Ganze zwei Songs hält sie die Liste der ausgegebenen Setlist durch. Aber schon das angekündigte und begonnene "Love Me" bricht sie ab, weil es offenbar die beabsichtigte Wirkung nicht erzielt. Also zieht sie "Super Duper Love" nach vorne und heizt die Stimmung sofort mächtig an.

Intensiv

Aus dem Klassealbum "Water For Your Soul" spielt sie "Harry's Symphonies". Der Mash-up Song ist ein Mix der Lieblingshits ihres kleinen Bruders Harry. Als Gegenpart zu diesem eingängigen Tanzsong, der durchsetzt ist mit Reggae-Elementen, singt sie statt "Stuck On You" lieber die luftig leichte Sommerballade "Sensimilla". Joss Stone tanzt ganz verträumt, während ihr Gitarrist einen Extra-Applaus für sein Solo bekommt.

Egal ob emotional intensiv oder mit der ganzen Wucht ihrer scheinbar unendlichen Stimmpower: das Publikum liegt ihr zu Füßen. Auch der Jam mit der Band ist ein Hit, als sie das bekannte "For God's Sake (Give More Power To The People)" als Song gegen den "Orange Man" (Trump) anstimmt. Der Coverhit der Band The Chi-Lites wird zum energetischen Smash, auch dank des griffigen Gitarrenrocks.

Viel zu kurz

Der letzte Song "Right To Be Wrong" ist eine echte Schmuseballade, die nur so strotzt vor Gefühlen. Die Kraft ihrer Stimme trägt den Song, vor allem, als Joss Stone am Ende nur noch akustisch singt.

Mit Sonnenblumen, die sie ins Publikum wirft, verabschiedet sich die Sängerin nach einem leider viel zu kurzen Auftritt von nur 65 Minuten. Ein komplettes Konzert wäre weitaus schöner gewesen.

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Nicht jedes Jahr schafft ein Künstler die große, durchgängig gefeierte Show. Nach dem großartigen Konzert von 2017 fehlt es der Show von Jamie Cullum diesmal an der nötigen Konstanz. Vor allem dem Opening mit "Get Your Way" und "Don't You Know" fehlt es an Energie und Explosivität.

Einzig "Work Of Art" entfaltet mit groovenden Beats und dem energetischen Trompetensolo die Intensität, bei der das Publikum sofort lautstark reagiert. Danach verflacht die Show wieder. Jamie Cullum versucht, einen hohen künstlerischen Anspruch gerecht zu werden, verzettelt sich aber in den Details, wodurch die Leichtigkeit verloren geht.

Endlich ein Duett

Wirklich Spaß macht die Show erst, als Jamie Cullum seine Improvisationen zeigt. So schlägt er mitten in der verkünstelten Slow-Version von Rihannas Hit "Don't Stop The Music" mit den Händen auf die Klaviersaiten und erntet dafür erstmals richtig lauten Applaus.

Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zum Auftritt mit Norah Jones gibt es diesmal beim Doppelkonzert das erhoffte Duett der beiden Stars. Gemeinsam liefern Cullum und Stone mit "Come Together" ein absolutes Highlight.

Er lässt die Finger über die Tasten fliegen und macht kleine Gesangseinwürfe, während Joss Stone ihre brachiale Stimmpower nochmals voll zur Geltung bringt. Diese Kombination ist ein Knaller, so macht es richtig Spaß.

Mit Chor

Als ab Konzertmitte der Chor zur Band stößt, wird die Dynamik der Show gleich durchgängig besser. Facettenreich wie "You & Me Are Gone" mit seinem Klarinettensolo ruft dies gleich echte Begeisterung hervor. Bei "I'm All Over It" sieht man nur ein Meer der klatschenden Hände auf dem Platz und den Tribünen. Als Jamie Cullum mit höchstem Tempo die Finger bei "Comes Love" über die Tasten jagt, ist die Show spielerisch auf dem Höhepunkt angekommen.

Das ist der Jamie Cullum, den man erleben möchte. Der energetische Up-Tempo Hit "When I Get Famous" funktioniert wie immer perfekt und auch das Feuerwerk des Schlagzeugers bei "Sinnerman" lässt das Publikum ausflippen. Ganz leise ist am Ende dagegen die Ballade "What A Difference A Day Made". Der ruhige Abschluss einer Show, die bei Jamie Cullum trotz einiger Höhen auch einige Durchhänger hatte.

Setlist Jamie Cullum

Get Your Way / Don't You Know / Work Of Art / Next Year Baby / 2 Solo Tunes / Don't Stop The Music / Come Together / Taller / You & Me Are Gone / Save Your Soul / I'm All Over It / Comes Love / When I Get Famous / Sinnerman / (All At Sea/ High & Dry) / Mixtape // What A Difference A Day Made 

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