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Daniel Lanois Black Dub (live in Darmstadt, 2011) © Daniel Nagel

Bei zahlreichen großen Alben hatte er seine Finger im Spiel, so bei "The Unforgettable Fire" und "Achtung Baby" von U2, Bob Dylans "Oh Mercy" und Peter Gabriels "So" saß Daniel Lanois an den Reglern. Unter eigenem Namen veröffentlichte er bisher sechs Alben, mit seinem Projekt Black Dub eines. Die heißen jetzt Daniel Lanois' Black Dub, was wohl suggerieren soll, wer die Songs schreibt und die Rechnungen bezahlt. Im Mittelpunkt des Auftritts in der Darmstädter Centralstation stand aber nicht der Bandleader.

Auf die Frage, warum so wenige Frauen in Bands spielen, antwortete irgendein Musiker vor vielen Jahren: "Weil sie keine Lust haben, mit den Typen abzuhängen, die in Bands spielen". Auf Trixie Whitley, Tochter des verstorbenen Chris Whitley, trifft dieser Satz nicht zu, spielt sie doch in der Band Black Dub mit Daniel Lanois (Gitarre), Schlagzeuger Brian Blade und (neuerdings) Bassist Jim Wilson. Im Rahmen ihrer Europatournee gastierten Black Dub am vergangenen Mittwoch in der gut gefüllten Darmstädter Centralstation.

Vor dem Auftritt von Black Dub spielte der amerikanische Blues-Musiker Rocco DeLuca ein halbstündiges Set, das eine intensive Erfahrung bot. Nur begleitet von sich selbst auf der elektrischen Gitarre schafft Rocco eine verstörende, düstere Klangwelt. Die mit Effekten verfremdete Gitarre klingt wild und unberechenbar, während Rocco manchmal leise säuselnd singt, manchmal durchdringend schreit. Dazu verdreht er – wie von Emotionen übermannt – gespenstisch die Augen. Das Publikum zeigt sich von seiner leidenschaftlichen Musik angetan und applaudiert reichlich.

Black Dub boten mehr Musik, die im Blues verwurzelt ist, allerdings zeigen sie nicht seine raue oder ungeschliffene Seite, sondern spielen ebenso professionell wie kontrolliert. Hier drohen weder Grenzüberschreitungen noch gewagten Experimente, sondern relativ geradliniger Blues-Rock, durchsetzt mit längeren Jams und Soli. Dass die Show nicht langweilig wird liegt im Wesentlichen an Sängerin Trixie Whitley (die auch Schlagzeug, Gitarre und Keyboards spielt!), deren Stimmgewalt und Ausdrucksstärke in augenfälligem Kontrast zu ihrer zierlichen Erscheinung stehen. So wirken Lanois und der unauffällige Basisst Jim Wilson wie Nebenfiguren, da vor allem Whitley die Blicke (und Kameras!) der (männlichen) Zuschauer auf sich zieht.

Daher spielt es keine große Rolle, dass das Songmaterial der Band teilweise sehr fragmentarisch ist: es dient ja lediglich als Ausgangspunkt instrumenteller Erkundungen sowie als Basis für Trixie Whitleys "Rockröhre". Darüber hinaus besitzt Whitley trotz ihres jungen Alters eine Bühnenpräsenz, deren Fehlen offenkundig wird, wenn Lanois einen Song wie Fire ohne ihre Mitwirkung singt. Ihm fehlt es nämlich an Charisma und stimmliche Ausdrucksstärke um die sehr dynamische Musik zu durchdringen. Das zeigt sich auch bei der Zugabe, dem Klassiker "The Maker" (von Lanois' erstem Soloalbum "Acadie"), das ein poppigeres, weniger dominantes Arrangement benötigt, um sich entfalten zu können. 

Wer gekommen ist, um die instrumentalen Fertigkeiten der Musiker zu bestaunen, erhält insbesondere im instrumentalen Mittelteil "Agave/Slow Baby" die Gelegenheit, die Vielseitigkeit von Brian Blade zu bewundern. Steel findet Daniel Lanois an der Pedal Steel wieder, wo er im Duett mit Blade freilich nicht bestehen kann. Der Abschluss des regulären Sets, Ring The Alarm, verdeutlicht erneut, weshalb Brian Blade als herausragender Jazz-Drummer für die langen Instrumentals von Black Dub unersetzlich ist: Ohne seine Leidenschaft und Virtuosität wären sie unerträglich langweilig, denn Lanois und Wilson sind - bei allem Bemühen - zu kontrolliert.

Am besten funktioniert die Band jedoch in den Stücken, in denen die vier Musiker einen dichten, dynamischen Bluessound schaffen, beispielsweise im bereits erwähnten "The Last Time", in "Silverado" und dem Cover "I'd Rather Go Blind". Wenn die individuellen Stimmen verschmelzen, schafft die Musik einen intensiven Sog, der das enthusiastisch applaudierende Publikum mitreißt. Daher sind Black Dub trotz mancher unnötiger Abschweifungen eine empfehlenswerte Liveband.

Setlist

Nomad | Love Lives | The Last Time | Surely | I Believe In You | Agave/Slow Baby | Steel | Fire | Silverado | The Messenger | I'd Rather Go Blind | Ring The Alarm

Zugabe: The Maker

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