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Depeche Mode © Anton Corbijn

Enjoy the Silence? Nicht an diesem Abend. Depeche Mode verschlug es zum Auftakt ihrer Hallentour in die ausverkaufte SAP Arena nach Mannheim. Zusammen mit 12.000 Fans des schwermütigen Elektropop und dem melancholischen Duo Soulsavers, versanken die Elektrogötter in kollektiver Euphorie. Bei der mehr als zweistündigen Show waren fast alle Songs vertreten, für die DM in die Pop-Geschichte eingegangen sind. Angefangen bei neueren Machenschaften wie "Wrong", über Klassiker wie "World in my Eyes" bis hin zum finalen "Personal Jesus".

{image}100 Millionen verkaufte Tonträger, 14 Millionen Konzertbesucher, 12 Studioalben, drei Jahrzehnte Arbeit. All das sind Fakten, die eine mehr als ungewöhnliche Bandkarriere im hart umkämpften Pop-Geschäft beschreiben, wobei "Phänomen" hier vermutlich zutreffender wäre. Seit den frühen 80ern sind Depeche Mode mit ihrem von der Kraftwerk-Welle inspiriertem Synthie-Sound, und der Fusion zeitgenössischer Popmusik mit visueller Ästhetik, ein fixer Bestandteil der elektronischen Popkultur. Kinderkrankheiten, wie der branchenüblichen Kurzlebigkeit, entgegnen Depeche Mode mit solider Immunität, ein Effekt der neben zeitlosem Songwriting und stetiger Weiterentwicklung auch und vor allem auf die Addition der Ausnahmetalente Dave Gahan (Leadsänger) Martin Gore (Gitarrist / Komponist) und Andrew Fletcher (Keyboard) zurückzuführen ist. Die Briten erfuhren eine beispiellose Karriere, die an sämtlichen Extrema dieses Berufsstandes vorbeischlitterte. Seien es Gahans gelegentliche, durch Drogen ausgelöste Nahtod-Erfahrungen (angeblich gehörten Gahans persönlicher Dealer und Psychologen für den Rest der Band zum festen Tourequipment), die Auflösung durch bandinterne Rivalitäten oder das beispiellosen Abräumen sämtlicher Preise und Auszeichnungen der Musikwelt. Letzten Samstag war es dann soweit: Die im Mai gestartete "Tour Of the Universe" ging nach unzähligen Openair-Shows in die Hallenphase über.

{image}Doch bevor die mittlerweile als Kulturgut gehandelten Briten in Mannheim vor die Massen traten, ebnete das ebenfalls aus UK stammende Duo Soulsavers den Weg. Eine gute Wahl, denn die bis dato als Geheimtipp gehandelten Engländer passten mit ihrem melancholischen Mix der verschiedensten Genres, von Gospel über Country, von HipHop zu Rock, definitiv ins Vorprogramm von Depeche Mode.

Nach gut einer dreiviertel Stunde experimentellen Musizierens trat dann das Trio um Bandaushängeschild Dave Gahan, mitsamt Live-Unterstützung von Christian Eigner (Schlagzeug) und Peter Gordeno (Keyboard) vor die Massen – mit den gewohnten hysterischen Reaktionen. Die Halle brannte, obwohl das Publikum scheinbar mit "Good Evening Stuttgart" begrüßt wurde. Während Keyboarder Andrew Fletcher souverän im Hintergrund agierte, dominierten Leadsänger Gahan und Multitalent Gore abwechselnd die riesige Bühnenlandschaft, auf der Gahan seine Bestimmung als geborener Front- und Showman eindrucksvoll zur schau stellte. Wie im Liebesrausch tänzelte Gahan unentwegt mit seinem Mikrophonständer wie mit einer Geliebten über die Bühne und durchlebte mit seiner "Partnerin" ihm sämtliche Beziehungsstadien: Mal eng aneinander verschmolzen dann wieder abweisend distanziert. Auch der durch und durch mit Glitzer überzogene Martin Gore inszenierte sich entsprechend. Bei seinem ersten Duett mit Keyboarder Peter Gordeno führte er bei der Klavierbegleiteten "Ballade" Precious das Publikum gekonnt an emotionale Grenzen, was ihm durch einen anhaltenden und Gänsehaut entfachenden Chorus gedankt wurde.

{image}Versinnbildlicht wurde dieses multimediale Spektakel durch eine aufwendig gestaltete Bühnenshow, die auf die Hirnströmungen des hauseigenen Grafik-Masterminds Anton Corbijn zurückzuführen ist. In ihr mimt eine überdimensionale, halbkugelförmige Videoleinwand das zentrale Element, auf welche zumeist surreale Artworks projiziert werden, die Highlights aus Songtexten oder die musikalisch erzeugte Stimmung widerspiegelt. Nicht umsonst entstammt der Bandname aus einer französischen Kunstzeitschrift.

Von einer altersbedingten ruhigeren Gangart kann nach diesem Abend kaum die Rede sein, Depeche Mode waren auf der Höhe der Zeit und bewiesen mitunter sogar Rockbandcharakter, als Gore und Gahan gemeinsam headbangten.

Depeche Mode überzeugten, was mit Publikumsreaktionen gedankt wurde, die der Ankunft eines Messias gleichkamen. Kaum verwunderlich, so stellt doch Gahan persönlich für so manchen weiblichen Fan den "Personal Jesus" da.

Setliste:

in chains * 
wrong * 
hole to feed 
* world in my eyes 
* walking in my shoes 
* question of time 
* precious 
* fly on the windscreen 
* sister of night 
* home 
* miles away * 
policy of truth * 
it's no good * 
in your room * 
i feel you * 
enjoy the silence 
* never let me down

Zugaben: 
dressed in black 
* stripped 
* behind the wheel 
* personal jesus

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