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Feine Sahne Fischfilet (live beim Deichbrand Festival 2017) © Philipp Karadensky

Mit einem soliden Line-up aus deutschen Pop-Rock-Größen und dem friesisch herben Charme, beweist das Deichbrand Festival in Cuxhaven auch in diesem Jahr, wieso es eines der schönsten Festivals im Land ist. Die größten Highlights bei Sonne und Regen haben wir euch hier zusammengefasst.

Vier Tage Ausnahemzustand erwartet die Besucher mittlerweile beim Deichbrand Festival in Cuxhaven, denn das Festival an der Nordsee startet bereits am Donnerstag das Programm. Vom 20. bis 23. Juli gibt es neben den Headlinern auch zahlreiche weitere Highlights zu sehen.

Die Nacht von Donnerstag auf Sonntag

Schon bei der Ankunft wird der Zuschauer von einer frischen Meeresbrise und den kreisenden Möwen am Himmel begrüßt, ganz zu schweigen von den zahlreichen ausgelassenen Menschen, die sich bereits am ersten Festivaltag Flunky-Ball-Tuniere liefern, um sich auf das bevorstehende Wochenende einzustimmen.

Apropos ausgelassen: Auf der Electric Island, der Bühne für elektronische Musik des Festivals, die schön auf dem Campingplatz gelegen ist, kann man quasi von Donnerstag Vormittag bis Montag früh ausgelassen durchs Wochenende tanzen. Doch genug vom Ankunftstag, kommen wir neben den Headlinern in diesem Jahr zu den schönsten Momenten des Festivals.

1. Das Wetter

Wichtigste Frage wie in jedem Jahr: Wie war eigentlich das Wetter? Heiter bis nordisch frisch, besser kann es nicht beschrieben werden. Wie schon in den vergangenen Jahren wird das Deichbrand Festival auch in diesem Jahr von großen Unwettern verschont, doch zeigt sich der Norden von seiner charakteristischen Seite: mal sonnig, mal friesisch frisch, mal regnerisch. Dennoch herrscht perfektes Festivalwetter, denn es regnet meist nur in der Nacht und in den frühen Morgenstunden, so dass man die Konzerte ohne große Nässe miterleben kann. Und so ein kleiner Regenschauer ist nach den Sonnenstunden auch mal ganz angenehm.

Freunde des Schlammbadens kommen in diesem Jahr jedoch auch auf ihren Genuss. Gab es im letzten Jahr vier Tage Sonne satt beim Deichbrand, sind durch die zahlreichen kleinen Schauer in diesem Jahr die Böden so aufgeweicht, dass am Sonntag das Gelände ohne Gummistiefel nicht mehr zu betreten ist. 

2. Die musikalische Vielfalt

Egal ob Hip-Hop, elektronische Musik, Punk, Pop oder allgemein Rock – hier kommt jeder auf seine Kosten. Auch in diesem Jahr präsentieren die Veranstalter ein breites Spektrum an verschiedenen Künstlern. Und genau deshalb wird das Deichbrand von seinen Anhängern auch so geliebt, denn zu dem soliden Line-up aus zum Teil deutschen Pop-Rock-Größen feiert es sich eben am besten.

Neuentdeckungen lassen sich neben der Electric Island am am ehesten noch auf der Red Bull Stage finden, denn der Newport Beach, der im vergangenen Jahr noch Anlaufpunkt für zahlreiche Newcomer war, schaffte es in diesem Jahr leider nicht mehr ihren Weg auf das Festivalgelände.

Allgemein wurde die Bühnenanordnung komplett neu arrangiert, da das Gelände mit den wachsenden Besucherzahlen mitwachsen musste. Die Entwicklung der Infrastruktur kann allerdings nicht ganz mit dem rasanten Wachstum Schritt halten. Liebes Deichbrand, um deinen Charme weiter zu erhalten, ist weniger manchmal mehr!

