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© Markus Biedermann

Ellen Klinghammer und Built to Spill? Eine auf den ersten Blick eher ungewöhnliche bis gewagte Kombination, die sich jedoch nicht als auraler Fehltritt erweisen sollte. Ellens Auftritte könnte man zwischen Cat Power und Norah Jones ansiedeln, während man über Built to Spill und deren Indie-Rock Auftritte gar keine Worte mehr verlieren bräuchte.

Los ging’s ziemlich pünktlich gegen 21 Uhr mit Ellen Klinghammer die es sich, umgeben von Built to Spill’s Instrumenten und Verstärkern, mit einem Kawai und einem Mikrofon auf der Bühne gemütlich gemacht hatte. Zu Beginn wirkte die Performance noch etwas schüchtern und zurückgehalten, was sich aber, aufgrund des offenen Frankfurter Publikums, schnell lockern sollte. Bis auf ein Cover von The Cure bestand die Performance aus eigenen Songs, die oft einen jazzigen Touch besaßen und sicher (vielleicht auch gerade dann) super in einer Band funktioniert hätten. Auch wenn Ellen Klinghammer das musikalische Rad nicht neu erfunden hat, in Zukunft wird sich diese charismatische Künstlerin sicher noch weiterentwickeln und auf dem Musikmarkt etablieren können. Nach etwa 45 Minuten Ellen, dezenten Attacken aus der Nebelmaschine und einer kurzen Warm-Up Phase war es dann soweit – Built to Spill betraten die Bühne.

Über fünf Jahre ist es her, dass Built To Spill hierzulande live zu hören waren. Überhaupt gab es eine längere Pause, bevor sich die Band um Doug Martsch im vergangenen Jahr mit dem großartigen Longplayer You in Reverse zurückmeldete. Doch nur in den ersten wenigen Minuten, nachdem die Musiker die Bühne betraten, bestand Anlass zu der Sorge, dass sie dieser Veröffentlichung live nicht gerecht werden könnten. Built To Spill schlichen sich nämlich etwas verstohlen in den Gig hinein, begannen mit ein wenig Geplänkel, pausierten noch mal kurz – und legten dann erst los. Dafür waren diese ersten Takte gleich umso überzeugender und richtungsweisend: Mit einem angemessen lauten und sauberen Sound, mit enorm druckvollen 3 Gitarren, Bass und Schlagzeug bewiesen BTS mit jedem Takt, dass sie ähnlich wie Dinosaur Jr. noch lange nicht zum alten Eisen gezählt werden dürfen.

Kleinere Pausen gönnt sich die Band immer wieder durch das Nachstimmen der Gitarren zwischen den Songs, doch die Fünf strahlen den ganzen Abend über eine solche Gelassenheit und Präsenz aus, dass dies kaum negativ ins Gewicht fällt. Martsch bleibt ständiger Mittelpunkt, seine Gitarrensoli und der präsente Gesang sind das i-Tüpfelchen auf druchdachte Arrangements mit interessanten Breaks und eingängigen Melodien. Höhepunkte des knapp zweistündigen Konzerts sind Goin' Against Your Mind, The Plan und die letzte Zugabe, welche aus einer 15-minütigen Noiserock-Improvisation besteht, wie sie jeder Indie-Fan liebt und ganz bestimmt seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr live hören durfte.

In den Augen und Ohren des begeisterten Frankfurter Publikums hätte dies noch ewig weiter gehen dürfen.

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