Built To Spill (live in Frankfurt, 2013)

Built To Spill (live in Frankfurt, 2013) © Daniel Nagel

Bei ihrem gut besuchten Konzert im Frankfurter Zoom-Club bot die amerikanische Band Built To Spill seeligmachenden Indie-Rock, der einige Besucher schier zum Ausrasten brachte. Frontman Doug Martsch nahm das eher irritiert als amüsiert zur Kenntnis.

Eigentlich ist Built To Spill-Leadsänger Doug Martsch ein eher stoisch wirkender Mensch. Auf der Bühne hält er die Augen meistens geschlossen und den Kopf gesenkt. Nur sein rechter Fuß hämmert so heftig im Takt auf die Bühne, dass man die Vibrationen deutlich spüren kann, wenn man in unmittelbarer Nähe steht.

Seine hohe, ausdrucksstarke Stimme durchzieht den Raum, umwoben von wunderbaren Gitarrenmotiven. Anders als viele andere Rockbands, spielen die Gitarristen von Built To Spill am ganzen Abend nur ein Instrument – Martsch beispielsweise eine rote Fender Stratocaster.

Im besten Sinn bodenständig

Es ist vornehmlich dem Gitarrenspiel zu verdanken, dass der sehr laute Indie-Rock von Built To Spill nie eintönig wirkt. Immer wieder entdeckt der staunende Zuhörer faszinierende Motive, zeigt sich beeindruckt von der Kreativität und Virtuosität, die aber nie zum Selbstzweck wird. Buil To Spill sind bodenständig, in ihrem Äußeren genauso wie auf der Bühne.

Um Martsch im Zentrum entfaltet die fünfköpfige Band eine bemerkenswerte Harmonie, die umso mehr beeindruckt, wenn man bedenkt, dass von der langjährigen Stammbesetzung nur Gitarrist Brett Netson übrig geblieben ist. Schlagzeuger Steve Gere und Bassist Jason Albertini spielen gar erst seit letztem Jahr in der Band.

Durchdrehende Zuschauer

Die Harmonie zu stören vermag nur ein Zuschauer, vermutlich ein Amerikaner, der mit zwei Frauen am Start ist. Alle unterhalten sich in den langen Pausen zwischen den Songs nicht nur sehr laut, sondern rufen Martsch und den übrigen Bandmitglieder ständig Songwünsche zu. Als der Amerikaner es einmal übertreibt, reißt Martsch verärgert seine Augen auf und starrt den Ruhestörer streng an.

Aber der Amerikaner ist nicht der einzige, der angesichts der Musik völlig durchdreht. Als die ersten Töne von Fly Around My Pretty Little Miss erklingen, schreit eine weibliche Besucherin derart laut, dass man fast schon ein Gewaltverbrechen befürchtet. Aber sie freut sich nur wie wahnsinnig über diesen großartigen Song.

Konzise und songorientiert

Das reguläre Set endet mir eine großartig ausgedehnten Interpretation von Carry The Zero, das zum einzigen Mal an diesem Abend die Fähigkeit der Band zu epischen Jams unter Beweis stellt. Ansonsten spielen Built To Spill an diesem Abend konzise und songorientiert.

Zur allerletzten Zugabe, Car, verkündet Martsch, dass er dieses Lied nicht wegen sondern trotz der ständigen Zurufe spielt. Dann legt sich die Band ins Zeug und alle singen mit: "I wanna see movies of my dreams". Gerade nochmal gutgegangen.

Setlist

Revolution | Stab | Reasons | You Were Right | Planting Seeds | Velvet Waltz | Else Sidewalk | Pat | Liar | Fly Around My Pretty Little Miss | The Weather | Carry the Zero

Zugabe: (Don't Fear) The Reaper (Blue Öyster Cult cover) | Goin' Against Your Mind | Car

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