3. Die Acts am Freitag

Zum perfekten Festivalwetter mit Sonne und einem leichten wolkenverhangenen Himmel starten Feine Sahne Fischfilet am ersten offiziellen Festivaltag ihren Auftritt. Mit vielen politischen Statements spielen sie ein schönes Punk-Set mit zahlreichen Klassikern. Anschließend gibt es bei Wanda genügend Amore für alle Festivalbesucher. Mit "0043" präsentieren die Wiener auch einen neuen Song von der kommenden Platte, der vom Publikum begeistert aufgenommen wird.

So richtig ausgelassen wird die Stimmung aber erst zum Auftritt von Trailerpark. Die Band um Zugpferd Alligatoah ist nicht nur Publikumsmagnet, sondern auch für ihre Liveshows bekannt. Neben einem Querschnitt durchs breite Trailerpark-Repertoire gibt es natürlich auch einige Solo-Tracks von Alligatoah auf die Lauscherchen und natürlich auch einen neuen Song der Band, denn auch hier befindet sich ein neues Album in den Startlöchern.

4. Die Headliner am Freitag

Placebo ziehen am Freitag jeden auf das Infield. Die britische Alternative-Band aus London sind DIE Headliner des Festivals. Neben einer soliden Show samt den bekanntesten Songs und den nett anzusehenden Lichteffekten will der Funke trotzdem nicht so ganz überspringen. So gut der Sound auch ist, er hätte eben auch von der Platte kommen können. Die Interaktion mit dem Publikum ist leider gleich null.

Ganz anders ist es anschließend mit den Broilers, die den Platz um Mitternacht noch einmal gewaltig auseinanderpflücken. Schläfrig ist man hier schon nach den ersten Minuten mit den Oi-Punkern nicht mehr. Ein schöner Abschluss für den ersten Festivaltag und wer nach dem Auftritt der Düsseldorfer nicht ins Zelt zurück pogt, tanzt entweder im Palastzelt zu Dominik Eulberg oder auf der Electric Island noch bis in die frühen Morgenstunden.

5. Das Gelände

Das Deichbrand lebt von der Liebe zum Detail. Überall auf dem Gelände verteilt sind Sanddünen angelegt, es gibt Strandkörbe und Chill-Out-Areas, von denen man die Hauptbühnen gut sehen kann. Die Laufwege sind im Vergleich zu anderen Festivals gering und auch die Nähe zum Meer ist hier deutlich spürbar.

Neu in diesem Jahr ist eine vor dem Infield angelegte Flunky-Ball-Arena und auch unweit davon entfernt gibt es Beachvolleyball-Felder, auf denen man sich auspowern kann. Hier wird an alles und jeden gedacht und besonders auch die Securitys nehmen vieles mit Humor. Während man bei anderen Festivals ruppig angegangen wird, so verabschiedet beim Deichbrand das Personal die Besucher am letzten Abend mit Getöse und großem Dank. So etwas gibt es nirgendwo sonst.

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6. Der Samstag und seine Headliner

Der Samstag hat es in sich. Nicht nur das Line-up ist kunterbunt. So kann man die Reggae-Klänge von Patrice mit Bier in der Hand bei Sonnenschein genießen und anschließend sich bei den Donots die Seele aus dem Leib schreien. HipHop gibt es mit der 187er Strassenbande auf die Ohren und wem das alles zu heftig wird, der kann bei den Klängen von AnnenMayKantereit erstmal ein wenig träumen.

Kraftklub heiraten das Deichbrand

Heftiger wird es erst wieder am späten Abend mit den Headlinern. So präsentieren erst Kraftklub als Headliner an diesem Tag neben ihrem neuen Album auch ihr neues Bühnenbild aus zahlreichen Tänzern. Dieses besteht vor allem aus Fans der Band, die Wochen vor den Festivalauftritten fleißig die Choreo trainierten. So interessant das Getanze und so schön die Idee allgemein ist, so sehr lenkt es doch vom eigentlichen Auftritt der Chemnitzer Band ab. So sehr Kraftklub es vor zwei Jahren schafften, die Hauptbühne abzureißen, so enttäuschend ist der Auftritt doch in diesem Jahr.

