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Touche Amore (live der Schleyer-Halle, Stuttgart 2012) © Ann Buster

Die 13.000 Besucher fassende Schleyer-Halle ist sehr gut gefüllt, als Rise Against ihren Besuch in Stuttgart abhalten. Sie haben Feuer im Hintern und kluge Botschaften auf der Zunge – eine Kombination, die bei Musikbegeisterten doch immer voll ins Schwarze trifft!

{image}Die Schleyer-Halle ist auch schon mehr als halb gefüllt, als die Mannen um Jeremy Bolm in bester Punk-Manier die Bühne betreten: "Hello, we are Touché Amoré from California!" Danach haben sie keine Zeit mehr zu verlieren und klopfen einen Song nach dem anderen in die gierigen Mäuler der Fans. Schon beim zweiten Song sind alle Arme in der Luft. Man mag direkt wieder "Hype!" schreien. Touché Amoré sind derzeit in aller Munde in der Hardcore-Szene. Ihr neues Album Parting The Sea Between Brightness And Me ist zur Zeit ein absolutes must-hear. Doch inwieweit wird der Hype der Band gerecht? Er wird es! Touché Amoré bieten hier ganz großes Tennis mit einer unglaublichen Energie, die kaum jemanden im Publikum kalt lässt. Touché Amoré feuern in bester "Einer geht noch"-Manier ihre Songs in deutlich höherer Geschwindigkeit als auf Platte ins Publikum, um den Fans noch möglichst viele Songs mit auf den Heimweg zu geben!

{image}Die Luft ist schon deutlich dicker als die Architects in die zu schon gut zweit drittel gefüllte Schleyer-Halle einlaufen. Bald sind sie mit einer neuen Scheiblette am Start: Daybreaker wird das neue Architects-Album heißen und am 25. Mai 2012 via Century Media erscheinen. Pünktlich zum Tourstart haben sie auch The Here And Now als "2012 Special Edition" veröffentlicht und mit einigen Videoclips angereichert. Die bewegungsfreudigen Briten bieten weniger von ihrem Mathcore-lastigen Metalcore der Anfagszeit denn neueren, stiloffeneren, ohrwurmlastigeren und auch deutlich livetauglicheren Songs des letzten Albums. Schon von Anfang an bilden sich in jeder Absperrung eigene Circle-Pits. Sänger Sam kann zwar nicht dass Wasser teilen, dafür aber die Menschenmenge was in der ersten Wall-Of-Death des Abends führt. Diese wird dafür mit einem Stagedive von Sam belohnt! Learn To Live kann dabei mit seiner gegen Ende extrem hymnischen Natur punkten, Delete, Rewind gibt dagegen dermaßen ansatzlos auf die Fresse, dass einem erstmal gar nichts mehr einfällt. Es macht einfach Spaß den Jungs zuzusehen!

{image}Die erfolgsverwöhnten, doch stets am Boden gebliebenen und dem Melody-Core verschriebenen Rise Against schaffen es mit jeder Veröffentlichung bis in die vordersten Ränge der Verkaufcharts. Seit über 10 Jahren beehren sie schon die Bühnen dieser Welt und sind auch der lebende Beweis, dass politisches und soziales Engagement in unserer schnelllebigen Zeit noch von Nachhaltigkeit sein kann. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich neben den obligatorischen Merchständen auch ein Stand der Tierrechtsorganisation Peta im Vorraum befindet.

Rise Against bewahren dabei stets ihre Punk-Credibility. Vom ersten Ton an pogt die ganze Halle, allen voran Sänger Tim McIlrath, er ist ebenfalls vom ersten Ton an in Bewegung. Diese Band macht einfach Freude! Der Stimmungspegel erreicht bedrohliche Ausmaße, die Laune ist bestens und die Crowdsurfer fleißig unterwegs.

Rise Against begeistern nicht nur mit musikalischer Treffsicherheit, viel Leidenschaft für ihre Musik und einem guten Gespür für Melodien, sondern auch mit politischem Engagement trifft die Band aus Chicago den Nerv einer vielfältigen Zielgruppe, die heute die Schleyer-Halle bevölkert. Von einer Hardcore-Band in den Anfangstagen hat sich Rise Against immer mehr in die Mainstream-Ecke Marke Green Day entwickelt. So ist der Hauptanteil der Besucher auch zwischen 16-20 Jahren, die teilweise noch auf einen erziehungsberechtigten Escort-Service, bzw Abholservice angewiesen ist. Insgesamt darf man jedoch eine bunte Anhängerschar bestaunen, die sich und die Band euphorisch abfeiert.

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So hinterlässt dieses Package auch eine absolut verschwitzte bunte Meute, als die Lichter in der Schleyer-Halle wieder angehen. Aber bei aller political correctness an diesem Abend – wäre es nicht auch mal politisch korrekt, die Vorbands mit ausreichend Licht und Sound auszustatten? Dass nicht aller Platz auf der Bühne zur Verfügung steht ist ja nachvollziehbar, aber wie immer wird der Sound erst im Verlaufe des Abends besser. Haben die Topacts wirklich dieses Spiel nötig? So wünschen wir uns dieses Billing noch einmal und freuen uns auf Touché Amoré und Architects im Monstersound!

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