The Strypes

The Strypes © The Strypes

Ein Frontmann, der nie seine Sonnenbrille abnimmt, ein Gitarrist, der scheinbar chronisch unterfordert ist und eine Location, die ausnahmsweise mal nicht ausverkauft ist. Trotzdem waren The Strypes nicht zu bremsen und konnten am Ende des Abends mit Sicherheit ein paar Fanherzen dazugewinnen.

Wenn ein Konzertsaal mal nicht restlos mit Menschen vollgestopft ist, offenbaren sich seine wahren Größenverhältnisse. Auch der Postbahnhof ist kleiner als gedacht und lässt sich mit ein paar Lücken zwischen den Publikumsreihen wesentlich besser überblicken.

Es hat aber auch Vorteile, nicht ständig Bierfontänen ausweichen zu müssen oder auf unangenehme Tuchfühlung mit den Dreadlocks vom Vordermann zu gehen. Alles ist ein bisschen kuscheliger und gemütlicher. Und das Wichtigste: Man ist näher an der Band.

Eine Bühne, zwei Generationen

Der Auftritt der irischen Newcomer The Strypes beginnt dementsprechend entspannt. Während nebenan im Raucherkabuff ein paar Fans sich mit Tischfußball für die kommende Show aufwärmen, ergreift schon mal Vorbandgast Pete MacLeod das Wort beziehungsweise Mikro. Durch den Plastikvorhang des Raucherraums klingt das im ersten Moment so, als hätte man Michael Stipe zum Anheizen auf die Bühne geschickt.

Bei näherem Hinsehen und Hinhören erweist sich die musikalische Ähnlichkeit zu 90er-Jahre-Bandgrößen wie R.E.M. oder den Counting Crows tatsächlich als eklatant. Kein Wunder, schließlich ist MacLeod schon ein paar Semester älter als seine Mainact-Kollegen und tourt laut seiner Homepage-Vita bereits seit 1996 als Solokünstler durchs Vereinigte Königreich.

1996 war die Hälfte der Strypes noch Quark im Schaufenster. Frontmann Ross Farrelly ist heute gerade mal 15 Jahre alt. Dementsprechend komisch muss es für MacLeod sein, an diesem Abend das Rahmenprogramm für eine Minderjährigen-Kombo zu absolvieren, deren Vater er sein könnte. Nach Neid und Missgunst sucht man in seinem sympathischen Schottengesicht aber dennoch vergeblich.

Style und Sound der Sixties

Um Punkt 21 Uhr betreten dann vier gutgelaunte Strypes die Bühne und schrammeln sich nach ihrem Auftakt mit "What A Shame" ohne Unterbrechung durch die ersten drei Songs ihrer Performance.

Angesichts einer durchschnittlichen Songlänge von 2 ½ Minuten klingt dies im ersten Moment nicht nur nach einem verdammt kurzen Abend, sondern auch nach einer eindeutigen Hommage an die ebenfalls zeitlich knapp bemessenen Songs der 60 Jahre. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die unüberhörbare Inspiration von Künstlern und Bands wie Chuck Berry, The Animals oder Dr. Feelgood.

Von den Yardbirds haben sich The Strypes nicht nur die maßgeschneiderten Anzüge geliehen, auch die Sonnenbrille von Keith Relf ist für Ross Farrelly offenbar zu einem dauerhaften Bühnenaccessoire avanciert, seitdem er sich einst das Video zu "For Your Love" angeschaut hat. Selbige Sonnenbrille trug Farrelly übrigens schon beim Vorband-Gig des Arctic Monkeys-Konzerts im November letzten Jahres. Man fragt sich, ob er sie jemals wieder absetzen wird.

Der heimliche Star des Abends

Als eigentlicher Blickfang der Show stellt sich mit der Zeit jedoch Farrellys Bühnenkollege und Gitarrist Josh McClorey heraus. Der bestreitet nicht nur die Kommunikation mit dem Publikum und versichert sich immer wieder, ob es allen auch gut ginge, sondern wirkt bei den simplen Riffs zu "Mystery Man" und "She’s So Fine" regelrecht unterfordert.

Tiefenentspannt und ohne den leisesten Anflug von durch Lampenfieber verursachten Schweißperlen macht McClorey immer wieder deutlich, dass hinsichtlich seines musikalischen Potenzials auf jeden Fall noch Luft nach oben ist.

Das betrifft übrigens auch die Lyrics der Strypes: "She doesn’t like to talk but she likes to dance all night. She doesn’t like the dark but she likes it when I turned out the light", klingt nicht unbedingt nach großen Gefühlen in poetischer Formvollendung. Allerdings muss man das bei vier blutjungen Rock’n’Roll-Hobbits auch noch nicht zwingend erwarten.

Ein simpler, aber guter Abgang

The Strypes haben auf jeden Fall das Zeug und die Zeit, die kommenden Erfahrungen ihrer gerade erst beginnenden Karriere zukünftig in ihren Songtexten zu verewigen.

Man darf also gespannt und neugierig sein, wie die musikalische Laufbahn der Strypes sich weiter entwickeln wird. Neugierig ist übrigens auch Pete MacLeod, der gegen Ende der Show von der Wendeltreppe zum Backstagebereich das Geschehen auf der Bühne mit einem seltsam wohlwollend-gerührten Gesichtsausdruck beobachtet.

Die Strypes sind mittlerweile so in Fahrt, dass sie selbst Mühe haben, das inzwischen überkochende Publikum mit einem gelungenen Abschlusssong endlich nach Hause zu schicken. Das gelingt schließlich mit einer Coverversion zu "Louie Louie" von The Kingsmen. "We gotta go", singen The Strypes zum Abschied. Simpel ist nicht immer schlecht.

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