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Referenzen, Zeichen, Andeutungen: Was ist Popkultur anderes, als ein Sammelsurium voller Hinweise auf weitere Kunstwerke? In der Schönheit jedes Musikstückes, jedes Bildes und jedes Films liegt doch mindestens ein Fingerzeig verborgen, der uns anschreit und gleichzeitig leise zuflüstert: "Es gibt noch mehr davon, schau dorthin. Und dorthin. Und dort sowieso auch noch."

{image}Manchmal sind diese Andeutungen gar nicht gewollt oder die Verbindungen ergeben sich erst über Dritte. Bob Dylan oder David Bowie können davon wohl im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen. Im Frankfurter Nachleben aber mitten im April geben auch MONO beziehungsweise ihre Musik eine große Projektionsfläche ab. Die japanischen Postrocker, gegründet im Jahr 2000 in Tokio, haben im März ihr aktuelles Album Hymn to the immortal wind herausgebracht, das wieder wie die Vorgänger vom großen Steve Albini produziert wurde. Jetzt ist man auf Tour, um das neue Werk unter die Leute zu bringen. Und wie man das macht! MONO macht Musik, die zum schweben einlädt. Bilder rauschen durch den Kopf, Gedanken kommen und gehen und die Musik tritt etwas in den Hintergrund, hält aber das Gedankenkino am Laufen.

{image}Das Konzert findet unten statt, wahrscheinlich müsste man Keller sagen, aber in Frankfurt ist es halt anders. Zwei Schwingtüren halten die erfrischende Kälte draußen und die stickige Hitze und Musik drinnen. Diese Hitze! Es ist ein schöner Club, keine Frage: Klein und fein. Aber die Hitze ist fast unerträglich. Das erste Mal seit Jahren muss sich unser sonst so beständiger Autor hinsetzen, was der Musik natürlich leider noch einen Abbruch beschehrt, muss sie jetzt doch durch eine kleine Menschenmasse durchdringen. Aber man kann nicht alles haben. Irgendwann gewöhnt man sich dann aber an die Temperaturen, die Lebensgeister kommen wieder zurück und man kann halbwegs aufstehen.

MONO jedenfalls sind da viel abgeklärter und sehr ernst auf der Bühne. Vor Beginn feilt man noch eifrig an den letzten Toneinstellungen. Kurzer Abgang, schon ist das Quartett wieder da und legt ohne große Umschweife wortlos los. So wird es dann auch bleiben, weit und breit ist kein Mikro in Sicht. Die Musik durchdringt, nicht nur körperlich (die Lautstärke ist wie immer hart an der Schmerzgrenze, aber gegen die Könige des Tinitus – Mogwai – noch ein laues Lüftchen), sondern auch wie schon gesagt geistig. Und dann, wenn es nur der erwartet, der Monos Platten auswendig kann, kommt der Bruch im Sound, der eigentlich keiner ist.

{image}Es geht genauso weiter wie vorher, nur steigt die Gitarre extrem an, der Bass kommt, Tamaki Kunishi bewegt sich zur Musik wie ein Eichhörnchen im Wind und alle Anwesenden sind wieder voll da. Stuart Braithwaite von Mogwai hätte wohl an dieser Stelle wieder sein diabolisches Lächeln aufgelegt, aber wir haben es hier mit japanischer Ernsthaftigkeit zu tun. Diese zeigt sich auch in den Pausen. Kleine Verzögerung, weil eine Gitarre gestimmt werden muss? Auf der Bühne verzieht niemand auch nur einen Gesichtsmuskel. Es ist natürlich ein Image, was hier aufgebaut wird: Der unnahbare Postrocker, gleichzeitig ist es aber auch so charmant und erfrischend. Keine schlechten Witze, keine Grimassen, kein Jam. Warum nicht öfters so, auch bei anderen Bands? Nicht immer möchte das Publikum angeheizt werden, liebe Musikschaffenden! Dann ist aber plötzlich Schluss. Keine Zugabe, nichts. So schnell wie sie auf der Bühne waren sind sie auch wieder weg. Was kann man dazu sagen? MONO eben.

 

Unsere Bilder zum Konzert in Berlin findet ihr hier.

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