The Whitest Boy Alive

The Whitest Boy Alive

Erlend Øye ist kein Unbekannter mehr. Er ist DJ, einer der Köpfe der Kings of Convenience und seit 2003 auch der Kopf des ursprünglich als Elektronik-Projekt gestarteten Quartetts The Whitest Boy Alive. Das 2006er Album Dreams, in Øyes Wahlheimat Berlin entstanden, avancierte schnell zu einem Insidertip. Wie gefüllte Konzertsääle beweisen, hat die Band dieses Stadium bereits verlassen.

Erlend Øye ist kein Unbekannter mehr. Er ist DJ, einer der Köpfe der Kings of Convenience und seit 2003 auch der Kopf des ursprünglich als Elektronik-Projekt gestarteten Quartetts The Whitest Boy Alive. Das 2006er Album Dreams, in Øyes Wahlheimat Berlin entstanden, avancierte schnell zu einem Insidertip. Wie die nahezu vollständig gefüllte Mannheimer Feuerwache am Dienstag Abend bewies, hat die Band dieses Stadium bereits verlassen und versteht es, ihren auf dem Longplayer präsentierten Handmade-Sound überzeugend auf die Bühne zu bringen.

Dabei erinnert alles zuerst an eine Zeitreise. Bassist Marcin Oz und Keyboarder Daniel Nentwig vermitteln rein optisch den Eindruck direkt aus dem Studio 54 oder vom Filmset zu Boogie Nights auf die Bühne entlassen worden zu sein, wohingegen Øye und Schlagzeuger Sebastian Maschat so wirken, als habe man sie aus dem bekannten ersten Teamfoto von Microsoft herausgeschnitten. Nerds, Porn, Seventies und Disco – zumindest die letztgenannten beiden Eindrücke wurden dann auch musikalisch zementiert.

Der Dance-Groove der Siebziger (Marcin Oz kann den Soundtrack zu Saturday Night Fever auf seinem Bass mit Sicherheit im Schlaf und mit verbundenen Augen spielen) bildet dabei das Fundament für einen ganz erstaunlichen Mix an weiteren Zutaten. Die Drumbeats entstammen in ihrer relativ minimalistischen Form und ihrem Klangspektrum eindeutig der elektronischen Musik. Bewundernswert dabei ist vor allem, dass Maschat bei seinem Spiel durchaus eine solche Perfektion im Timing erreicht, dass man meinen könnte, ein Dauerklick oder Playback auf dem Ohr gäbe ihm den richtigen Beat vor. {image}Doch davon keine Spur, statt dessen präsentiert er richtig solides und stures Schlagzeugspiel. An der rechten Bühnenseite sitzend hat er den direkten Blickkontakt zu seinen Mitmusikern, insbesondere zum Mann am Rhodes, der für die rhythmisch markanteren Einwürfe zuständig ist. Damit nicht genug beamt er den Bandsound oft aus den Siebzigern hinein in die Achtziger und vor allem zu Dance-Anleihen aus den Neunzigern. Erkenntnis: Mit Überzeugung vorgetragen gibt es keinen Grund dafür in Scham zu verfallen. Glasklare bis klirrende Akzente über diesen Dauergroove setzt Øye mit seiner Gitarre und erinnert damit oft an Archer Prewitt von The Sea and Cake, während sein ruhiger, sanftmütiger und unaufdringlicher Gesang dies durchbricht und kontert. Zentral bleibt das ganze Konzert hindurch jedoch die instrumentale Verspieltheit der Band, der sommerleichte und sehr gut abgemischte Sound und der sich direkt auf die Beine der Zuhörer übertragende druckvolle Groove.

Viele weitere Einflüsse schwingen mit: Zoot Woman, etwas Notwist, jazzigere Einsprengsel, Phoenix, Peter Björn & John bis hin zu Snap. Doch alles bleibt stimmig miteinander verwoben und als auf Øyes Kommando die Discokugel an der Decke der Feuerwache in Gang gesetzt wird, ist der Abend für das in weiten Teilen den kompletten Gig durchtanzende Publikum perfekt. Der Höhepunkt kommt passend erst kurz vor den Zugaben in Form des kleinen Hits Burning. Die Halle tobt und die Band kann sich dem nicht entziehen. 2 weitere Songs präsentieren The Whitest Boy Alive und signalisieren in Text und Auftreten, dass sie sich vom positiven Feedback gerne anstecken lassen. Alles in Allem beschloss dies einen guten und entspannten Disco-Abend in Live-Atmosphäre.

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