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Am 21. August ziehen Glasperlenspiel den Stecker. In der Klosterruine Limburg präsentiert das Elektro-Pop-Duo um Daniel Grunenberg und Carolin Niemczyk den Zweitling "Grenzenlos" in neuem, akustischem Gewand. Wie das klingen wird, was London und deutschsprachiger Rap mit der aktuellen Platte zu tun haben und wie aus einer Band letztlich ein Duo geworden ist, erfahrt ihr in unserem Interview!

regioactive.de: Ihr spielt beim Limburg Sommer in Bad-Dürkheim ein Akustik-Set. Wie werden eure elektronischen Songs akustisch klingen?

Daniel: Generell kann man sagen, dass wir das Ganze eigentlich wieder auf das Songwriting runterbrechen. Meistens fangen wir mit Klavier und Stimme an, wenn wir produzieren. Man versucht diese ganzen elektronischen Klänge so zu übertragen, dass es auch in einem Akustik-Set funktioniert.

regioactive.de: Seid das dann nur ihr zwei oder habt ihr auch Unterstützung von anderen Musikern, wenn ihr akustisch auf Tour seid?

Carolin: Wir sind akustisch in der gleichen Formation unterwegs wie auch elektronisch.

"Für uns war Musik immer etwas Wichtigeres"

regioactive.de: War Glasperlenspiel schon immer als Duo angedacht oder doch erst als Band geplant?

Daniel: Als wir mit der Musik angefangen haben, mit 12, 13 Jahren, war es eine Band. Die anderen Bandkollegen haben sich dann aber irgendwann entschieden, was Bodenständiges zu machen (lacht). Für uns war Musik immer etwas Wichtigeres. Es war schon immer ein Traum, das professionell zu machen. Wir haben uns dann entschieden, das zu zweit weiter zu machen, weil es so auch am Einfachsten für uns ist. Mittlerweile haben wir gute Freunde gefunden, die uns live unterstützen.

regioactive.de: Letztes Jahr erschien mit "Grenzenlos" der Nachfolger eures Debüts. Inwieweit unterscheidet sich das zweite Album?

Daniel: Wir hatten das Glück, dass es bei uns initialzündungstechnisch so nach vorne ging, dass wir sehr, sehr viel erlebt haben. Ich glaube, diese ganzen Eindrücke und die Weiterentwicklung spiegeln sich in der zweiten Platte wider. Außerdem hatten wir das ganz große Glück, eine Platte in London aufzunehmen. Wir lieben die Londoner Musikszene und haben einen Produzenten gefunden, der den ganzen Input der Stadt aufgesaugt. Ich produziere ja mit Caro zusammen auch die Songs, deshalb war die Zusammenarbeit so wertvoll. Auch die Herangehensweise, wie man Vocals aufnimmt oder wie man analoge Synths im Studio produziert. Ich habe da eine Menge gelernt und das hört man der zweiten Platte auch an.

regioactive.de: Dieser internationale Sound ist mir auch aufgefallen, als ich eure Platte gehört habe.

Daniel: Bei der ersten Platte hat man noch nicht den Mut, weil man noch ganz am Anfang steht. Man hat im Endeffekt noch keine Fans, die das erstmal gut finden. Bei der zweiten Platte traut man sich dann auch einfach mehr.

Lest im zweiten Teil: Über Zusammenarbeit mit Hip-Hoppern und die deutsche Medienlandschaft.

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"Mit Kaas von den Orsons haben wir fette Sachen geschrieben"

regioactive.de: Also seid ihr mit dem Nachfolger zufrieden? Ist das Feedback auch so, wie ihr es euch gewünscht habt?

Carolin: Definitiv. Die zweite Platte noch authentischer. Weil man sich eben mehr getraut hat, auch das zu sagen, was man fühlt und denkt. Deswegen war es auch so befreiend, die zweite Platte zu schreiben. Wir haben uns für die zweite Platte mit Hip-Hoppern zusammengesetzt, um ein bisschen frischen Wind reinzukriegen und Inspiration für die Texte zu erhalten.

regioactive.de: Mit deutschsprachigen Hip-Hoppern?

Carolin: Genau. Mit Kitty Kat oder Curse.

Daniel: Mit Kaas von den Orsons haben wir fette Sachen geschrieben (lacht). Wir haben das einfach geliebt, zu schauen, wie ein ganz anderes Genre mit Musik umgeht. Hip-Hopper kommen eben vom Text. Denen ist der Beat erstmal nicht so wichtig. Bei denen muss die Story stimmen.

regioactive.de: Wie entsteht denn ein Song bei euch?

