Built to Spill

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Der kleine Klub_K beim Heidelberger Karlstorbahnhof war diesen Samstag der Schauplatz für das Konzert einer der größten Indie-Bands. Natürlich war die kleine Location ausverkauft – nichts anderes war zu erwarten.

{image}Schon als angekündigt wurde, Built to Spill würden im kleinen Karlstor auftreten, warf das die Frage auf: Warum? Schließlich ist es noch nicht lange her, da waren die Musiker auf ihrer letzten Deutschlandtour und füllten weitaus größere Locations, wie z.B. den Mousonturm in Frankfurt (-> Konzertbericht und Galerie). Und sie hatten begeistert und Lust gemacht auf eine Wiederkehr. Die Frage ist aber letzten Endes ganz einfach beantwortet: Built to Spill mussten einem DJ-Event im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals weichen, das den großen Saal des Karlstorbahnhofes an diesem Abend in Beschlag nahm. Wer sich für das Konzert erfolgreich noch ein Ticket ergattert und sich in den von Beginn an proppevollen Klub_K geschoben hatte, der durfte sich im Vorprogramm über eine Band freuen, die bis dato noch nicht allzu sehr von sich reden gemacht hat, jetzt aber verschärft daran ist, diesen Umstand zu ändern. Wenn es dafür einen Hinderungsgrund geben sollte, dann nur der etwas irreführende Bandname Disco Doom, der während gelangweilter Warterei auf einen Zug entstanden war. Ansonsten steht derzeit nicht nur die Tour mit Built to Spill auf dem Programm, sondern zahlreiche weitere Dates, u.a. auch mit Blackmail etwas später in diesem Jahr.

{image}Disco Doom existieren seit 1996. Die Besetzung, insbesondere an den Drums, hat schon oft gewechselt, zahlreiche Konzerte und Aufnahmen, die nie zu Ende gebracht wurden, kamen hinzu, bis 2002 auch die erste Veröffentlichung namens rrkr herausgebracht wurde. Seither verfolgen Disco Doom ihre Idee einer EP-Serie, um mit der musikalischen Bandbreite der Band umgehen zu können. Weder nach Disco noch nach Doom klingt die Musik des Schweizer Trios. Vielmehr reihen sie sich, besonders passend für den Supportslot einer BTS-Tour, musikalisch in die Indie-Tradition ein, hier und da gewürzt mit weiteren Zutaten. Im Klub_K boten sie ein abwechslungsreiches Set mit herrlich dreckig klingenden Gitarren, die sich über druckvolle Mid-Tempo-Grooves schieben und Songs, die mit cleveren Arrangements überzeugen konnten. Auch wenn sich der ein oder andere mittelmäßigere Song ins Programm eingeschlichen hatte: Diese Band wird noch zahlreiche neue Freunde finden.

{image}Die Schweizer hatten sich als perfektes Warm-Up für Built to Spill erwiesen – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Umbau zu deren Gig lieferte dann glücklicherweise auch die ein oder andere Gallone frischen Sauerstoffs und eine Abkühlung von gefühlten 50° auf ca. 30°C. Dabei sollte es aber nicht bleiben, denn kurz nachdem BTS ihr Set mit Liar vom hervorragenden jüngsten Album You In Reverse begonnen hatten, begann die Atmosphäre im Klub_K wieder zu brennen. Der annähernd zweistündige Gig sollte sich in der Folge zu einem angenehm entspannten und intimen Club-Gig entwickeln. So tauschten sich Band und Publikum nicht nur über die gegenseitigen Sorgen über das jeweilige Wohlbefinden wegen der Hitze aus, sondern auch über die US-Politik. BTS würden Ralph Nader wählen, gaben sie zu, nachdem sich ihr Gitarrist darüber vergewissert hatte, dass keine TV-Kameras im Raum waren – die hätten auch wirklich nicht mehr reingepasst. Die Songauswahl gestaltete sich aus einem Mix der Songs, auf die die Band offenbar besonders Lust hatte, und andererseits auf Zuruf der Wünsche aus dem Publikum. So standen großartige neuere Songs wie Conventional Wisdom neben Klassikern wie The Plan oder Stab, ruhigere Tracks neben krachenden Einlagen, knackiges neben ausufernden Solo-, Groove- und Impro-Parts. Ein zusätzliches Instrument bereicherte das Klangspektrum von Built to Spill: Ein Cello begleitete die meisten der Songs. Nach über eineinhalb Stunden Spielzeit dann ein Deal zwischen Band und Fans: Von-der-Bühne-runter und sich-wieder-hinauf-jubeln-lassen für eine Zugabe wurde als Programmpunkt gestrichen. Damit konnte jeder leben und nach einer weiteren halben Stunde allerbesten Indie-Rocks war es auch tatsächlich an der Zeit, sich wieder eine ordentliche Portion Frischluft und Kühle zu verschaffen. Bleibt nur die Hoffnung, dass diese Band das nächste Mal auch räumlich den Platz erhält, der ihr zusteht. Was das musikalische, was Indie angeht, da kann ihnen nach wie vor keiner einen der Top-Plätze streitig machen.

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