Alles ist von Anfang bis Ende durchkonzipiert, aber eben nicht authentisch und fannah. Auch die Heirat mit dem Deichbrand, die im Voraus groß angekündigt wurde, fand am Schluss kaum Raum im Bühnenprogramm. Hätten nicht die Fans einen rießigen Trauring aus Pappe gebastelt und sich nicht zufällig eine in weiß gekleidete Zuschauerin mit Schleier im Publikum befunden, wäre die Hochzeit wohl gar nicht zustande gekommen.

So wurden am Ende des Sets noch kurz eine Trauung zwischen Sänger Felix und der Dame mit Schleier zelebriert, um dann mit "Randale" und "Songs für Liam" die Stimmung auf den Höhepunkt zu treiben. Zwar heizen die Klassiker die Stimmung nach wie vor gewaltig an, doch bremsen die Songs des neuen Albums die Show von Kraftklub eher ab, als dass sie diese noch beflügeln. Allgemein wirkt alles mehr gedrängt als spaßig.

Materia präsentiert sich von seiner besten Seite

Im Gegensatz zu Kraftklub erobert Marteria das Deichbrand schon nach wenigen Minuten für sich. Im Flug hat der Hip-Hopper die Zuschauer auf seiner Seite und präsentiert neben einer krassen Bühnenshow gespickt mit vielen technischen Elementen, Pyro und viel Nebel auch ein gut durchmischtes Set seiner besten Songs. Langeweile kommt hier erst gar nicht auf, eher kommt man hier vor ausgelassenem Tanzen und Pogen gar aus der Puste.

Weiteres Highlight ist hier auch die Performance mit dem Beatsteaks-Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß, mit dem Marteria gemeinsam den Track "Aliens" performt. Am Ende seiner Show ist der Künstler selbst so geflasht, dass es sich zu den letzten 20 Sekunden, die in Dauerschleife abgespielt werden, in das Publikum stürzt und zusammen mit den Fans feiert und das Set um einige Minuten überzieht.

7. Das Beste kommt zum Schluss

Ist am Sonntag schon große Abreise-Stimmung, so freut man sich doch am meisten auf die Headliner des Abends: Biffy Clyro und Billy Talent. Neben den harten Klängen von Emil Bulls und dem tanzbaren 80er Jahre-Sound von Drangsal sind die letzten beiden Headliner an diesem Tag die großen Highlights.

Natürlich kann man sich zu Cro schon gut eintanzen, der trotz langer musikalischer Abstinenz die Massen anzieht, doch erst zu Biffy Clyro kommt richtig Stimmung an diesem Tag auf. Die Schotten verstehen es eine perfekte Rockshow abzuliefern, ohne viel Schnick Schnack, nur mit krachigen Gitarrenriffs und der kratzigen angenehmen Stimme von Sänger Simon Neil. Die Band hat richtig Bock und das merkt man. Hier springt der Funke schon ab der ersten Sekunde auf das Publikum über.

Richtig Bock an diesem Abend haben auch Billy Talent, die ein astreines Set abliefern. Neben einer kurzen Gedenksekunde an den verstorbenen Linkin Park-Frontmann Chester Bennington, dem mit dem Sony "Nothing To Lose" gewürdigt wird, hauen die Kanadier einen Hit nach dem anderen raus. Schon zum ersten Track "Devil In A Midnight Mass" gibt es kein Halten mehr und spätestens zum tosenden Ende, das mit "Red Flag" und "Fallen Leaves" eingeläutet wird, findet die Show mit "Viking Death March" ihren krönenden Abschluss. Die Meute ist am Toben, der perfekte Abschluss für ein perfektes Festival.

Familiär und eben charmant

Auch in diesem Jahr kann das Deichbrand mit seiner Atmosphäre, dem nordisch-heiteren Charme und dem Gute-Laune-Line-up überzeugen. Zwar findet man in diesem Jahr keine großen Neuentdeckungen und auch die kleinen aber feinen Indieperlen vermisst man, doch ist durch das gut gemischte Bandspektrum aus zum Teil deutschsprachigen Top-Acts die gute Stimmung und daneben auch der ein oder andere Mosphit gewiss.

Nur bitte liebes Deichbrand Festival, bleib so wie du bist und werde nicht noch größer, denn die Liebe zum Detail, das schöne Gelände und die sympathischen Besucher und Helfer sind das, was das Festival so besonders macht.

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