Rufus Wainwright

Rufus Wainwright © Universal

Im Oktober spielte der in New York lebende Sänger Rufus Wainwright mit Band in der Berline Volksbühne. Jenen, die sich für diesen Abend noch ein Ticket erhaschen konnten, wird er wohl unvergesslich bleiben. Der Sohn des Folkmusikers Loudon Wainwright präsentierte an diesem Abend u.a. Songs aus seiner aktuellen Veröffentlichung "Realease the stars". Mit der Volksbühne fand man das passende Ambiente für das im ehemaligen Rundfunkhaus der DDR in Berlin aufgenommene Album.

Der Abend, an dem nichts dem Zufall überlassen wurde und der bis ins Detail geprobt und durchkomponiert war, begann mit Release the stars, dem finalen Stück der gleichnamigen Platte. Auf der Bühne bewegten sich neben Rufus Wainwright noch 7 weitere Personen, die den Abend mit Tanz und umfangreicher Instrumentalkenntnis begleiten sollten, vor der im Hintergrund glitzernden und mit Sternen bestückten Amerika-Fahne und dem prominent positionierten Klavier. So wurde Sanssouci mit den Worten vorgestellt: "wow, es tut gut, wieder zu Hause zu sein. Ich habe in dieser Straße gewohnt. Der nächste Song ist allen Leuten aus Berlin gewidmet". Neben Sanssouci handelt Tiergarten, ein weiterer Titel auf der Setlist der Show, vom Berlin-Aufenthalt des modernen Dandys. Aus der Idee, Amerika für kurze Zeit den Rücken zu kehren und in Berlin ein der Kooperation Lou Reed/David Bowie ähnliches, von viel Kajal in dunklen Hinterhöfen inspiriertes, Weill'sches "Macki Messer"-Album  aufzunehmen, wurde dann wohl nur ersteres realisiert.

Im europäischen Teil der Tour herrscht Dramatik pur. "Going to a town want to perform with Rufus?", hieß es auf der Homepage. Gesucht wurden Leute für die einzelnen Tour-Städte rund um den Globus, die zusammen mit dem divaesken Kanadier den ursprünglich von der großartigen Marianne Faithful gesprochenen Textpart zu Between my legs übernehmen sollten. Danach wurde eine kurze Künstlerpause eingelegt, um dann mit neuem Beinkleid speziell für den österreichischen Export zu begeistern: Rufus der Romantiker stand nun mit traditionellen Lederhosen auf der Bühne, die keine bayerischen waren und stimmte  Nobody's Off The Hook ein.

"Vielen herzlichen Dank. Wir wollen nun etwas besonderes machen", hieß es schließlich beim letzten Song, den der Opernfan Rufus Wainwright ankündigen sollte. Ohne Mikrofone wurde dem begeisterten Publikum ein irischer Folksong präsentiert, bevor die Musiker mit instumentalen Soloperformances  nacheinander der Bühne entfleuchten. Die Standing Ovations des Publikums sollten Rufus im Bademantel zurück auf die Bühne befördern. Jetzt fand ein Genre-Wechsel statt. Cabaret stand auf dem Programm. Der Perfektionist Wainwright stolzierte mit engen Stumpfhosen auf die Bühne, die jedem Anwesenden den puren Neid in die Augen trieb. Solche Beine sind einem Mann einfach nicht vergönnt.

Der New Yorker, der sich seit frühester Kindheit der Musik verschrieben hat und der in der BBC-Produktion "Absolutly Fabulous" auch seine schauspielerischen Talente unter Beweis stellte, ist für alle, die ihn bisher live verpasst haben, noch für ein paar wenige Termine in Deutschland zu erleben.

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