OpenAir St. Gallen 2009: Nine Inch Nails
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OpenAir St. Gallen 2009: Nine Inch Nails Foto: Alexander Rath © regioactive.de

Im Februar verkündete Frontmann Trent Reznor, dass er in der nächsten Zeit eine längere Auszeit von seinem Projekt Nine Inch Nails nehmen möchte. Zuvor ist er nun noch einmal auf Welttournee und gab in Berlin - im wahrsten Sinne des Wortes - alles. Trotz der Hitze präsentierte er sich in überraschend guter Laune, die man in dieser Form bei seinen vergangenen Deutschland-Besuchen so nicht immer erlebt hatte.

{image}So fließt der Schweiß in Strömen, als Trent Reznor gleich zu Beginn mit voller Energie und Intensität in sein Mikrofon brüllt, seine Muskeln anspannt und auf und ab hüpft, sodass seine Hose und sein T-Shirt in der brütend-heißen Arena nach nur wenigen Songs derart klatschnass sind, alshätte er mit seiner Band Nine Inch Nails schon seit mehrere Stunden auf der Bühne gestanden. Das allerdings als Erschöpfungsanzeichen zu deuten, damit täte man der Band in diesem Moment Unrecht. Vor allem, wenn man beobachten kann, dass die einzelnen Mitglieder auch in den kommenden zwei Konzertstunden nichts an ihrem Elan und Bewegungswillen verlieren.

{image}Vielmehr ist Trent Reznor trotz der Hitze in überraschend guter Laune, die man in dieser Form bei seinen vergangenen Deutschland-Besuchen so nicht immer erlebt hatte. So kann man sich nur zu gut an den Gig vor zwei Jahren in Frankfurt/Main erinnern, als er inmitten einer seiner persönlichsten Songs, Hurt, das Konzert wütend abbrach, nachdem einige Fans zu seinem Gesang betrunken mitgegrölt hatten. Oder aber, als er im selben Jahr aufgrund einer durch technische Probleme verursachten fehlenden Lightshow öffentlich auf der Bühne damit gedroht hatte, einer der Veranstalter umzubringen. Diesmal merkt man hingegen, dass er mit Lust und Spaß an seiner Musik auf der Bühne steht und auch mit dem Publikum recht zufrieden scheint, wenn man immer wieder ein Schmunzeln und Lächeln auf seinem Gesicht erkennen kann, als das Publikum textsicher das oben schon erwähnte Hurt mitsingt und eine Gänsehaut-Atmosphäre erzeugt, die klar macht, was für eine Intensität und was für ein Sog in diesem Stück eigentlich steckt. Es ist einer der ruhigen, persönlichsten und emotionalsten Höhepunkte des Konzerts.

{image}Aber auch die härteren, schnellen und kantigen Songs können die Zuschauer überzeugen. Zum Beispiel Somewhat Damaged oder March Of The Pigs, mit dem sich Nine Inch Nails gleich zu Beginn in einen Rausch zu spielen versuchen. Oder aber Metal von Gary Numan, I’m Afraid Of Americans von David Bowie sowie Adam Ants Physical (You’re So), die den Cover-Teil des Sets ausmachen.

Begleitet wir das Ganze dabei von sehr viel Nebel und einer riesigen, beeindruckenden Lightshow. So wird kurz vor dem Konzert fast 15 Minuten lang Rauchnebel auf die Bühne und in die Halle gepumpt und alleine von der Bühnendecke hängen sieben Scheinwerfer-Lichtketten, weitere sind an den Bühnenseiten und im Hintergrund angebracht.

{image}Das Publikum ist davon ziemlich beeindruckt und feiert die Band mit viel Applaus, Jubel und Tanz. Zumindest solange, bis Nine Inch Nails um Trent Reznor nach gut zwei Stunden die Bühne mit einer unglaublichen Performance von Head Like A Hole erschöpft und zufrieden wieder verlassen. Hoffen wir, dass Trent Reznor die Ankündigung, dass das die allerletzte Show in Berlin gewesen wäre, nach diesem Konzert  nicht in Erfüllung gehen lässt, die jetzt bald geplante Auszeit nicht das Ende des ganzen Projekts bedeutet und er mit Nine Inch Nails nach dieser Welttournee irgendwann doch wieder zurückkommen wird. Denn vor allem live sind Nine Inch Nails einfach nur gigantisch!

 

Setlist:

Somewhat Damaged / 1,000,000 / Heresy / March Of The Pigs /Something I Can Never Have/ Metal / I'm Afraid Of Americans / Head Down / Big Come Down / Burn / Gave Up/ Piggy / Home / Non-Entity /The Downward Spiral /Wish / Survivalism / Physical / Down In It/ Hurt / The Hand That Feeds / Head Like A Hole

 

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