Nach den abgesagten Deutschland-Dates im Vorjahr, ging es für die Überflieger der letzten beiden Jahre diesmal vor allem um eins: Wiedergutmachung.

Nach den abgesagten Deutschland-Dates im Vorjahr, ging es für die Überflieger der letzten beiden Jahre diesmal vor allem um eins: Wiedergutmachung. © Warner

Nach den abgesagten Deutschland-Dates im Vorjahr, ging es für die Überflieger der letzten beiden Jahre diesmal vor allem um eins: Wiedergutmachung. Eines bereits vorweg: Die meisten der knapp 8000 Anwesenden in der ausverkauften Berliner Arena brauchten nur wenige Minuten, um sich mit ihren Heroen wieder zu versöhnen.

{image}Spätestens um kurz nach halb elf löst sich die Garage-Unschuld des Akron-Duos in Luft auf, als während der ersten Zugabe Everlasting Light eine überdimensionale Diskokugel in der rappelvollen ehemaligen Omnibushalle am Treptower Park das Areal in ein Vegas-Lichtermeer taucht. Zu guter Letzt funkelt während der abschließenden Klänge von I Got Mine auch noch das Band-Logo hinter den Protagonisten wild hin und her. Glitzer, Glamour und High-Tech: Das war bis dato eigentlich nie die Welt, in der sich Dan Auerbach und Patrick Carney wohlfühlten. Doch anno 2012 deckt sich zumindest der Encore-Teil des Abends mit dem, was man im Allgemeinen von Grammy-prämierten Live-Acts aus Übersee erwartet: Eine große Show.

In den anderthalb Stunden vorher steht bei The Black Keys allerdings eher die Musik im Vordergrund. Natürlich liegt das Hauptaugenmerk auf dem aktuellen Album El Camino, einem Blues-Rock-Lo-Fi-Ungeheuer, das sich kurz vor Toresschluss des letzten Jahres noch schnell in die oberen Bereiche nahezu sämtlicher 2011er-Abschluss-Polls einnistete. Und die zahlreich erschienenen Hauptstadt-Jünger danken es dem Zweier aus Ohio. Egal ob Gold On The Ceiling, Money Maker, Little Black Submarines oder der Über-Hit Lonely Boy: Kaum erklingt der erste knarzende Akkord eines El Camino-Ergusses aus Auerbachs Gitarre, jauchzt die Masse laut auf und feiert ihre Helden, als gäbe es kein Morgen.

{image}Auch die beiden Verantwortlichen auf der Bühne, die teilweise von drei Schattenmännern im Hintergrund musikalisch unterstützt werden, scheinen überwältigt vom "Friede-Freude-Eierkuchen-Szenario", das sich ihnen vor der Bühne bietet: "Thank you!": Viel mehr bringt Auerbach zwischen den Songs nicht über die Lippen. Aber das braucht er auch nicht. Die Gefolgschaft will Musik und keine langen Reden. Davon gibt es letztlich eine ganze Menge, denn neben dem neuen Material schwelgt der Zweier zwischendurch auch immer wieder gerne in der Vergangenheit und präsentiert diverse ältere Schmankerl aus dem mittlerweile reichhaltigen Fundus der Band.

Die grenzenlose Freude über das Happening an sich ist dermaßen groß, dass sich nur die wenigsten Anwesenden über den Sound des Abends mokieren, der im Gegensatz zur Performance des Duos maximal Zweitliga-Niveau erreicht: "Die Akustik ist grauenvoll. Da hätte ich mir die Jungs lieber zehnmal hintereinander im Lido gegeben, als heute hier", erzürnt sich ein bärtiger Fan hinter dem Mixer nicht ganz zu Unrecht. Es ist fürwahr schon verwunderlich, warum sich ein Act, der für seine noisigen Töne bekannt ist, sich bei einer dermaßen großen Ticket-Nachfrage für die mit Abstand schlechteste Großraum-Option in Berlin entscheidet.

Sei es drum, lächelnde und beseelte Gesichter überwiegen, als sich das Anhänger-Heer um kurz vor elf in die eiskalte Nacht verabschiedete. Minus neun Grad werden draußen gemessen. Drinnen war es selbstverständlich um Einiges wärmer. Das empfindet Portugal.The Man-Frontmann John Gourley allerdings anders. Das Indie-Rock-Quartett aus Alaska war nämlich auch noch Bestandteil des Abends, und so präsentiert er sich den gesamten Support-Auftritt lang eingepackt in eine dicke Daunenjacke. Das ist aber auch schon der Einzige "Aufreger" während des Sets des Fünfers. Ansonsten bleibt die Band doch eher blass, was aber weniger am zweifellos beeindruckenden Songmaterial der Band liegt, sondern eher an der allgegenwärtigen "ich-will-endlich-die-beiden-Typen-aus-der-Garage-rocken-sehen"-Stimmung bei den Anwesenden vor der Bühne. Kurze Zeit später ist es dann ja endlich so weit. Nun haben sich alle wieder lieb.

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