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Billy Joel (live in Hamburg, 2018( © Falk Simon

Die wahrlich seltenen Konzerte von Billy Joel in Deutschland werden inzwischen zelebriert. Seine Fans gehen nahezu jeden Song frenetisch mit und lassen sich von seiner Stimme einfangen. Still zu sitzen ist daher kaum möglich.

Die Vorfreude auf das einzige Deutschlandkonzert von Billy Joel 2018 ist für viele Fans verbunden mit den Erfahrungen von 2016 in Frankfurt. Nach der Soundkatastrophe vor zwei Jahren in der Commerzbank Arena ist die wichtigste Frage des Abends: Schaffen die Tontechniker es diesmal im Hamburger Volksparkstadion, den großen Meister richtig in Szene zu setzen?

Klare Antwort: Nach kleinen Schwierigkeiten am Anfang wird das Konzert mehr und mehr zu einem echten Hörgenuss, natürlich immer im Rahmen der Möglichkeiten eines Stadions. 

Sehr deutsch

Das Opening könnte kaum deutscher sein mit der Ode "An die Freude", dem Gedicht von Schiller, das Ludwig van Beethoven vertont hat. Die berühmte Melodie, die sich mit den ersten Songs zu einem echten Happening für die Zuschauer entwickelt, sorgt sofort für gute Stimmung. Schon bei "The Entertainer" entfaltet die ausdrucksstarke Stimme von Billy Joel ihre ganze wunderbare Kraft.

Das fingerfertige Klavierspiel von "Vienna" überzeugt im Solo ebenso wie das Zusammenspiel der ganzen Band bei "Zanzibar". Eine wahre Pracht der Spielkunst, wenn aus den langsamen, jazzartigen Teilen immer wieder mitreißende Up-Tempo Ausreißer herausbrechen. Die Beschleunigungen pushen das Publikum und schon jetzt gibt es zahlreiche Standing Ovations.

Große Momente 

Aus all den großartigen Songs die absoluten Highlights zu filtern ist bei Billy Joel wahrlich nicht leicht, was auch an der Bandbreite seiner musikalischen Ausdrucksformen liegt: Das lässige "Movin' Out" steht in Kontrast zu intensiven, eindringlichen Songs wie "Leningrad" und "Allentown".

So richtig dreht Billy Joel auf, als er seine Sonnenbrille aufsetzt und das gesamte Publikum zu den ersten Tönen von "New York State Of Mind" schon applaudiert. Der Song bietet als perfekte Powerballade das ganz große Drama. Wenn sich Billy Joel am Piano ein Wechselspiel mit seinem Saxophonisten liefert, drückt das pure Lust an der Musik aus.

Es ist erfreulich, dass Billy Joel an diesem Abend nur wenige Coverversionen spielt. Wirklich toll gelingt "A Whiter Shade Of Pale", das hypnotisch und mitreißend zugleich ist. Warum er allerdings immer in Deutschland seinen Roadie auf die Bühne holt, um dem Publikum "Highway To Hell" entgegen zu brüllen, erschließt sich nicht. Klar gehen die Leute mit, aber der Song passt nicht ins Gesamtkonzept. 

Pure Gänsehaut

Viel schöner und fesselnder sind seine eigenen Songs. Der spielfreudige Up-Tempo Rock von "Only The Good Die Young" begeistert mit all seinen Facetten, dem Trompetensolo und dann wieder Billy Joel am Piano. Das von allen mitgesungene "River Of Dreams" mit der berühmten Songzeile "In the middle of the night, I go walking in my sleep" sorgen für die besonderen Augenblicke.

Als Billy Joel mit "Scenes From An Italian Restaurant" für den Höhepunkt des Abends sorgt, kann schon lange niemand mehr sitzen. Das Lied ist der akustisch beste Moment, wohl das Optimum, was man aus dem Stadion rausholen kann.

Mit nahezu glasklarem Sound liefert er einen musikalischen Hochgenuss. Nun fehlt nur noch "Piano Man". Was jetzt folgt, kann man mit vier Worten beschreiben: Mehr Gänsehaut geht nicht. Ein ganzes Stadion leuchtet wie ein Sternenhimmel und das Publikum singt: "Sing us a song, you're the piano man". Pure Emotion.

Es brennt wieder

Wie sehr sich die Wahrnehmung eines Songs in nur zwei Jahren verändern kann, zeigt sich bei "We Didn't Start The Fire". Beim letzten Konzert 2016 hieß der US-Präsident noch Barack Obama. Damals hat wohl niemand damit gerechnet, dass Donald Trump sein Nachfolger werden könnte. So wirkte der Song in vieler Hinsicht mehr wie ein Blick in die Geschichte.

Jetzt sieht man die Bilder zu den Songzeilen, vom mit der Atombombe bewaffneten Nordkorea, über das Erstarken rechts-nationaler Kräfte bis hin zum Konflikt der USA mit Russland – die Themen sind aktueller denn je. Allein aus den letzten zwei Jahren könnte Billy Joel wohl eine neue Strophe des Songs schreiben. So entfesselt der Song eine ganz andere emotionale Wucht, obwohl so mancher einfach nur auf den zackigen Rhythmus mittanzt.

Die Zugabe ist insgesamt ein Abbild der Facetten von Billy Joel. Da der lässige Groove von "Uptown Girl", dann der rockende Billy Joel mit wirbelndem Mikroständer zu "It's Still Rock And Roll To Me". Wieder am Piano sitzend, setzt er bei "You May Be Right" mit seiner kratzigen Stimme ein letztes, großes Ausrufezeichen. Seinem "Auf Wiedersehen" beim Abgang unter tosendem Applaus des begeisterten Publikums möchte man antworten: "Hoffentlich bald".

Setlist

My Life / The Entertainer / Vienna / Zanzibar / The Downeaster Alexa / Movin' Out (Anthony's Song) / Leningrad / Allentown / New York State Of Mind / Don't Ask Me Why / A Whiter Shade Of Pale / She's Always A Woman / Sometimes A Fantasy / Highway To Hell / Only The Good Die Young / The River Of Dreams / Nessun Dorma / Scenes From An Italian Restaurant / Piano Man // We Didn't Start The Fire / Uptown Girl / It's Still Rock And Roll To Me / You May Be Right

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