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Rufus Wainwright zeigte sich bei seinem Konzert in Frankfurt in aufsteigender Form. © Tina Tyrell

Rufus Wainwright bot den Zuschauern am 5.12.2012 im Gibson Club eine bunte und unterhaltsame Mischung aus alten Klassikern, neuen Songs und Covern. Nach zahlreichen Irrwegen in den letzten Jahren scheint er seine Krise überwunden zu haben.

Es ist schon beeindruckend, wie Rufus Wainwright seine Karriere in den Sand gesetzt hat. Nach Release The Stars kam er auf die bizarre Idee, Judy Garland zu imitieren. Er schrieb eine Oper, vertonte Shakespeare-Sonette und veröffentlichte ein Album, das den Namen "Lulu" im Titel enthielt. Das konnte nicht gutgehen.

Die lieben Verwandten

Mit seinem neuen Album Out Of The Game versucht Wainwright sich aus dem Loch zu befreien, das er sich selbst gegraben hat. Da ihm das nur teilweise gelungen ist, erfreut ihn der Zuspruch des Frankfurter Publikums, das den neuen Gibson Club auf der Zeil gut füllt. "Wir wussten nicht, ob jemand kommen würde." Die Sorge war unbegründet.

Mit dabei ist nicht nur Rufus Ehemann Jörn Weisbrodt, sondern auch dessen Familie und Verwandtschaft, die aus dem nahen "Bad Durkheim" angereist sind. "Dreizehn Leute, ich kann mir ihre Namen nicht alle merken!", sagt Rufus mit gespieltem Entsetzen zum amüsierten Publikum.

Ein wenig "out of the game"?

Rufus beginnt den Auftritt mit einem a cappela gesungenen Candels und zwei weiteren Songs des neuen Albums, die so wenig überzeugen, dass man befürchtet, er habe sein Mojo verloren. Nicht alle Lieder des neuen Albums sind aber so schwach.

Jericho beispielsweise überzeugt mit seinen starken Gospel-Anleihen und das Titelstück Out Of The Game erklingt in einer sehr schönen opulent instrumentierten Version. Gelungen ist auch das von seinem Ehemann eingeforderte ("You Germans are demanding!", sagte Rufus dazu) Lied Song Of You mit seinen eindringlichen Dynamikvariationen.

Die Soulwerdung

Für das Gelingen des Konzerts ausschlaggebend ist aber Rufus' Entscheidung, neben Coverversionen auch zahlreiche Lieder seiner ersten vier Alben aufzuführen. Sie werden in überraschend souligen Versionen aufgeführt, wozu die beiden Backgroundsängerinnen wesentlich beitragen.

Nicht immer erweist sich die Soulwerdung als glückliche Entscheidung, so bei dem von seinem Vater Loudon Wainwright III geschriebene One Man Guy, aber bei Liedern wie The One You Love oder dem umjubelten Klassiker Cigarettes and Chocolate Milk funktioniert sie einwandfrei.

Man fragt sich unwillkürlich, ob Rufus nach Baroque Pop, Folk, Showtunes, Oper und Kunstlied eine neue Obsession für Soul entwickelt hat. Wenn dem so ist, dann ist Soul – maßvoll eingesetzt – aufgrund seines Hangs zur Theatralik nicht der schlechteste Einfluss, den er sich hätte aussuchen können.

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Große musikalische Bandbreite

Bei all dem kommt die stilistische Bandbreite nicht zu kurz, im Gegenteil, das Konzert ist außerordentlich abwechslungsreich. Gitarrist Teddy Thompson singt beispielsweise eine sehr schöne, gefühlvolle Interpretation von Saratoga Summer Song, einem Lied von Kate McGarrigle, der vor einigen Jahren verstorbenen Mutter von Rufus Wainwright. Auf die zersoulte Version von I Don't Know, ebenfalls ein Lied seiner Mutter, hätte man hingegen gut verzichten können.

Außerdem spielt Rufus Wainwright ein Stück unbegleitet am Klavier (The Art Teacher), performt eine sehr lebendige Version von Going To A Town und interpretiert gemeinsam mit Opening Act Adam Cohen einen Song dessen berühmten Vaters Leonard. Das desillusionierte Everybody Knows gerät in ihren Händen zu einem fast vergnüglichen Gruppenwerk, bei dem jeder eine Strophe übernehmen darf.

Ein launiger Konzertabend

Überhaupt Adam Cohen. Wenn man an die gehässigen Kritiken seiner Alben denkt, wundert man sich etwas über den unterhaltsamen Auftritt im Vorprogramm. Mit nonchalantem Humor kündigt er sich als Nachkomme eines großen kanadischen Songwriters an, nämlich von Celine Dion. Auch musikalisch ist das keineswegs so schlecht, wie viele Kritiken nahelegten.

So launig wie Adam Cohens Kommentar war eigentlich der ganze Abend. Er zeigte Rufus Wainwright humorvoll, charmant und in exzellenter stimmlicher Verfassung. Er ist wieder auf dem Weg nach oben. Ein Glück.

Setlist

Candels | Rashida | Barbara | April Fools | The One You Love | Song Of You | Saratoga Summer Song (Gesang: Teddy Thompson) | I Don't Know (Gesang: Krystel Warren) | Respectable Dive | Cigarettes and Chocolate Milk | Out Of The Game | Jericho | Perfect Man | Sometimes You Need | One Man Guy | Everybody Knows | The Art Teacher | Going To A Town | Montauk

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