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Nickelback (live in Frankfurt 2018) © Torsten Reitz

Die Maschine läuft wieder: Nickelback touren mit neuer Platte "Feed The Machine" durch Europa und bringen mit einer soliden, unterhaltsamen Show ihren Radiorock in die Festhalle in Frankfurt.

2001 krachten Nickelback mit "How You Remind Me" wie ein Meteorit in die Radiolandschaft und sind seitdem fester Bestandteil jeglicher Kuschelrock-Playlisten - und jeglicher "Die 10 meistgehasstesten Bands"-Rankings. Kaum eine Band spaltet die Zuhörerschaft stärker, kaum eine Band wird von Kritikern und ihren Hatern so stark zerrissen wie Nickelback. Sogar Petitionen sind entstanden, um Konzerte zu verhindern.

Es ist das Image, das sich die "Wanna be-Rockstars" in den letzten Jahren aufgebaut oder vielmehr von der Masse übergestülpt bekommen haben. Nickelback sind ein Synonym für Mainstream - zumindest an der Oberfläche. Denn wer die Platten kennt, wird überrascht sein, wie rockig so mancher Track ausgefallen ist. Welche Seite zeigen Nickelback bei ihren Liveshows? 

Namhafter Support: Seether

Bevor diese Frage beantwortet wird, dürfen Seether mit straightem Post-Grunge die noch etwas spärlich gefüllte Halle aufheizen. Die Band aus Südafrika ist kein Neuling im Business und gibt einen Rundumschlag ihrer acht Alben. Erst letztes Jahr ist die neue Platte "Poison The Parish" erschienen. Härter wird es an dem Abend nicht mehr. Das Highlight ist allerdings die Ballade "Broken", die gefühlvoll im Duo performt wird. Einzig der Sound könnte klarer sein.

Die Maschine startet

Über den Bildschirm im Hintergrund begrüßen Nickelback - mehr oder weniger live - ihr Publikum und starten einen 20 minütigen Countdown to nowhere: statt dem Konzertbeginn, kommt erstmal Werbung in eigener Sache in Form eines Trailers zum neuen - alle festhalten - "Nickelback-Film". Coming soon... genauso wie der Hauptact.

Mit "Feed The Machine", mächtigen Dampfsäulen und druckvollem Sound lässt der kanadische Vierer die Gitarren sprechen. Ein überraschender Beginn für alle, die Nickelback nur aus dem Radio kennen. Sind wir etwa doch auf einem Rockkonzert? Tatsächlich könnte man das bei Nummern wie "Figured You Out", "Animals", "Something In Your Mouth" oder "Million Miles An Hour" meinen, die durchaus zur härteren Gangart zählen. Und die Jungs trinken sogar Alkohol auf der Bühne.

Von hart zu soft

Wir sind aber auf einem Nickelback-Konzert. Daher folgt schon zu Beginn das erste Balladen-Paket: Bei dem eingängigen "Photograph" singt die Menge lauthals mit, während Impressionen aus dem Tourleben über den hinteren Bildschirm flimmern. Der Sound ist tadellos und auch die Band ist ein eingespieltes Team.

Technisch spielen Nickelback auf ganz hohem Niveau und auch Frontmann Chad Kroeger kann sowohl an der Gitarre als auch mit seiner unverkennbaren Stimme überzeugen. Auch wenn es manche vielleicht nicht hören wollen: Nickelback sind eine ziemlich gute Liveband.

Unvergessliche Momente

Das Rund ist zwar nicht ansatzweise voll, aber die vornehmlich weiblichen Fans sind umso euphorisierter. Chad und Co sind gut drauf und haben sichtlich Spaß. Das Konzert bietet genug Freiheiten zur Interaktion mit den Fans. So geben die Jungs ihre Deutschkenntnisse zum Besten und berichten, dass "Geile Scheisse" ihr Lieblingsausdruck ist, dicht gefolgt von dem urdeutschen Satz "Das ist verboten!".

Nickelback zeigen sich authentisch und sympathisch - und diese Lockerheit schafft gute Stimmung. Ihre Setliste schmeißen sie aufgrund eines Fanwunsches nach "She keeps me up" spontan um, geben zwischendurch Autogramme und lassen einen weiteren Fan bei "Animals" mit seinen Idolen an der Gitarre performen. Für einige aus dem Publikum wird dieser Abend also sicherlich unvergesslich bleiben.

Bei "Rockstar" holen sie einen Mann und eine Frau zwecks gesanglicher Verstärkung auf die Bühne. Den Namen der Dame scheint Chad Kroeger nicht ganz verstanden zu haben, zieht sich jedoch aus der Affäre, indem er sie kurzerhand zur "Milf from Frankfurt" umtauft.

Feuriger Abgang

Natürlich darf der Überhit "How You Remind Me" nicht fehlen, der nach wie vor eine gute Rocknummer ist. Mit der Ballade "Gotta Be Somebody" kehren Nickelback unter lauten Zugaberufen nochmals zurück, um im Anschluss bei "Burn It To The Ground" die Menge ein letztes Mal zum Springen zu bringen.

Nickelback haben mit ihrer unterhaltsamen Show nicht nur ihre Livequalitäten unter Beweis gestellt, sondern auch Fannähe, Spontanetität und Authentizität gezeigt. Trotz des gitarrenlastigen Sounds regieren im Set die bekannten Balladen, auch wenn sich Nickelback durchaus mit ihren rockigeren Nummern von zwei Seiten zeigen. Wer also die Musik der Jungs mag, der wird auch live viel Spaß mit ihnen haben. Bei allen anderen gilt das Motto: "Haters gonna hate".

Setlist

Feed the Machine / Woke Up This Morning / Photograph / Far Away / Something in Your Mouth / Someday / Lullaby / Figured You Out / She keeps me up / Song on Fire / What Are You Waiting For? / Million Miles an Hour / Rockstar / When We Stand Together / Animals / How You Remind Me // Gotta Be Somebody / Burn It to the Ground

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