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Billy Joel (live in Frankfurt, 2016) © Peter H. Bauer

Mit seinem zweieinhalbstündigen Konzert in der Commerzbank-Arena sorgt Billy Joel für pure Euphorie im Publikum, das keine Gelegenheit auslässt, den Sänger ausgiebig zu feiern.

Nur zweimal tritt Billy Joel im Jahr 2016 in Europa auf: im Londoner Wembley Stadium und in der Commerzbank-Arena in Frankfurt, die zu diesem Anlass gut gefüllt, aber nicht ausverkauft ist. Sein letztes Deutschlandkonzert liegt zehn Jahre zurück, genug Zeit also für alte und junge Fans, sich so in Stimmung zu bringen.

Bombastische Stimmung, Abstriche beim Sound

Und wie! Die Atmosphäre ist von Anfang an bombastisch. Schon als Billy Joel die Bühne betritt, erreicht der Jubel eine Lautstärke, als sei Eintracht Frankfurt Meister geworden. Mehrfach im Verlauf des Abends hält Billy Joel inne, genauer gesagt: die Begeisterung lässt ihn innehalten. Etwas verlegen lächelt er ins weite Rund, so als wolle er sagen: "Lasst mal gut sein, wir haben viel vor und um 23:00 Uhr muss hier Schluss sein".

Abstriche muss man hingegen beim Sound machen. Das liegt bei Fußballstadien in der Natur der Sache. Nach einigen Songs bekommen die Techniker den Sound einigermaßen hin: wirklich gut wird er aber im Verlauf des Abends nie.

Leidenschaft auf der Bühne und davor

Das musikalische Programm eines Billy Joel-Konzerts ist seit Jahren unverändert und erfährt nur leichte Variationen. Wirkliche Überraschungen gibt es daher kaum, aber dafür geht Billy Joel mit einer Leidenschaft ans Werk, dass er bereits nach drei Songs nassgeschwitzt ist.

Während des gesamten Konzerts bringt die Musik die Zuschauer zum Aufstehen, Tanzen, Mitsingen. Im Innenraum strömen sie zur Bühne, werden wieder auf ihre Plätze zurückgeholt, stürmen wieder nach vorne, bis die Ordner aufgeben. Das ist Billy Joels Verdienst: seine Musik lädt dazu geradezu ein, man kann sich der Sogwirkung von Rhythmus und Melodie kaum entziehen.

Ein Ereignis, ein Erlebnis

Die Zuschauer sind gewillt, diesen Abend zu einem Erlebnis zu machen, und es gelingt ihnen. Billy Joel wird von ihnen quasi auf Händen getragen, so dass er sich im Verlauf des Abends steigert.

Natürlich tragen auch seine fantastischen Songs dazu dabei – und davon gibt es viele. Zu den Highlights des Abends zählen "The Longest Time", ein schwer zu singender Doo-Wop-Song, der ausgezeichnet gelingt, was darüber hinwegtröstet, dass das Lied sich in einer Publikumsabstimmung gegen "Say Goodbye To Hollywood" durchsetzt. Ebenfalls ausgezeichnet gelingt Billy Joels Hymne an seine Heimatstadt "New York State Of Mind" und die Kalter-Krieg-Hymne "Leningrad". 

Kuriositäten und Mittelmaß

Wirkliche Tiefpunkte gibt es keine, aber relativ flache Interpretationen wie "The Entertainer" oder "Allentown" oder eher mittelmäßiges Songmaterial wie "Sometimes a Fantasy" oder "Zanzibar". Das Publikum lässt sich davon nicht abbringen und jubelt einfach durch.

Wirklich bizarr ist die Performance von "Highway To Hell", die ein Roadie mit dem vertrauenswürdigen Namen "Chainsaw" singen darf, während Billy Joel dazu Gitarre spielt. Kein Bandmitglied wohlgemerkt, sondern ein Roadie. Das macht er durchaus passabel, aber man fragt sich irgendwie, ob das nötig ist. Auf der anderen Seite ist die Begeisterung im Publikum riesengroß. Mit AC/DC kriegt man die Deutschen eben immer.

Der didaktische Songwriter

Mit seinen zwei besten Songs "Scenes From An Italian Restaurant" und "Piano Man" schließt Billy Joel zu lautstarkem Jubel das reguläre Set. Diese beiden Lieder verdeutlichen auch, dass Billy Joels Lieder manchmal ein didaktisches Element innewohnt. Schritt für Schritt führt er die Hörer durch ein von ihm selbst entworfene Szenario, lässt beiläufig die Namen von Personen, Orten und Institutionen fallen und führt das ganze einem Abschluss zu.

In keinem anderen Lied hat er das so weit getrieben wie in "We Didn't Start The Fire", das vornehmlich aus einer Auflistung von historischen Ereignissen besteht – und ihm mindestens so viel Ablehnung wie Begeisterung eingebracht hat. Allerdings bringt er damit die Hörer dazu, sich auch wirklich damit zu beschäftigen, worüber er singt.

Eine Ära geht zu Ende

Natürlich nicht im Konzert, hier dominiert ausgelassenes Feiern. Die Zugabe sorgt mit einer Abfolge von schnellen Songs noch einmal für zahlreiche Mitsing- und Tanzmomente. Nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden ist das Publikum eher erfrischt, als erschöpft und strömt in die laue Abendluft. Es war übrigens das letzte von Marek Lieberberg mit seiner früheren Firma MLK veranstaltete Konzert.

Natürlich stellt sich die Frage, wann Billy Joel wiederkommt. Sein Tourmanager erklärt auf Nachfrage, er spiele nur relativ wenige Konzerte und die meisten davon in den USA, um seine Stimme zu schonen. Eine große Europa-Hallentour ist also nicht zu erwarten, insofern sind solche Konzerte wie das in Frankfurt Momente, die man genießen sollte. Man weiß nicht, ob und wann sie wiederkehren.

Setlist

Miami 2017 (Seen the Lights Go Out on Broadway) / Prelude->Angry Young Man / Just the Way You Are / The Entertainer / Zanzibar / My Life / Vienna (Publikumswahl) / The Lion Sleeps Tonight / The Longest Time (Publikumswahl) / Movin' Out (Anthony's Song) / Leningrad / Allentown / New York State of Mind / Don't Ask Me Why / Sometimes a Fantasy / Highway to Hell / We Didn't Start the Fire / She's Always a Woman / Keeping the Faith / The River of Dreams / Nessun dorma / Scenes From an Italian Restaurant / Piano Man // Uptown Girl / It's Still Rock and Roll to Me / Big Shot / Only the Good Die Young / You May Be Right

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