Rise Against (live in Mainz, 2011)

Rise Against (live in Mainz, 2011) © Achim Casper

Am 11. März erschien ihr neues Studioalbum "Endgame", das direkt von 0 auf Platz 1 in die deutschen Albumcharts eingestiegen ist. Die Tour dazu ist in vollem Gange. In der Mainzer Phönix-Halle boten Rise Against ein Konzert, wie man es von ihnen erwarten durfte: Mit viel Power und Leidenschaft verausgabten sie sich auf der Bühne und rissen ihr Publikum mit. Am Ende blieb nur eine Frage im Raum stehen: "Das war's schon?"

{image}Rise Against können es einfach! Dieser plakativen Aussage bedarf es nur geringer Erläuterungsversuche. Seit über zehn Jahren mischen sie in der Melodic Hardcore-Szene mit, gewannen nicht zuletzt auch durch ihren Support für Green Day im letzten Jahr immer größere Aufmerksamkeit. Doch dabei blieben sie sich stets treu: Bei ihrer Affinität zu diversen Rechtsschutzorganisationen und ihrer sozialkritischen Haltung haben sie keine Kompromisse gemacht. Ganz im Gegenteil, gerade Hero of War ist das Aushängeschild für ihre politische Unzufriedenheit. Vielleicht – oder sogar bestimmt – sind sie reifer geworden und vielleicht tendiert man durch zunehmendes Alter dazu, auf die härteren Riffs zu verzichten. Ihr neues Album Endgame oder davor schon Appeal To Reason waren deutlich zurückgenommen und sind bis auf einige Ausnahmen letztendlich im Poprock angesiedelt. Dass sie damit eine größere Masse ansprechen, konnte man nicht zuletzt in der Mainzer Phönix-Halle sehen, die komplett ausverkauft war (von der Nummer Eins-Platzierung in den Albumcharts soll hier erstmal keine Rede sein).

{image}Dementsprechend spannungsgeladen wartete die Menge nach Coliseum auf den Hauptact. Wer schon einmal auf einem Rise Against-Konzert war oder auch nur Live-Videos gesehen hat, hatte eine ungefähre Vorstellung davon, was man erwarten konnte: eine perfekte Show, die von Frontmann Tim McIlrath und seiner herausragenden Stimme getragen wird. Das Mainzer Publikum wurde nicht enttäuscht: Mit Chamber the Cartridge, State of the Union und anschließend The Good Left Undone eröffneten die Chicagoer ihren Auftritt. Ein überraschender Anfang für all jene, die aufgrund der beiden neusten Alben aufs Konzert gekommen sind. Dass Rise Against allerdings damit schon fast die Hälfte der Songs von The Sufferer & the Witness und Siren Song of a Counter Culture gespielt haben, die an diesem Abend noch kommen sollten, war für die alteingesessenen Fans vielleicht etwas enttäuschend: Acht von zwanzig Songs wurden von diesen beiden Alben gespielt.

{image}Eine Reihe von Titeln aus Appeal To Reason und Endgame folgten, mit Help Is On The Way als Höhepunkt. Bis dahin waren Band und Publikum in ihrem jeweiligen Element: Rise Against legten einen Auftritt hin, bei dem man am Ende lediglich kritisieren konnte, dass er zu kurz gewesen ist. Die Zuschauer feierten alles, was ihnen dargeboten wurde, wobei man sich anfangs dennoch wundern konnte, ob das tatsächlich ein Konzert der härteren Sorte ist: die Atmosphäre war unglaublich enspannt und wurde von unisonem Mitklatschen bestimmt. Erst kurz vor dem Mittelteil konnte man die ersten pogenden Menschen sehen: Bei Prayer of the Refugee wurde alle aufgestaute Energie freigelassen und zumindest die vordere Hälfte der Halle war eine einzige Masse aus herumfliegenden Gliedmaßen. Dass die ersten Reihen dementsprechend ungemütlich für all die gemächlicheren Konzertbesucher wurde, merkte man an der kollektiven Flucht von etlichen Zuschauern in die hinteren Reihen.

{image}Absoluter Höhepunkt waren nach 60 Minuten und einer kurzen Pause die beiden Akustikstücke Swing Life Away und Hero of War, wobei letzteres mit der einsetzenden Band als Vollversion endete. Doch trotz einer fantastischen Band, einem gelungenem Auftritt und einem dankbaren Publikum blieb am Ende ihres Auftritts ein unbestimmtes, unbefriedigtes Gefühl zurück. Vielleicht weil Rise Against nach weiteren drei Songs und insgesamt 80 Minuten die Bühne verließen, ohne der Menge die Chance zu geben, nach einer Zugabe zu rufen. Oder weil die Zweigeteiltheit des Publikums für eine abwechselnde Stimmung sorgte. Zwar kam jeder einzelne auf seine Kosten und die Summe des Applauses war auch nicht zu verachten. Aber während die eine Hälfte bei den älteren Sachen abging, feierte die andere Hälfte die neuen Stücke.

Rise Against ist eine Band, die sowohl auf Platte als auch live zu den besten ihres Genres gehört. Mit ihrer Musik haben sie eine Ebene erreicht, die nun auch die breite Masse anspricht (für den ersten Platz für Endgame haben sie sich auch angemesssen beim Publikum bedankt), was der Band durchaus zu gönnen ist. Doch auch wenn ihre aktuellste Veröffentlichung für die bis dato größte Aufmerksamkeit gesorgt hat, lohnt es sich immer, auch auf die Anfänge einer Band zu schauen.

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