Carolin: Bei uns ist es sehr unterschiedlich. Es kommt auch vor, dass Daniel, weil er auch produziert, mir einen Backing Track gibt. Dazu überlege ich mir dann die Melodie oder den Text. Oft ist es auch so, dass ich eine Idee habe, einen Text, eine Zeile, einfach nur ein Thema oder schon einen ganzen Refrain.

Daniel: Es ist wirklich eine 50:50-Arbeit, kann man sagen. Sie bringt den Text, ich die Musik und dann schauen wir, wie das zusammen passt.

"Die ganze Medienlandschaft sollte sich einfach ein bisschen mehr trauen"

regioactive.de: Könnt ihr es euch auch vorstellen, Englisch zu singen?

Daniel: Für uns war immer klar, wir singen auf Deutsch und konzentrieren uns auch auf den deutschen Markt. Aber wir sind offen für alles und wenn sich das irgendwann mal anbietet sind wir die Letzten, die nein sagen.

regioactive.de: Deutsch ist zurzeit ja auch ziemlich angesagt. Gute Texte mit Tiefe zu haben wird immer wichtiger. Anders als beispielsweise so ein Flo Rida, der übers Flöte-Blasen rappt.

Daniel: Das ist DAS Beispiel, auf jeden Fall! (lacht). Ich finde, dass der deutsche Hip-Hop da auch wirklich einen Sprung gemacht hat. Die ganze Medienlandschaft, angefangen von den Radiosendern bis hin zu den Fernsehsendern, sollte sich einfach mal ein bisschen mehr trauen, auch ihre deutschen Künstler zu unterstützen.

regioactive.de: Würdet ihr sagen, dass sich im Laufe der Jahre eure Zielgruppe verändert hat?

Daniel: Zielgruppe ist immer so ein Thema bei uns. Wenn man abends in einem Club spielt, dann auf die Bühne kommt und sein Publikum sieht, ist das komplett durchgemischt. Von Familien, kleineren Kinder, Jugendlichen, Studenten. Die Frage bekommen wir auch oft gestellt. Was wir auf jeden Fall sagen können ist, dass sich unser Publikum vergrößert hat (lacht).

Carolin: Am Wochenende ist es schon manchmal extrem, dass dann wirklich Kinder vor der Bühne sind. Das ist aber auch total süß.

 "Mit dem Glasperlenspiel ist alles möglich"

regioactive.de: Wie seid ihr eigentlich auf euren Namen gekommen?

Daniel: Ganz am Anfang wird man immer gefragt: „Was habt denn ihr, was andere Bands nicht haben?“. Da haben wir gedacht, um dieser Frage vorzugreifen, bauen wir einfach ein Instrument, was nur wir haben. Ich hab dann eine Art elektronisches Glockenspiel gebaut. Zufälligerweise sind wir dann über das Buch von Hesse gestoßen. Ich hab mich so halb da durchgekämpft. Es gab dann so einige Zitate, die so gut zu uns gepasst haben.

Carolin: „Mit dem Glasperlenspiel ist alles möglich“

regioactive.de: Und dieses Glockenspiel hast du entwickelt?

Daniel: Ja, es ist eine Software und ein Midi-Controller. Man kann verschiedene Sounds drauflegen oder Caros Stimme drüber laufen lassen. Das kann aber Unplugged nie mitgespielt werden. Auf der Burg wird es leider nicht dabei sein.

"Man braucht immer ein Alleinstellungsmerkmal"

regioactive.de: Habt ihr irgendwelche Tipps für Bands und Künstler?

Carolin: Ich glaube, man braucht immer ein Alleinstellungsmerkmal. Wie bei uns vielleicht, dass wir eben als Duo angefangen haben und wir beide singen. Wir haben natürlich bei allen Contests mitgemacht, die wir so gefunden haben. Ich glaube, es ist immer ganz gut, wenn man so präsent wie möglich ist und auch sein Talent unter Beweis stellt. So ging es uns auch. Dadurch sind auch die Plattenfirmen aufmerksam geworden.

Daniel: Durchhalten, auch wenn Rückschläge kommen. Wir haben relativ schnell mit Musikverlagen zusammengearbeitet, aber da kam auch genauso oft „was ist denn das für eine Grütze?!“. Man muss das immer als Motivation nehmen, es nochmal besser zu machen. Es gehört auch immer ein bisschen Glück dazu.

regioactive.de: Was steht denn bei euch als nächstes an?

Daniel: Die Sommerfestival-Saison. Wir haben ganz viele Open Airs, was wir lieben. Schönes Wetter, viele Menschen und einfach draußen spielen. Raus aus den dunklen Clubs. Bis September sind wir da unterwegs und danach wieder im Studio.

regioactive.de: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Glasperlenspiel live 2014

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